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19.02.2009
 

Umstrittener Finanzplatz

"Liechtensteins Banken brauchen keine Staatshilfen"

Liechtensteins Ruf als Finanzplatz hat unter der Causa Zumwinkel schwer gelitten - in Zeiten der Bankenkrise will das Fürstentum wieder punkten. Vermögensverwalter Fritz Kaiser erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE, warum er sich über Peer Steinbrück ärgert und was er Kunden rät, die weniger Steuern zahlen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kaiser, Sie sind Vermögensverwalter in Liechtenstein - kein Beruf, mit dem man derzeit angeben kann, oder?

Kaiser: Das Image von Liechtenstein mag bei manchen Deutschen schlecht sein - die Politik stilisiert das Land ja zur vermeintlichen Steueroase. Das Bild stimmt aber nicht und wird andernorts auch anders beurteilt.

Vaduz in Liechtenstein: "Zuhören, was Liechtenstein zu sagen hat"
AP

Vaduz in Liechtenstein: "Zuhören, was Liechtenstein zu sagen hat"

SPIEGEL ONLINE: Liechtenstein ist in Wahrheit gar kein Steuerparadies?

Kaiser: Dieses Label passt ganz einfach nicht mehr. Wir sind schon seit Jahren auf dem Weg von der Steueroase zur Vermögensoase. Gegen Geldwäsche haben wir strenge Gesetze erlassen und wir haben eine der besten Finanzmarktaufsichten der Welt aufgebaut.

SPIEGEL ONLINE: Warum sollten Menschen ihr Vermögen nach Liechtenstein tragen, wenn nicht, um Steuern zu sparen?

Kaiser: Weil wir einen stabilen und professionellen Finanzplatz haben und man uns vertraut. Früher galt: Große Banken sind sicher und zuverlässig. Dann gingen vermeintliche internationale Champions plötzlich unter, verloren teils 90 Prozent ihres Börsenwertes - und auch viel Geld ihrer Kunden. In Liechtenstein finden Sie kleine, überblickbare Häuser, von denen noch keines Staatshilfen brauchte. Auch das ist heute ein Wettbewerbsvorteil.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem wurde im vergangenen Jahr viel Geld aus Liechtenstein abgezogen.

Kaiser: Vertrauen hat mit Image zu tun - und da hat Liechtenstein schon Schaden genommen. Angefangen hat alles mit der Verhaftung des deutschen Ex-Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der offenbar sein unversteuertes Geld in Liechtenstein geparkt hatte …

SPIEGEL ONLINE: … wie Tausende anderer, die im Rahmen dieser Affäre aufflogen. Das zeigt doch, dass Liechtenstein immer noch ein Hauptzufluchtsort für deutsche Steuerhinterzieher ist.

Kaiser: In der Affäre ging es vor allem um alte Vermögen, die seit Jahrzehnten angelegt sind. Wenn Sie heute zu einer Liechtensteiner Bank gehen mit dem Wunsch, Steuern zu hinterziehen, wird das niemand mehr machen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie persönlich je geholfen, Steuern zu hinterziehen?

Kaiser: Ich mache erst seit drei Jahren Vermögensberatung, die Steuerbelange einbezieht. Aber ich bin mit ein paar bekannten Sportlern befreundet. Wenn mich da einer gefragt hat, habe ich ihm schon vor 20 Jahren geraten: Sei ehrlich, du stehst derart im Rampenlicht - wenn das rauskommt, zerstört es dich. Einige sind dann nach Monaco umgezogen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind also sicher, dass Ihre Firma nur Vermögen verwaltet, die steuerrechtlich in Ordnung sind?

Kaiser: Nein, so gerne ich das auch hätte. Kaiser Ritter Partner ist als Gruppe erst vor drei Jahren aus mehreren Firmen entstanden, die teils sehr alte Vermögen verwalten. Wir raten unseren Kunden, Ihre Strukturen zu überprüfen und im Zweifelsfall finden wir einen Weg, sie mit den Steuergesetzen im Heimatland in Einklang zu bringen. Hierfür haben wir eine Abteilung, die sich darauf spezialisiert.

SPIEGEL ONLINE: Ist das das große neue Geschäft in Liechtenstein? Seit der Zumwinkel-Affäre rennen Ihnen verängstigte Deutsche doch sicher die Bude ein ...

Kaiser: Tatsächlich kommen viele. Dieser Geschäftsbereich ist 2008 um zehn Prozent gewachsen. Aber noch einmal: Ihr Finanzminister Peer Steinbrück hat Liechtenstein zu sehr in den Mittelpunkt der Debatte um unversteuerte Vermögen gestellt. Bei uns gibt es gerade mal drei Prozent der weltweiten Offshore-Vermögen.

SPIEGEL ONLINE: Dem deutschen Fiskus entgehen jährlich Unsummen wegen Steuerhinterziehung. Verstehen Sie nicht, dass Steinbrück das ändern will?

Kaiser: Natürlich muss er schauen, dass er sein Geld bekommt. Ich frage mich nur, ob man eine globale Herausforderung lösen kann, indem man mit Kanonen auf Spatzen schießt. Es gibt freundschaftlichere und effektivere Wege. Andere Staaten arbeiten mit Rechtsanwälten und Vermögensverwaltern zusammen, setzen Anreize.

SPIEGEL ONLINE: Welche zum Beispiel?

Kaiser: Je nach Staat kann man ausländische Vermögensstrukturen auf verschiedene Art und Weise legalisieren. Oft übernimmt der Verwalter dabei die Pflicht, die Steuern an das Heimatland des Kunden abzuführen. Viele Kunden nehmen solche Angebote erleichtert an - denn viele vermögende Menschen suchen eine Lösung. Sie wollen nur nicht geschmäht werden, wie es leider vor allem in Deutschland oft passiert.

SPIEGEL ONLINE: Sie nennen es schmähen, wenn wir Menschen verurteilen, die Millionen verdienen und trotzdem Steuern hinterziehen?

Kaiser: Man muss differenzieren. Man sollte die Steuergesetze in dem Land, wo man lebt, akzeptieren und einhalten - oder wegziehen. Was Herr Zumwinkel getan hat, war falsch. Aber man kann auch über die Methoden des Staates in der Affäre streiten. Immerhin wurde Hehlerware benutzt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen von der CD mit den Namen von Steuerhinterziehern, die einem Informanten abgekauft wurde ...

Kaiser: ... und von der extremen medialen Begleitung des Themas, die schon vor dem Gerichtsprozess einsetzte. Es gibt viele Vermögende, die sagen: Ich habe ein Unternehmen aufgebaut, ich habe einiges für die Gesellschaft getan - ich will nicht von der Presse so ins Gebet genommen werden. Wegen solcher Vorfälle flieht die finanzstarke Elite in Länder wie die Schweiz.

SPIEGEL ONLINE: Die sich nach Meinung von Herrn Steinbrück genauso unkooperativ verhält wie Liechtenstein, wenn es um die Bekämpfung von Steuerhinterziehung geht.

Kaiser: Das stimmt nicht. Liechtenstein ist bereit, mittels fairen bilateralen Verträgen auch mit Deutschland in Steuerfragen zu kooperieren. Das hat Erbprinz Alois mehrfach deutlich gemacht. Richtig ist, dass wir weiter für ein starkes Bankkundengeheimnis eintreten. Schließlich geht es uns um den Schutz der Privatheit, der vielerorts verfassungsrechtlich verankert ist. Vielleicht täte die Staatengemeinschaft gut daran, mal hinzuhören, was Liechtenstein zu diesem Thema zu sagen hat, in Zeiten, in denen der Datenschutz immer weiter ausgehöhlt wird.

Das Interview führte Anne Seith

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Die neuesten Beiträge:
16.01.2010 von stein-berg:

ach was, fast jeder kann Steuern minimieren, auch mit ganz normalem Einkommen, ganz legal, und fast auf NULL reduzieren. Da muss man nicht Milliardär sein. Ein Steuerberater ist dabei nicht unbedingt hilfreich. Einfach mal [...] mehr...

16.01.2010 von QUAEVS: Verschwendungssucht

So lange Steuergelder derart verschwendet werden wie das selbst für die Blindesten offensichtlich ist, ist es mMn legitim und notwendig, dass es Steueroasen gibt. Hand aufs Herz: Wer sich gegen Steueroasen ausspricht arbeitet [...] mehr...

11.01.2010 von grauer kater:

[QUOTE=stein-berg;4816384Deutschland könnte in der Tat ein "Steuerparadies" werden, zum Vorteil Deutschlands, aber das wird beamteten Hirnen - leider - nicht zu vermitteln sein.[/QUOTE] Solange die beamteten Hirne [...] mehr...

11.01.2010 von grauer kater:

Das Beste wäre, die ganze Erde zur Steueroase auszubauen, damit Menschen endlich wieder selbstbestimmt und frei über ihr Geld und ihr Leben gestalterisch verfügen können! mehr...

10.01.2010 von stein-berg:

*Jede* individuell unvorteilhafte Steuergesetzgebung läßt sich ganz legal aushebeln. Solange das deutsche System nicht bereinigt wird, wird sich daran nichts ändern. D könnte in der Tat ein "Steuerparadies" [...] mehr...

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