Von Hasnain Kazim und Mark Fehr
Hamburg - Die Wirtschaftskrise hat die Autobranche voll erwischt - und es wird so schnell nicht besser werden. Denn der Markt in den Industrieländern ist gesättigt. Im Durchschnitt besitzt in der westlichen Welt jeder Zweite einen Pkw - macht zwei Wagen auf eine vierköpfige Familie. Viel mehr Auto braucht kein Mensch. Wer Wachstum will, muss sich etwas einfallen lassen.
VW-Produktion in Wolfsburg: Deutsche Autobauer im Billigstsegment nicht vertreten
Wer also in den traditionellen Automärkten wie in den USA oder in Deutschland wachsen will, kann das nur auf Kosten der Konkurrenz tun - oder muss sich auf neuen Märkten umsehen.
Chancen bieten Schwellenländer, in denen sich immer mehr Menschen ein Auto leisten können. Doch auch dort sinken wegen der Wirtschaftskrise die Absatzzahlen, zudem unterscheidet sich das Konsumverhalten von Land zu Land - und hier tun sich die deutschen Hersteller schwer. Während Premiummarken in wirtschaftlich guten Zeiten überall Chancen haben, fehlen allen deutschen Herstellen Modelle im Billigstsegment. Ein deutsches Auto für 5000 Euro oder weniger? Gibt's nicht - und wird es, fragt man die Hersteller, wohl auch nicht so schnell geben. Zwar planen alle eine Erweiterung ihrer Modellpalette nach unten, aber unter 8000 Euro wird man wohl nicht kommen.
Globaler Automarkt schrumpft
Doch auch global schrumpft der Automarkt: 2007 wurden weltweit 60 Millionen Autos gebaut, 2008 waren es noch 57 Millionen. Für 2009 erwarten Experten deutlich weniger. Der Anteil der deutschen Hersteller betrug im vergangenen Jahr immerhin zwölf Millionen Autos, die Hälfte davon in Werken in Deutschland gebaut. "Ziel ist es, den Anteil der deutschen Hersteller am Gesamtmarkt zu vergrößern", heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt.
Was tun? Die Abwrackprämie hat die Verkäufe angekurbelt - vor allem sparsame Kleinwagen finden wieder reißenden Absatz, aber der VDA spricht auch bei den Premiumherstellern ohne Kleinwagen im Angebot von einer "Sogwirkung": So mancher lasse seinen Zweitwagen verschrotten und stecke die 2500 Euro vom Staat in den Kauf eines neuen Erstwagens.
Mittelfristig hilft die Prämie aber nicht, denn die Autoindustrie lebt nicht vordringlich vom Geschäft im Inland. Nach VDA-Angaben werden 75 Prozent der Autos exportiert, die deutsche Hersteller bauen. Wenn die Weltwirtschaft stockt, leiden sie zwangsläufig.
Doch geht es allen deutschen Herstellern gleich schlecht? Einige haben gute Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Andere brauchen einen strategischen Partner. Kosten müssen in den kommenden Monaten wohl alle sparen.
Die größten Probleme hat derzeit wohl Opel wegen der Schwierigkeiten beim US-Mutterkonzern General Motors (GM). Saab, die schwedische Tochter, musste am Freitag Insolvenz anmelden. GM, Opel und die deutsche Politik arbeiten derzeit eifrig an einer Lösung, um der deutschen Traditionsmarke dieses Schicksal zu ersparen.
Aber auch die anderen Hersteller geraten in den Sog des Abschwungs. Sämtliche Autobauer verzeichnen Rückgänge beim Absatz und beim Gewinn, alle rechnen für das Jahr 2009 mit nochmals deutlich schlechteren Zahlen. Und alle müssen auf das Mittel Kurzarbeit zurückgreifen, um Entlassungen zu verhindern. Darüber hinaus stellen neue Umweltstandards, tendenziell steigende Energiepreise und ein Wertewandel bei den Verbrauchern traditionelle Formen der individuellen Mobilität in Frage. Befriedigende Antworten auf die Fragen der Zeit sind die Hersteller bislang schuldig geblieben.
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