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05.02.2009
 

Wirtschaftskrise

EZB hält Leitzins bei zwei Prozent

Die Europäische Zentralbank lässt den Zinssatz im Euro-Raum trotz anhaltender Wirtschaftskrise unverändert. Angesichts der Rezession in vielen Euro-Ländern und des nachlassenden Preisdrucks hatten viele Ökonomen zwar eine weitere Senkung verlangt, aber mit einer Zinspause gerechnet.

Frankfurt am Main - Mit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) verbleibt der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen, weiter bei zwei Prozent. Das beschloss die EZB am Donnerstag nach einer Ratssitzung in Frankfurt.

EZB-Präsident Trichet: Die Zentralbank steckt im Dilemma
AP

EZB-Präsident Trichet: Die Zentralbank steckt im Dilemma

Marktbeobachter hatten mit dieser Entscheidung gerechnet, erwarten aber in den kommenden Monaten weitere Zinssenkungen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte einen solchen Schritt für die Sitzung im März signalisiert.

Erst Mitte Januar hatte die EZB den Leitzins um 50 Basispunkte auf zwei Prozent gesenkt - den niedrigsten Wert seit drei Jahren. Mit den Mini-Zinsen versucht die Zentralbank, die Konjunktur in Europa wieder anzukurbeln. Die Idee dahinter: Je günstiger sich die Unternehmen Geld leihen können, desto eher investieren sie.

Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass zu niedrige Zinsen die Inflation befeuern. Die EZB steckt deshalb stets in einem Dilemma: Soll sie die Konjunktur stimulieren und die Zinsen senken? Oder muss sie vorrangig die Inflation bekämpfen und die Zinsen erhöhen?

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In der Euro-Zone gilt eine Inflation von zwei Prozent als magische Grenze. Oberhalb dieses Wertes sieht die EZB die Preisstabilität in Gefahr - und tendiert eher zu hohen Zinsen. In der aktuellen Wirtschaftskrise spielt aber auch die Angst vor einer globalen Rezession eine Rolle - was für eher niedrige Zinsen spricht.

In dieser Situation hat sich die EZB nun dafür entschieden, gar nichts zu tun: Der Leitzins bleibt stabil bei zwei Prozent. Dass sich die Inflation zuletzt abgeschwächt hat - vor allem wegen der gesunkenen Energiepreise -, dürfte den Zentralbankern die Entscheidung erleichtert haben.

Vor der EZB hatte am Mittag in London die Bank of England den Leitzins für Großbritannien wie erwartet um 50 Basispunkte auf das historische Tief von einem Prozent gekappt.

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ist das Zinsniveau in Europa hoch. Die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins auf bis zu null Prozent gesenkt - und damit all ihr Pulver verschossen. In Amerika sind nun weitere Zinsschritte nach unten nicht mehr möglich. Die EZB hingegen hält sich ein Türchen offen: Sollte die Konjunktur weiter abschmieren, kann sie die Zinsen doch noch senken.

Tatsächlich stellte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine weitere Zinssenkung für März in Aussicht. "Ich schließe im Moment nicht aus, dass wir die Rate bei unserem nächsten Treffen senken könnten", sagte er am Donnerstag in Frankfurt. "Wir bestätigen, dass zwei Prozent nicht das niedrigste Niveau ist." Eine erneute Leitzinssenkung würde einen deutlichen Einschnitt bedeuten: Niedriger als zwei Prozent lag der Leitzins in der rund zehnjährigen Geschichte der europäischen Währungsunion noch nie.

Der Leitzins ist der Zins, zu dem sich private Geschäftsbanken bei der EZB mit frischem Geld eindecken können. Je niedriger er ist, desto günstiger können die Banken Kredite an Unternehmen und Verbraucher vergeben.

Zinssätze in den USA

Leitzins

Er legt denjenigen Zinssatz fest, zu dem sich Geschäftsbanken bei einer Zentral- oder Notenbank Geld beschaffen können. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden.

Diskontsatz

Allerdings funktioniert dies nicht immer: In Zeiten knapper Liquidität benötigen die Banken das Geld oft selbst. So sind Konsumentenkredite in Deutschland im vergangenen Jahr kaum günstiger geworden. Und das, obwohl die EZB den Leitzins massiv gesenkt hatte: Mitte 2008 lag er noch bei 4,25 Prozent (siehe Grafik).

kaz/wal/Reuters

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