Hamburg - Die Rüsselsheimer Adam Opel GmbH benötigt nach SPIEGEL-Informationen weit höhere Staatsbürgschaften als bislang bekannt. Danach beziffert die Bundesregierung den Liquiditätsbedarf des Konzerns aktuell mit rund 3,3 Milliarden Euro. Bislang war von Bürgschaften im Umfang von 1,8 Milliarden Euro die Rede.
Insignia-Fertigung bei Opel in Rüsselsheim: 3,3 Milliarden Euro nötig
Seehofer weist auf Grenzen staatlichen Handelns hin
General Motors
(GM) hatte angekündigt, weltweit 47.000 Stellen abbauen zu wollen, davon 26.000 außerhalb der USA. Insgesamt würden ferner bis zu 30 Milliarden US-Dollar an Staatshilfen benötigt. Sechs Milliarden Dollar davon sollen außerhalb der USA zusammengetragen werden, unter anderem in Deutschland. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft.
Die CSU will solche Finanzhilfen allerdings von bestimmten Auflagen abhängig machen. Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte den US-Mutterkonzern GM auf, den Weg für einen Neuanfang von Opel freizumachen. "Deutschland muss GM klarmachen, dass es Finanzhilfen vom Bund nur gibt, wenn im Gegenzug Opel aus dem GM-Konzern herausgelöst wird", sagte er am Freitag der "Bild"-Zeitung. Zu einem Neuanfang gehöre auch, dass GM endlich seine konzerninternen Schulden von über eine Milliarde Euro bei Opel begleiche. "Die deutschen Autohersteller könnten sich nun mit Opel im besonders zukunftsträchtigen Segment der Klein- und Mittelklassewagen breiter aufzustellen."
Experten sehen keine deutsch-deutsche Kooperation
Ein Vorschlag, der bei Experten auf wenig Gegenliebe stößt: Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, hält ihn sogar für falsch. Er glaubt, dass deutsche Autohersteller nicht als strategischer Partner für Opel in Frage kommen. Volkswagen
Chancen für eine Kooperation sieht er dagegen bei der Gruppe PSA Peugeot
/Citroën, die zuletzt Verluste eingefahren hat und Geld aus dem französischen Rettungsfonds benötigt. PSA fehle anders als Renault
/Nissan und Fiat
/Chrysler ein starker Allianz-Partner, der beim Einsparen beträchtlicher Kosten helfe.
Auch im indischen Tata-Konzern
, der bereits Jaguar und Land Rover übernommen hat, sowie in den chinesischen Herstellern Chery und Geely sieht Diez potenzielle Interessenten für Opel.
Opel beschäftigt mehr als 25.000 Menschen in seinen deutschen Werken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Der Hersteller kündigte an, "sehr bald" das von der Politik geforderte Rettungskonzept zu präsentieren. "Daran arbeiten wir mit Hochdruck", sagte ein Firmensprecher.
Die Länder mit Opel-Werken, der Bund und die Gewerkschaft IG Metall machen ein Sanierungskonzept zur Voraussetzung dafür, dass sie sich an der Rettung des Unternehmens beteiligen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wenn wir dieses Konzept haben, werden wir beraten." Darin müssten die Elemente einer Zukunftssicherung für Opel enthalten sein.
suc/sam/ddp
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