Wirtschaft



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03.02.2009
 

Klage gegen Agrarverband

Bauer Heitlinger bekämpft das System

Von Susanne Amann

2. Teil: Wie ein schlauer Bauer den mächtigen Agrar-Marketingverband zwang, sich zu reformieren

Doch damit nicht genug: Ohne Geld und ohne professionelle Hilfe macht der renitente Geflügelzüchter das, was man wohl als die gelungenste PR-Arbeit der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren bezeichnen kann: Unermüdlich hat er Journalisten mit internen Papieren versorgt und auf die neusten Entwicklungen der komplexen Materie hingewiesen. Er hat eine Website betreut, die im vergangenen Jahr im Schnitt mehr als 600 Besucher pro Tag hatte. Er hat in Berlin Politiker der verschiedensten Parteien überzeugt, dass der Absatzfonds Reformbedarf hat. Er hat dafür gesorgt, dass Tausende von Bauern ebenfalls Widerspruch gegen ihre Zahlungsbescheide einlegten und der Marketinggesellschaft plötzlich fast zwei Drittel ihres Etats wegbrachen. Sprich: Er hat dafür gesorgt, dass es richtig ungemütlich wurde für die CMA.

Mit so einem schlauen Bauer hatte man dort nicht gerechnet, man hat ihn unterschätzt. Deshalb ist man nicht besonders gut auf ihn zu sprechen - auch wenn man ihm hinter vorgehaltener Hand Respekt zollt. Offiziell aber kämpft die CMA jetzt: Um ihr Geld, um ihre Aufgabe, um ihre Daseinsberechtigung. "Absatzförderung ist wichtiger denn je, wir müssen den Export unterstützen," wiederholt der neue Sprecher Michael Wanhoff Mantra-artig das Credo der neuen Führungsriege.

Denn tatsächlich hat Heitlinger etwas erreicht, was viele für unmöglich gehalten haben: Die CMA hat sich reformiert – oder auf jeden Fall so getan. Der Geschäftsführer trat ab, der Pressesprecher auch. Man konzentriert sich jetzt auf die Exportförderung, hat intern Strukturen verändert, will statt mit rund 40 nur noch mit fünf Werbeagenturen zusammenarbeiten. "Wir haben gezeigt, dass wir reformfähig sind und haben damit das Vertrauen der Bauern wieder gewonnen", ist Wanhoff überzeugt. Das wird auch das Bundesverfassungsgericht überzeugen, ist man sich sicher. Auch wenn man damit rechnet, dass das Gesetz für "verfassungswidrig, aber nicht nichtig" erklärt wird und "die Arbeit der CMA damit weitergeht".

CMA zweifelt nicht am Sinn der Zwangsabgabe

Über die Frage, ob eine staatliche Zwangsabgabe noch in eine globalisierte Landwirtschaft passt, denkt man nicht nach. Fragen in diese Richtung werden unwirsch abgebügelt. "Wir konzentrieren und jetzt auf die Neuausrichtung", heißt es.

Dabei ist das die alles entscheidende Frage, über die jetzt das Bundesverfassungsgericht entscheiden muss. "Ist das Absatzfondsgesetz überhaupt noch zeitgemäß und ist es mit Europarecht vereinbar", fasst Carsten Bittner die Knackpunkte der Klage zusammen. Der Anwalt vertritt nicht nur Heitlinger, sondern auch zwei weitere Kläger, eine Hamburger Müllerei und einen Geflügelschlachter aus Gräfenwalde. Er hat sich seit Jahren mit dem Absatzfonds beschäftigt - und als die EU der CMA 2002 die länderspezifische Werbung verboten hat, hat er gewusst, dass damit das Ende der Zwangsabgabe auf jeden Fall in Reichweite ist. Und mit dem Bauern Heitlinger hatte er "einen, der sich reinkniet", der "das, was er sich vornimmt, mit vollem Engagement macht".

Der Kampf mit der CMA war "keine Privatfehde", sagt auch Tilmann Becker von der Uni Hohenheim. "Den hat einfach geärgert, dass er für etwas Geld zahlen soll, was auch von Wissenschaftlern schon lange nicht mehr für sinnvoll gehalten wird." Denn auch hier genießt die Arbeit der CMA keinen besonders guten Ruf: "Eine Absatzförderung im Inland ist nicht sinnvoll möglich und wenn jetzt schon wieder fünf Millionen für neue Werbung ausgegeben werden, dann ist das schlicht rausgeschmissenes Geld", sagt der Agrarmarketing-Experte.

Heitlinger selbst lacht, wenn man ihn fragt, warum er den Kampf so viele Jahre geführt hat. Warum er fast 20.000 Euro und viele, viele Nächte investiert hat - nur, um rund tausend Euro nicht zahlen zu müssen. Warum es ihm einen solchen Spaß gemacht hat, die Oberen der CMA und des Deutschen Bauernverbandes immer wieder zu ärgern, zu sehen, wie sie erst überheblich, dann irritiert und schließlich nervös waren. "Ich hab's sportlich gesehen - und irgendwann hat es mich auch ein bisschen an der Ehre gepackt", sagt er.

An seinen Erfolg hat er von Anfang an so sicher geglaubt, dass er schon den zweiten Leitz-Ordner mit Unterlagen mit "Absatzfonds - Der Letzte" beschriftet hat. Ein dritter ist mittlerweile dazugekommen, das soll aber "Der Allerletzte" sein.

Nicht alle in der Familie haben an ihn geglaubt, die Mutter hat bis heute ihre Zweifel, ob er eine Chance hat. "Sieger zweifeln nicht, wer zweifelt, siegt nicht", bekam sie allerdings zu hören, als sie das beim letzten Mal am Mittagstisch erwähnte. Allerdings nicht von Heitlinger, sondern von dessen 14-jähriger Tochter.

Die Landluft, so scheint es, stärkt die Abwehrkräfte.

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