Berlin - Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Deutschland zu einem historischen Konjunktureinbruch geführt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Oktober bis Dezember unerwartet deutlich um 2,1 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer Schätzung mitteilte. "Das war der größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland", hieß es. Der bisherige Negativrekord seit der Deutschen Einheit lag bei minus 1,2 Prozent im ersten Quartal 1993.
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Im ersten Quartal 1987 war das BIP zuletzt stärker als jetzt geschrumpft, nämlich um 2,5 Prozent. Der jetzige Rückgang ist allerdings gravierender, weil damals schon im folgenden Quartal ein Wachstum von 2,2 Prozent erreicht wurde. Das jetzige Minusquartal ist aber bereits das dritte in Folge. In den beiden Vorquartalen schrumpfte die Wirtschaft um jeweils ein halbes Prozent. Nach allen Maßstäben steckt Deutschland damit in einer schweren Rezession.
Experten zufolge wird die konjunkturelle Talfahrt in diesem Jahr anhalten. "Die Leute, die da sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Donnerstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Er rechne zur Bundestagswahl im September mit 500.000 bis 700.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.
Pessimistisch äußerte sich auch der Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels: "Im ersten und zweiten Quartal dürfte es noch einmal nach unten gehen".
Bereits im Frühjahr und Sommer 2008 war die Wirtschaftsleistung um jeweils 0,5 Prozent geschrumpft. Zu Jahresbeginn gab es dagegen ein kräftiges Plus von 1,5 Prozent. Deshalb reichte es im Gesamtjahr 2008 noch zu einem Wachstum von 1,3 Prozent. Damit bestätigte das Amt eine erste Schätzung von Mitte Januar.
Für dieses Jahr sagt die Bundesregierung die schwerste Rezession seit 1949 voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach um insgesamt 2,25 Prozent sinken. Einige Ökonomen halten sogar ein Minus von drei bis vier Prozent für möglich. Der Euro geriet nach Bekanntgabe der Daten unter Druck und fiel unter die Marke von 1,29 Dollar. Auch Frankreich hatte schlechte Konjunkturdaten gemeldet. Das Bruttoinlandsprodukt sank dort am Jahresende um 1,2 Prozent.
kaz/Reuters/AP
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