Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Angeschlagener Mutterkonzern Opel-Betriebsrat fordert Trennung von GM

Ohne General Motors soll es besser gehen: Der Opel-Gesamtbetriebsratschef hat die Herauslösung aus dem amerikanischen Mutterkonzern verlangt. Einem Pressebericht zufolge denken die Landesregierungen von Opel-Standorten sogar über einen Einstieg bei dem Traditionskonzern nach.

Essen - Es ist eine Lösung, die verlockend klingt: Angesichts der anhaltenden Probleme bei dem amerikanischen Autokonzern General Motors (GM) mehren sich die Stimmen, die Konzerntochter Opel herauszulösen und als selbständiges Unternehmen laufen zu lassen. In einem Brief an die Belegschaft, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, fordert Betriebsratschef Klaus Franz deshalb gemeinsam mit seinem Kollegen Rudi Kennes einen drastischen Schritt: die Abspaltung des seit 80 Jahren zu GM gehörenden Opel-Konzerns vom Mutterkonzern. "Es gibt kein 'Weiter so' mit GM, wir sehen nur eine Perspektive in der Herauslösung", unterstrich Franz zeitgleich in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ).

Opel-Produktion in Eisenach: "Es wäre nicht schlecht, wenn wir einen eigenen Weg gehen"
DDP

Opel-Produktion in Eisenach: "Es wäre nicht schlecht, wenn wir einen eigenen Weg gehen"

In dem Brief wird vorgeschlagen, dass GM einen Minderheitsanteil an Opel halten könnte, damit der Technologietransfer an den Mutterkonzern weiter gewährleistet ist. "Bestehende Verträge würden nicht verletzt", heißt es. Opel selbst solle keinerlei finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen, sich stattdessen aber neue "Partner, Investoren und Anteilseigner" suchen. "Staatsanteile wären eine Möglichkeit, um an Kapital zu kommen."

Nach Informationen der WAZ laufen die Gespräche zwischen Opel und GM über eine Herauslösung bereits seit einigen Wochen. Danach arbeiten auch die Landesregierungen der deutschen Opel-Standorte an einem Modell zur Herauslösung der Opel-Werke aus dem angeschlagenen US-Konzern. Den Angaben der Zeitung zufolge spielen bei den Szenarien zur Rettung der Traditionsmarke Überlegungen zu Beteiligungen der Länder an Opel eine wesentliche Rolle. Als Vorbild gelte dafür der VW-Konzern, an dem das Land Niedersachsen mit 20 Prozent beteiligt ist. Ein Sprecher der NRW-Landesregierung wollte den Bericht nicht kommentieren.

"Investor mit sehr viel Geld nötig"

Der Betriebsratsvorsitzende im Bochumer Opel-Werk, Rainer Einenkel, regte in der "Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung" ebenfalls eine direkte Staatsbeteiligung an. Wenn der Staat für Opel bürge, solle er sich auch mit Kapital beteiligen und das Unternehmen so mit kontrollieren. "Das ist doch dann nur konsequent", sagte Einenkel.

"Die Schlüsselfrage liegt jetzt bei GM", sagte Einenkel mit Blick auf den kommenden Dienstag. Dann muss GM einen Sanierungsplan vorlegen, um sich für die Milliardenhilfen der US-Regierung zu rechtfertigen. Wenn GM von der US-Regierung die benötigten Finanzhilfen erhalte, könne es so weitergehen, sagte Einenkel. Doch "wenn GM nichts mehr mit uns zu tun haben will oder darf, wäre es nicht schlecht, wenn wir einen eigenen Weg gehen". Dann sei ein Investor "mit sehr viel Geld" nötig. "Das kann der Staat, das können aber auch private Unternehmen sein." Mit der Politik sei man über solche Szenarien im Gespräch.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
Klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren.
Am Stammsitz in Rüsselsheim im Bundesland Hessen beschäftigte das Unternehmen zuletzt rund 16.000 Mitarbeiter, in Bochum in Nordrhein-Westfalen 5300, in Eisenach in Thüringen 1800 und in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz etwa 2300.

Merkel schließt staatliche Hilfen nicht aus

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) will sich bei einer USA-Reise vor Ort für die deutsche Autoindustrie stark machen. "Ich werde mich in Detroit dafür einsetzen, dass General Motors und Ford den deutschen Tochterunternehmen aus der Krise helfen", sagte Rüttgers der "Bild"-Zeitung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schloss am Sonntag unterdessen staatliche Hilfen für Opel erneut nicht aus. Allerdings betonte sie im ZDF, dass zunächst einmal der Mutterkonzern GM seine Pläne vorlegen müsse. Die Bundesregierung werde allerdings darauf achten, dass die Interessen der europäischen Töchter gewahrt blieben und diese ihre Chancen bekämen. Darüber werde Deutschland auch mit GM und mit der amerikanischen Regierung sprechen. Wenn es ein Konzept für eine positive Fortentwicklung von Opel gebe, dann seien dafür auch Bürgschaften denkbar, sagte die CDU-Chefin.

Kritik an einer möglichen Beteiligung der Länder an Opel äußerte aber bereits der Chef der nordrhein-westfälischen FDP-Landtagsfraktion, Gerhard Papke. Auch die FDP unterstütze den Standort Bochum mit allen Kräften, sagte Papke der WAZ. "Eine Staatsbeteiligung an Opel ist aber mit der FDP nicht machbar, das wäre ein Himmelfahrtskommando für die Steuerzahler." Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen seien "das Letzte, das wir jetzt gebrauchen können".

sam/Dow Jones/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP