Wirtschaft



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18.02.2009
 

GM-Chef Wagoner

Tricky Rick wurschtelt sich durch

Ein Kommentar von Tom Hillenbrand

GM braucht nur ein paar Steuermilliarden, dann wird alles wieder gut - mit dieser frohen Botschaft geht Rick Wagoner hausieren. Doch sein ewiger Optimismus ist zunehmend grotesk. Politiker und Investoren sollten dem Konzernchef kein Wort mehr glauben.

George Richard Wagoner war bester Dinge. In seinem privaten Jet war er nach Washington D.C. gedüst, um dem US-Kongress Kredite abzuschwatzen. Das Geld, erklärte Wagoner den verdutzten Abgeordneten, brauche er nicht etwa, weil GM strukturelle Defizite habe - oh nein. "Was uns jetzt Probleme bereitet, sind nicht unser Produktportfolio, unser Geschäftsplan oder unsere Langfriststrategie." Schuld an der Misere sei einzig und allein die schwächelnde Konjunktur. Nur ein kleiner Überbrückungskredit - dann werde alles wieder gut.

GM-Chef Wagoner: Lächelnd durch die Apokalypse
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AP

GM-Chef Wagoner: Lächelnd durch die Apokalypse

Zwei Monate und 13 Milliarden Steuerdollar später bittet der GM-Chef um Nachschlag. "Wir müssen nur den Sturm abwettern, dann geht es wieder los", sagte Wagoner der "USA Today". GM sei zu retten, mehr noch: Wenn der Kongress weitere 17 Milliarden Dollar bereitstelle, könne man binnen 24 Monaten "nachhaltige Profitabilität" erreichen.

GM und profitabel? Das wäre sicherlich die Krönung von Wagoners Laufbahn. Aber realistisch ist dieses Szenario nicht. Seit der schlaksige Mann 2000 GM-Chef wurde, hapert es mit der nachhaltigen Profitabilität ganz gewaltig - alleine in den vergangenen drei Geschäftsjahren häufte Wagoner über 50 Milliarden Dollar Verlust an. Freilich schrieb GM auch vor 1998 des öfteren rote Zahlen - da war Wagoner übrigens Finanzchef.

Dreist in Detroit

Wagoner, das muss man ihm lassen, besitzt derart viel Dreistigkeit und Chuzpe, dass er sich den Beinamen "Tricky Rick" durchaus verdient hätte. Politiker und Investoren sollten dem GM-Manager kein Wort mehr glauben.

Sein unerschütterlicher Optimismus ist angesichts der stetig neuen Hiobsbotschaften aus dem GM-Hauptquartier nur noch grotesk zu nennen. "GM lächelt sich durch die Apokalypse", schlagzeilte das Wirtschaftsmagazin "Fortune".

Wagoner hat ein Problem, mit dem viele langjährige GM-Manager kämpfen: Er glaubt, dass man nur irgendwie weiter wurschteln müsse - dann werde "The General" zum Schluss wieder seinen angestammten und rechtmäßigen Platz als größter und prächtigster Autokonzern des Universums einnehmen, so wie in den goldenen Sechzigern.

Wie resistent gegen Reformen der GM-Chef ist, zeigt der neue Sanierungsplan des Autobauers. Die PR-Leute des Konzerns bezeichnen das 900-Seiten-Papier als "mutig". Wer das Konzept jedoch genauer studiert, dem schwant, dass Wagoner sich erneut durchlavieren will. Der Staat soll zwar weiteres Geld geben - aber harte Einschnitte hofft der Berufsoptimist weiter vermeiden zu können.

Von den acht Konzernmarken will GM angeblich vier einstampfen - in der heute veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens liest sich das aber etwas anders: Man wolle Saturn auslaufen lassen, "wenn der Lebenszyklus der Produkte" ende - also in einigen Jahren. Einen Verkauf der Geländewagensparte Hummer werde GM "evaluieren". Ferner verspricht Wagoner treuherzig, "nach Käufern für Saab zu suchen" und die Marke "Pontiac zu fokussieren". Das heißt wohl, dass kurzfristig nichts passieren wird.

Gerade, wenn jemand in der Vergangenheit mehrfach windige Versprechungen gemacht hat, müssen einen derart windelweiche Formulierungen stutzig machen. Das sollten auch Politiker aus Deutschland, Großbritannien oder Australien bedenken, wenn sie demnächst mit Wagoner über Staatshilfen verhandeln.

Der Sonnenschein-Manager aus Detroit würde bei den ausländischen GM-Liegenschaften gerne noch ein paar Milliarden Euro oder Pfund herausholen, als kleine Überbrückungshilfe. Im Gegenzug wird er versprechen, dass bei Opel, Vauxhall oder Holden bald alles wieder gut wird.

Wer das glaubt, ist selber schuld.

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