Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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12.02.2009
 

Industriekrise

EU überrascht von Ausmaß und Tempo der Rezession

Die Wirtschaftskrise erfasst alle Industriebranchen - und das in enormem Tempo: Die EU-Kommission ist einem Zeitungsbericht zufolge überrascht über die Dimension des Abschwungs. Der europäische Geschäftsklimaindex ist so niedrig wie noch nie in seiner 25-jährigen Geschichte.

Berlin/Brüssel - Die Aussichten für die europäische Wirtschaft verschlechtern sich rapide: Die EU-Kommission hat einem Zeitungsbericht zufolge wegen der Konjunkturkrise schwere Einbrüche in allen Industriesektoren festgestellt. Ausmaß und Geschwindigkeit der Krise seien völlig neu, zitiert die "Financial Times Deutschland" ("FTD") EU-Industriekommissar Günter Verheugen.

Industrieanlage: Produktions- und Absatzeinbrüche in vielen Sektoren
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DDP

Industrieanlage: Produktions- und Absatzeinbrüche in vielen Sektoren

Eine der "FTD" vorliegende interne Analyse beschreibt anhand von Beispielen aus dem verarbeitenden und dem Baugewerbe massive Produktions- und Absatzeinbrüche. Der seit 1985 von der EU-Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen erstellte Geschäftsklimaindex ist demnach auf das niedrigste Niveau seit seiner Einführung gefallen.

Vor allem die Autoindustrie wird von der anhaltenden Kreditklemme hart getroffen. "Der allgemeine Zugang zu Krediten spielt für die Autoindustrie eine wichtige Rolle, da 60 bis 80 Prozent der Privatwagen in Europa mit Krediten gekauft werden", heißt es in der EU-Analyse.

In der Stahlindustrie sehen die Experten der EU-Kommission Auftragseinbrüche von 43 bis 57 Prozent. Hinzu kämen eine aggressive Verkaufspolitik chinesischer Hersteller und Abschottungstendenzen vieler außereuropäischer Länder.

Für Lebensmittelherstellung und -sicherheit könne die Wirtschaftskrise verheerende Folgen haben, warnt die EU außerdem. Die Kombination aus fallenden Preisen für Agrarprodukte und erschwertem Zugang zu Krediten dürfte die Landwirtschaft der ärmsten Staaten beeinträchtigen und Preisschwankungen verschärfen.

Streit um Protektionismus

Angesichts der massiven wirtschaftlichen Probleme sucht die EU nach Lösungsansätzen. Die Staats- und Regierungschefs kommen am 1. März zu einem außerordentlichen Gipfel zur Wirtschafts- und Finanzkrise in Brüssel zusammen. Das erklärte der EU-Ratspräsident und tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek am Mittwoch. Bei dem Treffen soll das Vorgehen der 27 Mitgliedsländer zur Stützung des Bankensektors und der Konjunktur abgestimmt werden.

Topolanek hob die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens hervor. Der europäische Binnenmarkt sei das "Vehikel, um uns aus der Krise zu führen", sagte er. Solidarität und Zusammenhalt in der EU seien nötiger denn je, ergänzte Kommissionspräsident José Manuel Barroso, mit dem sich Topolanek zuvor beraten hatte. Der kurzfristig anberaumte Sondergipfel soll Beschlüsse für den regulären EU-Gipfel am 19. und 20. März in Brüssel vorbereiten.

Der Sondergipfel dürfte sich auch mit der Haltung der EU-Staaten zu protektionistischen Maßnahmen beschäftigen. "Manche Mitgliedstaaten verlangen nach mehr Protektionismus und andere nach einem Einhalten der Regeln" des europäischen Binnenmarktes, sagte Topolanek. "Wir sollten ein Gleichgewicht finden."

Am Montag hatte Frankreich milliardenschwere Staatshilfen für seine Automobilindustrie angekündigt und dies an den Erhalt von Produktionsstätten im Inland geknüpft. Tschechien, wo unter anderem die Gruppe PSA Peugeot Citroën ein Werk unterhält, zählt zu den Kritikern der als protektionistisch gebrandmarkten Politik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die französischen Milliardenhilfen für die Autoindustrie auf dem EU-Sondergipfel zur Sprache bringen. Im europäischen Binnenmarkt müssten gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen, sagte Merkel am Mittwoch nach dem Antrittsbesuch des neuen belgischen Ministerpräsidenten Herman van Rompuy in Berlin.

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft bleibt unterdessen weiter schlecht. Wie das Münchner Ifo Institut am Mittwoch mitteilte, sackte der Stimmungsindikator für den Euro-Raum im ersten Quartal 2009 zum sechsten Mal in Folge von 50,8 Punkten im Vorquartal auf 45,8 Punkte ab. Dabei handelte es sich um einen historischen Tiefststand.

suc/Reuters/ddp/AFP/dpa

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