Frankfurt am Main - Der Postbank-Vorstand verzichtet für das Verlustjahr 2008 auf Bonuszahlungen. Das kündigte Vorstandschef Wolfgang Klein am Donnerstag in Frankfurt an. "Für den Postbank-Vorstand wird es keinen Bonus geben", sagte Klein. Auch eine Dividende will die Bank für das vergangene Jahr nicht zahlen.
Postbank-Zentrale in Frankfurt: Weitere Belastungen für 2009 erwartet
Die Postbank ist 2008 erstmals seit Jahren in die roten Zahlen gerutscht: Nachdem das Institut 2007 noch einen Gewinn von 856 Millionen Euro verzeichnen konnte, steht nun ein Verlust von 821 Millionen in der Bilanz. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag in Bonn mit. Der Großteil des Verlustes fiel mit 710 Millionen Euro im vierten Quartal an. Analysten hatten im Schnitt mit einem höheren Fehlbetrag gerechnet.
Das erste negative Ergebnis in der jüngeren Geschichte der Postbank resultiert nach Angaben des Instituts vor allem aus Belastungen aus der Finanzmarktkrise sowie aus dem vollständigen Abbau des Aktienportfolios.
Die Verluste im einzelnen:
Dagegen habe die Bank im operativen Kundengeschäft ihre Marktposition festigen können, hieß es. Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragskomponente sei um 11,6 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen.
Die Postbank braucht nach eigener Einschätzung weder von ihren Aktionären noch vom Staat finanzielle Unterstützung. Man sei "weiter in der Lage, diese Krise aus eigener Kraft zu meistern", sagte Klein auf der Bilanzpressekonferenz . "Eine Inanspruchnahme von staatlichen Garantien für Emissionen ist für uns derzeit kein Thema." Weitere Kapitalmaßnahmen seien nicht nötig, die Refinanzierungssituation der Bank sei solide.
Klein hält eine Art "Bad Bank" in der gegenwärtigen Krise für unverzichtbar. "Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, diese Krise ohne solche Vehikel schnell zu überstehen", sagte er. Wenn im zweiten Halbjahr wie befürchtet noch die gesamte Exportwirtschaft in die Krise komme, "dann Gnade uns Gott".
Eine Möglichkeit sei, dass die Banken eine Zeit lang nur die tatsächlichen Ausfälle ihrer toxischen Wertpapiere verbuchen. Auf jeden Fall müssten Lösungen gefunden werden, ohne am Ende die Verluste beim Steuerzahler abzuladen. Klein bekräftigte, dass auch die Postbank gerne problematische Wertpapiere auslagern würde. Den Umfang des entsprechenden Pakets an strukturierten Papieren bezifferte er auf netto vier Milliarden Euro.
Für 2009 erwartet das Institut weitere Belastungen. Es sei damit zu rechnen, dass die angespannte Situation an den Märkten und die Eintrübung der Konjunktur die Ertragslage weiterhin beeinträchtigen werden, teilte die Bank mit. Vor allem das Handels- und das Finanzanlageergebnis seien davon betroffen. Zudem sei angesichts höherer Risiken im Kreditgeschäft ein Anstieg der Risikovorsorge insbesondere außerhalb des Heimatmarkts Deutschland wahrscheinlich. Zur geplanten Übernahme durch den Branchenprimus Deutsche Bank äußerte sich die Postbank nicht.
Der Vorstand zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Gesamtbelastung 2009 deutlich unter der des vergangenen Jahres liegen werde. Trotz der schlechten Zahlen sieht sich die Postbank sogar auf gutem Weg zu ihren Renditezielen. Mittelfristig solle die Eigenkapitalrendite nach Steuern wieder bei 13 bis 15 Prozent liegen, hieß es.
Die kapitalmarktbedingten Risiken und Bestände sollen weiter reduziert werden. Ziel sei es, den Zins- und Provisionsüberschuss zu stärken und zugleich dem Handels- und Finanzanlageergebnis eine wesentlich geringere Bedeutung beizumessen. Auch das Kostenmanagement will die Bank nochmals intensivieren.
Man werde sich zudem wie angekündigt noch stärker auf das Kundengeschäft konzentrieren. Mit rund 14,4 Millionen Kunden ist das Institut gemessen an dieser Zahl die größte Privatkundenbank in Deutschland.
ssu/AP/dpa/Reuters
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