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SPD-Wahlkampf "Wir dürfen uns nicht auf Sarkozys Niveau begeben"

2. Teil: "Ich könnte mir vorstellen, dass Schaeffler Bürgschaften erhält."

SPIEGEL ONLINE: In der SPD wird die Idee einer Börsenumsatzsteuer laut. Nur ein linker Traum?

Berg: Auf keinen Fall. Schauen Sie sich ganz normale Unternehmen an: Bei jeder Transaktion fällt irgendeine Steuer an. Nur an der Börse soll das nicht gelten? Die Finanzkrise hat gezeigt, dass es hier Handlungsbedarf gibt.

SPIEGEL ONLINE: Höhere Steuern sind im Wahlkampf ein riskantes Thema...

Berg: Wen würde die Börsenumsatzsteuer denn treffen? Ich glaube eher, dass wir damit punkten können. Das Thema Solidarität hat für uns eine elementare Bedeutung. Politiker müssen Themen diskutieren können, ohne dass sofort der Ruf laut wird, sie würden nach links abdriften.

SPIEGEL ONLINE: Der Bundestag hat das 50-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm am vergangenen Freitag abgesegnet. Bleibt es bei der Summe, oder kommt noch was nach?

Berg: Niemand weiß, wann die Konjunktur wieder anspringt. Falls es im nächsten Halbjahr wieder aufwärts gehen sollte, dann brauchen wir keine weiteren Maßnahmen. Allerdings kann man daran zweifeln.

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SPIEGEL ONLINE: Soll der Staat dem Autozulieferer Schaeffler helfen, der sich mit dem Kauf des Konkurrenten Continental übernommen hat?

Berg: Anfangs hatte ich eine sehr rigorose Einstellung. Ich dachte: Wenn sich jemand verzockt wie Frau Schaeffler und ihr Sohn, dann darf der Staat nicht einspringen. Mittlerweile habe ich mich über die Vorgänge bei Schaeffler und Conti genauer informiert. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen macht industriepolitisch Sinn, außerdem geht es um 220.000 Arbeitsplätze.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt?

Berg: Ich könnte mir vorstellen, dass Schaeffler Bürgschaften aus dem Konjunkturprogramm erhält. Allerdings nur unter Auflagen: Die Eigentümerfamilie muss ihr Vermögen mit einbringen, und es muss ein tragfähiges Konzept her.

SPIEGEL ONLINE: Europa droht ein gnadenloser Subventionswettlauf. Frankreich hat schon vorgelegt mit Milliardenhilfen für Renault und Peugeot-Citroën.

Berg: Was die Franzosen mit ihren Autofirmen machen, ist falsch. Ich bin strikt gegen direkte, rein national ausgerichtete Subventionen für Konzerne.

SPIEGEL ONLINE: Schließen Sie direkte Subventionen für deutsche Autokonzerne aus?

Berg: Ich kann vor rein nationalen Lösungen nur warnen. Als Exportweltmeister können wir es uns nicht leisten, protektionistisch zu denken.

SPIEGEL ONLINE: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nimmt weniger Rücksicht.

Berg: Ja, leider. Aber auf dieses Niveau dürfen wir uns nicht begeben. Sarkozy sollte für uns da kein Vorbild sein. Wenn wir beim Subventionswettlauf mitmachen, dann löst das eine Lawine aus.

Das Interview führten Veit Medick und Anselm Waldermann

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