Frankfurt am Main - Die Commerzbank
geht bei der Entsorgung fauler Anlagen in der Finanzkrise eigene Wege. Das Institut hat eine interne Sondereinheit gegründet, in die Problempapiere ausgelagert werden.
Laut "Handelsblatt" orientiert sich das Modell an der Praxis der jüngst übernommenen Dresdner Bank. Diese hatte eine derartige Abwicklungseinheit bereits 2002 gegründet. Nun schafft auch die Commerzbank Tatsachen, während auf politischer Ebene noch über die Entsorgung fauler Wertpapiere in sogenannten "Bad Banks" diskutiert wird.
Ein Sprecher des Instituts betonte, dass die jetzt gegründete Sondereinheit "keine 'Bad Bank' ist, sondern ein Bereich im Kreditportfolio-Management der Investmentbank". Die Papiere verblieben in der Bilanz der Commerzbank. Mit dem Schritt würden nichtstrategische Portfolios reduziert. Spezialisten könnten sich besser um die komplizierte Abwicklung der Problempapiere kümmern.
Die Maßnahme entlastet die Commerzbank nicht dauerhaft von ihren Risiken - schließlich werden die faulen Papiere nur zwischengelagert. Die Gründung einer institutseigenen Sondereinheit hat aber den Vorteil, dass die Risiken klarer strukturiert und damit konzentrierter abzuwickeln sind. Der Vorzug für den Steuerzahler: Die verschobenen Wertpapiere bleiben im Besitz der Commerzbank, der Staat bekommt keine Lasten aufgebürdet.
Das Geldhaus wird bereits massiv vom deutschen Staat gestützt. Der Bund ist mit 25 Prozent plus einer Aktie bei der Commerzbank eingestiegen. Das Institut erhielt vom Staat mehr als 18 Milliarden Euro an Kapitalhilfe.
Als Chef der Commerzbank-Sondereinheit ist der 41-jährige Restrukturierungsexperte Vijay Radhakishun berufen worden. Die Personalie deutet laut "Handelsblatt" darauf hin, dass es zunächst vor allem um die Verwertung komplexer Wertpapiere gehe.
Alternativ war in den vergangenen Wochen immer wieder über eine zentrale, vom Staat verwaltete "Bad Bank" diskutiert worden, in der alle Privatbanken ihre Schrottpapiere abwerfen können. Wegen der Risiken für den Steuerzahler lehnt die Bundesregierung diese Variante aber ab und setzt auf mehrere kleine "Bad Banks", die die einzelnen Geldhäuser selbst tragen sollen.
Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing sprach sich an diesem Donnerstag öffentlich gegen eine zentrale "Bad Bank" aus. Er halte nichts von derartigen Vorschlägen, sagte er auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Eine gemeinsame Lösung für alle Banken sei zu komplex.
Auch die Deutsche Bank
plädiert für individuelle Lösungen. Von einer nationalen Auffanggesellschaft für toxische Papiere halte er nichts, sagte Konzernchef Josef Ackermann am Donnerstag in Frankfurt. Jedes Institut müsse für sich entscheiden, ob es mit Hilfe des Staates eine "Bad Bank" gründen wolle. Ackermann betonte allerdings, dass sein eigenes Haus keine Abladestelle für riskante Wertpapiere brauche.
wal/Reuters/dpa
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