Von Uta Deffke
Als die niederländische Verkehrsministerin Karla Peijs ausgerechnet Paul Nouwen berief, wirkte das zunächst, als habe sie einen Frosch mit dem Trockenlegen seines eigenen Teiches beauftragt. Nouwen sollte die Verhandlungen zur Einführung einer Straßenmaut koordinieren – dabei ist er als ehemaliger Generaldirektor des "Royal Dutch Touring Club", des niederländischen Pendants zum ADAC, ein erklärter Gegner aller bisherigen Maut-Konzepte.
Bis Karla Peijs kam. Die Verkehrsministerin rief 2004 einen runden Tisch ins Leben, an dem Vertreter von 17 betroffenen Gruppen Platz nahmen: von der Autolobby über Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, lokale Regierungen bis hin zu Umweltverbänden – unter der Leitung von Paul Nouwen. Das Ziel war ambitioniert: "Wir sollten ein neues nationales Maut-Konzept erarbeiten, das ehrlich und transparent ist, Stauprobleme vermeiden hilft und die Umweltbelastung vermindert", erinnert sich Nouwen.
Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Erstens, weil der runde Tisch ein Maut-System vorschlug, das es in dieser radikalen Form weltweit noch nirgends gibt. Zweitens, weil der Vorschlag anschließend nicht in Ausschüssen zerredet und zerpflückt wurde, sondern tatsächlich eine politische Mehrheit fand.
Im Dezember 2007 beschloss die niederländische Regierung, die landesweite Maut nach dem Nouwen-Plan einzuführen, im Juli 2008 stimmte das Parlament zu. Nun wird an der konkreten Gesetzesvorlage und der Ausschreibung für die technische Realisierung gearbeitet.
Der Nouwen-Plan sieht vor, dass jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer für jeden gefahrenen Kilometer auf jeder Straße in den Niederlanden zahlen muss. Damit wird quasi nach "Verbrauch" abgerechnet – wie bei Strom und Heizung.
Die verbrauchsabhängige Besteuerung ließe sich zwar auch ohne jeglichen technischen Aufwand über eine Sprit-Steuer realisieren. Doch Nouwen hält sein Modell für "sehr viel gerechter": Es vermeidet den Tanktourismus und kann sowohl Stau- als auch Umweltprobleme besser regeln.
Denn der Tarif ist variabel – je nach Schadstoffemissionen, Tageszeit und gefahrener Strecke. Wer frühmorgens auf den Hauptrouten nach Amsterdam fährt, zahlt mehr als der Rentner in einer Kleinstadt auf dem vormittäglichen Weg zum Supermarkt.
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