Wirtschaft



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17.02.2009
 

Anti-Krisen-Programm

Chrysler kappt 3000 Jobs und fordert neue Milliardenhilfen

Drastische Sparpläne in Detroit: Als erster US-Autobauer hat Chrysler wie gefordert der Regierung sein Reformprogramm vorgelegt. 3000 Stellen und drei Modellreihen sollen wegfallen. Im Gegenzug erwartet der Konzern fünf Milliarden Dollar weitere Hilfen vom Staat - zwei Milliarden mehr als bisher bekannt.

Detroit - Kampf ums Überleben: Chrysler will von der US-Regierung nochmals mindestens fünf Milliarden Dollar (4,0 Milliarden Euro) an Notkrediten haben. Bislang erhielt der Konzern vier Milliarden Dollar. Der drittgrößte amerikanische Autohersteller kündigte in seinem am Dienstag der US-Regierung vorgelegten Sanierungsplan außerdem den Abbau von weiteren rund 3000 Stellen und den Wegfall von drei Modellreihen an.

Chrysler-Auto (bei US-Händler): Sparprogramm gegen die Krise
DPA

Chrysler-Auto (bei US-Händler): Sparprogramm gegen die Krise

Die Fixkosten sollten 2009 um 700 Millionen Dollar gesenkt und die Fertigungskapazität um 100.000 Autos verringert werden. Von den Zulieferern erwarte Chrysler "substanzielle Kostenreduktionen". Das Unternehmen gehe jetzt noch für 2009 von 10,1 Millionen verkauften Autos in den USA quer durch alle Hersteller aus. Dies sei der niedrigste Stand seit 40 Jahren, hieß es in dem aktualisierten Geschäftsplan des Konzerns an die US-Regierung.

Der vorgelegte Plan zeige, dass Chrysler allein überleben könne, teilte der Konzern mit. Verbessert werden könne Chryslers Lage zusätzlich durch die vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen angestrebte Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern.

Die von der US-Regierung geforderten Zugeständnisse der Gewerkschaft und der Gläubiger von Chrysler seien grundsätzlich erzielt worden, so der verlustreiche Autobauer. Die Regierung verlangte für weitere Hilfen unter anderem niedrigere Löhne auf dem Niveau ausländischer Hersteller in den USA sowie eine Umschuldung.

Chrysler gehört überwiegend dem US-Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent hält noch der deutsche Daimler-Konzern, der sich von dem Anteil aber so schnell wie möglich trennen will.

Die US-Autogewerkschaft Uaw hat nach eigenen Angaben eine vorläufige Einigung mit Chrysler, General Motors und Ford zur Änderung der Verträge von 2007 erzielt. Die Gespräche darüber dauerten jedoch noch an, erklärte Uaw-Präsident Ron Gettelfinger am Dienstag in Detroit. Im Mittelpunkt standen geplante Zahlungen der Unternehmen in Treuhänderfonds. Nähere Einzelheiten nannte Gettelfinger zunächst nicht.

General Motors wollte die Öffentlichkeit um Mitternacht über seinen Umbauplan informieren. Für Chrysler und GM lief die Frist zur Vorlage von detaillierten Sanierungskonzepten bei der US-Regierung ab. Darin sollten GM und Chrysler aufzeigen, wie sie bereits gewährte staatliche Kredite genutzt haben und nachweisen, dass sie eine langfristige Überlebensfähigkeit sicherstellen können.

Sollte bis Ende März keine Einigung darüber erreicht sein, könnte die US-Regierung bereits bezahlte Notkredite von 13,4 Milliarden Dollar zurückfordern. GM wäre dann aller Voraussicht nach pleite.

Bisher hat sich GM nicht zu einem Bericht geäußert, nach dem im Zuge der geplanten größten Umstrukturierung in der Geschichte des Unternehmens auch die Schließung oder der Verkauf von drei Opel-Werken in Europa geprüft wird. Der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnten die Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen geschlossen sowie das Werk in Eisenach veräußert werden. Die Opel-Mutter GM hat bereits staatliche Kredite in Höhe von 9,4 Milliarden Dollar erhalten. Vier weitere Milliarden wurden für Mitte Februar in Aussicht gestellt.

In einem Schreiben an die Opel-Mitarbeiter von Montag erklärte Betriebsratschef Klaus Franz, der Restrukturierungsplan des Mutterkonzerns umfasse in seiner derzeitigen Fassung "vermutlich Massenentlassungen an den GM/Opel/Vauxhall-Standorten und einige Werksschließungen". Dies hätte "katastrophale Folgen für die GM-Marken und -Unternehmen in Europa und würde deren Ende bedeuten".

Die Alternative sei "die Ausgliederung des operativen Geschäfts in Europa". Das Abkommen könnte so ausgestaltet werden, dass GM weiter Zugang zu den Technologien der europäischen Entwicklungszentren behalte. Ihm sei klar, dass dann eine "harte Zeit" vor den Mitarbeitern liege, sagte Franz dem "Handelsblatt". Aber sie wüssten dann zumindest, wofür sie es täten.

als/AP/dpa/Reuters

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