Ein Kommentar von Andreas Strehle, Zürich
Zürich - Gerüchteweise hatte es die Schweizer Öffentlichkeit schon seit zwei Wochen beschäftigt, an diesem Dienstagmorgen kam dann die Bestätigung von der UBS: Die schlingernde Großbank, lange der Stolz der Nation, zahlt ihren Mitarbeitern auch für das vergangene Jahr für 2,2 Milliarden Franken (rund 1,4 Milliarden Euro) "variable Lohnbestandteile", im Volksmund Boni genannt.
UBS-Logo: Belohnung für ruinös handelnde Banker?
Einzig ein staatliches Rettungspaket in Höhe von 66 Milliarden Franken bewahrte den Geldkonzern vor dem Zusammenbruch. Nachdem der Staat 2008 davon rund sechs Milliarden Franken in bar bereitstellte, fühlt sich der Schweizer Steuerzahler nun unfreiwillig in die Rolle gedrängt, ruinös handelnde Bankmanager mit Boni zu belohnen.
Entsprechend groß ist jetzt der Zorn. Doch die UBS-Boni sind bei aller Aufregung nicht nur das Resultat einer Unverschämtheit der Bank-Oberen. Tatsächlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Die Megabank UBS, 1998 aus der Fusion von zwei der drei Großbanken entstanden, ist im Verhältnis zur Schweizer Wirtschaft so groß, dass ihr Zusammenbruch die gesamte Wirtschaft mit den Abgrund reißen würde. Entsprechend hatte die Schweiz ihr Rettungspaket für die UBS schon Monate im Voraus in geheimen Gesprächen zwischen der Bankführung, Regierung und Notenbank geschnürt.
Dabei von "Verhandlungen" zu reden, wäre übertrieben. Eher ging es um aufgedrängtes Geld. Die Banker fürchteten die Hilfe sogar zunächst, weil sie den Staat in ihrem Weltbild lieber am eigenen Tropf hängen sahen. Als es nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in den USA keinen anderen Ausweg mehr gab, lag der Schweizer Finanzminister nach einem Herzstillstand im Koma. Seine Stellvertreterin agierte beherzt und wurde für ihre Rettungsaktion inzwischen zur "Schweizerin des Jahres" gewählt.
Abnicken durch den Rotkreuzhelfer
Über das Kleingedruckte waren sich die beiden Vertragsparteien so rasch einig, dass Selbstverständlichkeiten schlicht vergessen wurden. Etwa das Verbot, bei zweistelligem Milliardenverlust Boni auszuzahlen. Es blieb für die UBS bei einer vagen Verpflichtung, bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter die Branchenstandards einzuhalten. So war die Absegnung des anstößigen Bonusplans der UBS durch die neu geschaffene Finanzmarktaufsicht im Januar weniger Ergebnis von Gesprächen als vielmehr ein Abnicken durch den Rotkreuzhelfer.
Zudem misst die neue UBS-Führung auch in der neuen Zusammensetzung noch lieber den Puls der Finanzmärkte als den Puls des Volkes. Sie hat die Erfahrungen ihrer Vorgänger Marcel Ospel und Peter Wuffli schon erfolgreich verdrängt. Beide mussten sich inzwischen unter öffentlich gezeigter Zerknirschung verpflichten, einen Teil ihrer Boni zurückzuzahlen.
Die neue Führung ist nach wie vor überzeugt, dass nicht die Banken, sondern Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft für die Finanzkrise verantwortlich sind. Und dass Boni in der Schweizer Öffentlichkeit kein Thema mehr sind. Beides ist zumindest eine eigenwillige Wahrnehmung.
Die zu Hunderten eintreffenden Reaktionen auf den Websites und in den Leserbriefspalten der Zeitungen deuten jedenfalls an, dass sie sich nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung decken. Die Top-Spitze der Bank hält sogar ihren diesjährigen freiwilligen Bonusverzicht bei einem Jahresverlust von 19,7 Milliarden Franken für eine moralische Heldentat. Dabei würde Volkes Stimme sie liebend gerne persönlich am Jahresergebnis beteiligen - aber nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten.
Furcht vor dem Verlust der Top-Banker
Aber wie jede Absurdität hat auch die diesjährige Bonuszahlung der UBS ihren realen Kern: Die Bank will mit der freiwilligen Zahlung "variabler Lohnbestandteile" ihre Top-Leute im Private Banking an Bord halten. Schließlich ist das Privatkundengeschäft an der Krise so wenig mitverantwortlich wie die Schweizer Berge.
Die UBS steht hier in Konkurrenz mit anderen Privatbanken auf den Finanzplätzen Zürich, Genf, Lugano und Vaduz. Der Kampf ums Personal ist in der Krise härter geworden. Die UBS fürchtet bei diesen professionell geldorientierten Top-Leuten mit fixem Kundenstamm eine Abwanderung zur Konkurrenz, wenn sie keine Sonderzahlung erhielten. Zu Recht womöglich, wie zu Jahresende ein erfolgloser und deshalb rasch abgebrochener informeller Versuch der UBS bewies, die ganze Branche auf einen Bonusverzicht für 2008 zu verpflichten.
Und so stammt das Wort des Tages von UBS-Konzernchef Marcel Rohner: "Wir sind der Schweiz und der Nationalbank dankbar." Eigentlicher Adressat des Dankes indes ist der Schweizer Steuerzahler, der sich an die Großbanken so gewöhnt hat wie an hohe Berge. In guten wie in schlechten Jahren.
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Nehmen wir mal an, sie hatten Mittäter, die für den richtigen Ablauf gesorgt haben ... (siehe http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=3347973&postcount=10585) Die Gesetze, die das ganze legalisiert haben, wurden erst [...] mehr...
..... Gut, ich realtiviere dann mal: Wenn ein Bankräuber 50000 oder 60000 Euro abräumt, bekommt er locker zehn Jahre Gefängnis, wenn die Banker Milliarden verspielen, bekommen sie Boni und Staatshilfe. Hallo, muß mann das [...] mehr...
[QUOTE=SpieFo;3360699]Nehmen wir mal die Fondsbranche: ... Über die rechtliche Beurteilung der Beratung beim Verkauf von z.B. Lehman-Derivaten an Rentner sind die Gerichte gefordert. ... QUOTE] ...nicht nur von [...] mehr...
Nehmen wir mal die Fondsbranche: Bei einem Verkauf eines Fondsanteils an einen Bankkunden werden werden 5% Agio anfällig. Bei einem Anteilswert von netto 100 € muss der Kunde aber 105€ bezahlen. Umsatz: 105 €, Gewinn für [...] mehr...
Ihr letzter Absatz: So, nun kann ich auf den Punkt zurück kommen, der mir eigentlich wichtig ist. Sie schreiben: "So lange aber die Bank besteht, bestehen alle berechtigten Forderungen". Da haben Sie grundsätzlich [...] mehr...
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