Wirtschaft



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16.02.2009
 

Konjunktur

Ökonomen rechnen mit Rekordminus von mehr als drei Prozent

Das Berliner DIW sagt für 2009 einen Konjunktureinbruch von mehr als drei Prozent voraus - deutlich mehr, als die Regierung erwartet. Es wäre das größte Minus in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Bankenverband BdB geht erst in der zweiten Jahreshälfte von einer Entspannung aus.

Berlin - Der Pessimismus nimmt kein Ende: Angesichts des schlechten Starts ins neue Jahr sei ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von "deutlich mehr als drei Prozent nunmehr im wahrscheinlichen Bereich", teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Montag in Berlin mit. Ein derart massiver Rückgang wäre "bislang einmalig" in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Bundesregierung rechnete für 2009 bislang mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent.

Kräne in Hamburg: Bausektor weniger betroffen als Industrie
DPA

Kräne in Hamburg: Bausektor weniger betroffen als Industrie

In den ersten Monaten des Jahres werde sich der deutliche Abschwung aus den Vorquartalen weiter fortsetzen, teilte das DIW mit. Die Wirtschaftsleistung werde voraussichtlich um 1,4 Prozent zurückgehen. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche dies einem Rückgang um 4,5 Prozent. Damit würde die deutsche Wirtschaft das vierte Quartal in Folge schrumpfen. Hauptgrund für die anhaltende Talfahrt der deutschen Wirtschaft sei der Abschwung in der Industrie. Vor allem die Nachfrage nach hochwertigen Investitionsgütern wie etwa Industrieanlagen habe nachgelassen, teilte das DIW mit.

Getrieben werde die Abwärtsentwicklung von der "ungewöhnlich starken Abkühlung" im produzierenden Gewerbe, die auch auf die unternehmensnahen Dienstleister abstrahle, sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Die übrigen Dienstleistungen seien aber bislang weniger stark betroffen, da sie von der stabileren Entwicklung des privaten Verbrauchs profitierten. Auch für den Bausektor erwartet das DIW einen weniger starken Rückgang als im verarbeitenden Gewerbe.

Die staatlichen Konjunkturprogramme könnten ein Überspringen des Abschwungs auf die konsumnahen Bereiche allerdings nur dämpfen. "Ein Ersatz für die derzeit abrupt wegbrechende Nachfrage nach Investitionsgütern ist damit aber nicht zu schaffen", betonte Kooths. Der Bundestag hatte am Freitag das größte staatliche Konjunkturprogramm in der Nachkriegsgeschichte auf den Weg gebracht. Das Paket umfasst 50 Milliarden Euro.

Hoffnungsvolle Indikatoren

Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) geht von wirtschaftlich schwierigen Zeiten aus. Frühestens für den Sommer des laufenden Jahres sei ein "Ende des gesamtwirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses" zu erwarten, teilte der Branchenverband in seinem am Montag veröffentlichten Konjunkturbericht mit. Für das erste Vierteljahr 2009 ließen sämtliche Frühindikatoren ein weiteres Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) befürchten. Die weltweit sehr expansive Geld- und Fiskalpolitik, der stark gesunkene Ölpreis und die rückläufige Inflationsrate stützten jedoch die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Stabilisierung ab Jahresmitte.

Zuversicht für die zweite Jahreshälfte schöpft der Bankenverband aus einigen Stimmungsindikatoren. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie der Ifo-Geschäftsklimaindex hätten sich zuletzt leicht verbessert. "Für begründete Konjunkturhoffnungen sind diese Signale aber noch zu schwach", hieß es weiter in dem BdB-Bericht.

Derweil hat die deutsche Industrie 2008 trotz Rezession mehr als 124.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten legte um durchschnittlich 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 5,4 Millionen zu, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Berücksichtigt wurden nur Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Mitarbeitern.

Den stärksten Zuwachs gab es im Maschinenbau mit 5,5 Prozent, gefolgt von der Metallbranche (4,3 Prozent) und der Fahrzeugindustrie (2,5 Prozent). Das Ernährungsgewerbe meldete dagegen ein Stellenplus von nur 0,7 Prozent, während die Chemieindustrie sogar einen Rückgang von 0,2 Prozent verzeichnete.

kaz/AFP/Reuters/ddp/dpa-AFX

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