Frankfurt am Main - Die HSH Nordbank braucht Finanzkreisen zufolge drei Milliarden Euro frisches Eigenkapital. Über diese Summe habe der HSH-Nordbank-Vorstand die Regierungsspitzen der beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein am Freitag informiert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Insider. Zudem seien zehn Milliarden Euro an Garantien für Kreditausfallrisiken notwendig.
Diese dürften die Bundesländer, die jeweils rund 30 Prozent an der HSH Nordbank halten, voraussichtlich je zur Hälfte bereitstellen. Andere Eigentümer wie die Sparkassen in Schleswig-Holstein und der US-Finanzinvestor J.C. Flowers wollen sich offenbar nicht beteiligen. Durch die Kapital- und Garantiemaßnahmen käme die Landesbank auf eine Kernkapitalquote von gut sieben Prozent, hieß es.
Der Aufsichtsrat der HSH Nordbank soll nächsten Dienstag über das Konzept entscheiden. Das Institut selbst teilte lediglich mit, die Gespräche seien "fortgeschritten und konstruktiv".
Die HSH Nordbank hat das vergangene Jahr nach vorläufigen Zahlen mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Das teilte die Bank am Freitag in Hamburg mit. Die Abschreibungen für das abgelaufene Jahr bezifferte das Institut auf 1,6 Milliarden Euro. Dazu kämen eine erhöhte Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 1,4 Milliarden Euro und weitere Einmaleffekte von 0,9 Milliarden Euro.
Verluste verbuchte die Landesbank unter anderem aus ihrem Engagement in Island und bei der insolventen US-Bank Lehman Brothers. Angesichts höherer Kreditausfallrisiken musste die HSH Nordbank zudem ihre Risikovorsorge drastisch erhöhen.
Der Verlust ist höher als erwartet: Experten hatten den Fehlbetrag auf bis zu zwei Milliarden Euro geschätzt. 2007 hatte die Landesbank sogar noch ein Plus von 285 Millionen Euro in den Büchern stehen.
Die HSH-Eigentümer hatten die Bank bereits im vergangenen Jahr mit insgesamt rund zwei Milliarden Euro gestärkt. Das Institut hat seit Beginn der Finanzkrise vor anderthalb Jahren mit den Verwerfungen am Kapitalmarkt massiv zu kämpfen.
Der neue Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher will die Landesbank drastisch verkleinern und sie zu einer norddeutschen Regionalbank umbauen. Mehrere Geschäftssparten sollen verkauft werden, bis zu 1500 Mitarbeiter sollen laut Zeitungsberichten ihren Job verlieren.
Zahlreiche Beschäftigte der Bank demonstrierten am Freitag in Hamburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Am Sitz des angeschlagenen Geldinstituts in der Innenstadt zeigten die sie Schilder mit Aufschriften wie "Hier arbeiten auch Menschen - nicht nur Geld" oder "Moral, Anstand und Nachhaltigkeit!"
ssu/dpa/Reuters
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