Nürnberg/Göppingen - Der Insolvenzverwalter von Märklin, Michael Pluta, sieht gute Chancen für eine Fortführung des Unternehmens. "Es geht weiter, wir produzieren weiter", sagte er auf der Spielwarenmesse in Nürnberg.
Märklin-Lokomotive: "Extrem bekannte Marke"
Märklin sei eine extrem bekannte Marke mit einer großen Fangemeinde. "Der Markt wünscht, dass sie erhalten bleibt. Dafür haben wir klare Signale", sagte Pluta. So sei mit einem der wichtigsten Kunden von Märklin - dem Einkaufsverbund idee+spiel - bereits vereinbart worden, die Kooperation fortzusetzen.
Der Modelleisenbahn-Hersteller hatte am Mittwoch seine Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben. Die Banken wollten einen Kredit über 50 Millionen Euro nicht verlängern. Pluta war daraufhin als Insolvenzverwalter eingesetzt worden.
Der Rechtsanwalt erklärte nun, sein Ziel sei es, einen Investor zu finden, der möglichst viele Arbeitsplätze dauerhaft erhalten und die traditionsreiche Firma "wieder zur vollen Blüte bringen" wolle. "Ich sehe eine Zukunft für das Unternehmen", sagte Pluta.
Zugleich verteidigte der Rechtsanwalt das Verhalten der Banken, die Märklin nicht weiter helfen wollten. Alles andere wäre "Beihilfe zur Insolvenzverschleppung" gewesen. Das Eigenkapital sei aufgezehrt, Märklin habe nur Verluste vorgelegt und Pläne nicht eingehalten. Für die Beschäftigten seien die Löhne und Gehälter durch das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert, erklärte Pluta. "Das bringt Beruhigung für die Mitarbeiter."
Zweistelliger Millionenbetrag für Berater
Seine erste Maßnahme im Unternehmen beschrieb der Jurist mit den Worten: "Alle Berater raus." Teure Beraterverträge galten als ein Grund für die Schwierigkeiten von Märklin. Diese Verträge nun aufzulösen, spare einen knapp zweistelligen Millionenbetrag im Jahr, sagte Pluta. Dies sei fast die Hälfte des Jahresverlustes. Zur Zahl der bei Märklin tätigen Berater sagte Pluta: "Da tränen einem die Augen."
Auch am bisherigen Eigentümer, dem Finanzinvestor Kingsbridge, übte Pluta deutliche Kritik. Die Insolvenz könne eine Art "Befreiung" sein. Bei Kingsbridge habe das "Herzblut" gefehlt. "Keiner sagt: Schade, dass die weg sind."
Pluta betonte, dass eine Insolvenz nicht automatisch das Aus für die Firma bedeute, sondern lediglich das Aus des Gesellschafters. "Unser Lieblingsmodell wäre jetzt, einen Mittelständler zu finden, der Herzblut für die Entwicklung der Firma mitbringt."
Ob das Unternehmen mit den Modellbahn-Marken Märklin, Trix und LGB aufgeteilt werde, sei zweitrangig. "Entscheidend ist die Versorgung des Marktes mit Produkten." Auf der Spielwarenmesse Nürnberg gehe es nun darum, Händler und Lieferanten zu informieren und zu beruhigen. "Wir müssen Aufträge schaufeln", sagte Pluta.
"Jetzt erst recht"
Viele Händler auf der Spielwarenmesse zeigten sich allerdings verunsichert. "Das trifft uns alle", sagte der Vorstandsvorsitzende des Spielwaren-Einkaufsverbunds Vedes, Thomas Märtz. Die Insolvenz könne negative Folgen für die gesamte Branche haben. Andere Manager betonten hingegen, dass sie weiterhin Aufträge an Märklin vergeben werden.
Am Märklin-Stammwerk in Göppingen fand an diesem Donnerstag eine Betriebsversammlung statt. Die rund 650 Mitarbeiter vor Ort wurden über die Lage informiert. "Viele sind unsicher und wissen nicht, was eine Insolvenz ist", sagte der Betriebsratsvorsitzende Dieter Weißhaar. Er wolle vermitteln, dass das Verfahren auch eine Chance sei.
Märklin-Geschäftsführer Dietmar Mundil gab sich ebenfalls optimistisch. "Wir haben eine gute Mannschaft, die sich mit Märklin verbunden fühlt und denkt: Jetzt erst recht."
wal/dpa/AP
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