Stockholm - Die Sitzung des Aufsichtrats hatte im Geheimen stattgefunden, das Ergebnis aber ist jetzt bekannt: Das Kontrollgremium des schwedischen Konzerns beschloss am Freitagmorgen, einen Insolvenzantrag für Saab zu stellen. Einziger Lichtblick momentan: Die Produktion soll vorerst fortgesetzt werden.
Saab-Werk in Trollhättan: Seit Jahren hohe Verluste
Klar ist auch: Wenn es eine Zukunft gibt, dann ohne den Mutterkonzern General Motors (GM): Saab will sich aus dem Konzern herauslösen. Eine Unternehmenssprecherin teilte am Freitag mit, Saab habe bei Gericht den Antrag zu einer Neuorganisation der Marke als unabhängiges Unternehmen gestellt.
"Wirklich unabhängige Einheit schaffen"
"Wir haben alle möglichen Optionen überprüft und werden das weiterhin tun, um die Finanzierung sicherzustellen oder Saab zu verkaufen. Wir haben beschlossen, dass eine Reorganisation der beste Weg ist, um eine wirklich unabhängige Einheit zu schaffen, die attraktiv ist für Investoren", erklärte der geschäftsführende Saab-Direktor Jan-Åke Jonsson.
Ein vom Gericht bestellter Aufseher solle den Restrukturierungsprozess überwachen, der mit privaten und staatlichen Geldern finanziert werden soll. Der Konzern werde den Betrieb wie bisher aufrechterhalten, erklärte die Firma. Die Bereiche Design, Ingenieurswesen sowie Herstellung sollen in Schweden verbleiben, erklärte Saab.
Widerstand gegen diese Pläne gibt es von der Konzernmutter nicht - im Gegenteil: Mit dem Insolvenzantrag wolle man den Weg freimachen für eine selbständige Zukunft der bisherigen Tochter. Das teilte GM am Freitag in einer Presseerklärung mit. Weiter hieß es, die 4000 Saab-Beschäftigten sollen die Produktion unter einem gerichtlich eingesetzten Insolvenzverwalter fortsetzen.
Zusammengehen mit Opel als Rettung?
Saab hat im vergangenen Jahr 94.000 Autos abgesetzt und beschäftigt in Schweden 4000 Mitarbeiter. Das Unternehmen fährt seit mehreren Jahren hohe Verluste ein. Der Mutterkonzern GM hatte am Dienstag in Washington ein Sanierungskonzept vorgelegt, das den Abbau von weltweit 47.000 Stellen vorsieht, 26.000 davon außerhalb der USA. Neben Opel und Vauxhall (Großbritannien) macht Saab (Schweden) das Hauptgeschäft von GM in Europa aus.
Bei der Präsentation der Pläne hatte Konzernchef Wagoner erstmals eine teilweise Trennung von Opel ins Auge gefasst. Nach Meinung von Experten wäre das Europageschäft von GM mit den Marken Opel, Vauxhall und Saab mit rund zwei Millionen produzierten Autos im Jahr allein kaum überlebensfähig und benötigte einen Partner.
Tatsächlich gilt als ein mögliches Rettungskonzept für Saab das Zusammengehen mit Opel. So berichtet die Stockholmer Zeitung "Expressen" über Verhandlungen unter Hochdruck, die mit Opel über ein Zusammengehen ohne die bisherige US-Konzernmutter GM geführt würden.
Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte, Opel könne sich mit einem anderen Konzern zusammenschließen. "Es gibt ja mehrere Automobilkonzerne im In- und Ausland, die derzeit an Lösungen arbeiten." Nach Meinung von Analysten kommen dafür die beiden französischen Autobauer Renault und PSA Peugeot Citroën in Frage. Auch eine Beteiligung chinesischer Autohersteller wird nicht ausgeschlossen.
Opel will "sehr bald" Rettungspaket präsentieren
Opel beschäftigt mehr als 25.000 Menschen in seinen deutschen Werken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Der Hersteller kündigte an, "sehr bald" das von der Politik geforderte Rettungskonzept zu präsentieren. "Daran arbeiten wir mit Hochdruck", sagte ein Firmensprecher.
Die Länder mit Opel-Werken, der Bund und die Gewerkschaft IG Metall machen ein Sanierungskonzept zur Voraussetzung dafür, dass sie sich an der Rettung des Unternehmens beteiligen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wenn wir dieses Konzept haben, werden wir beraten." Darin müssten die Elemente einer Zukunftssicherung für Opel enthalten sein.
Thüringen bot dem Unternehmen als erstes Bundesland eine konkrete Bürgschaft von bis zu 40 Millionen Euro an und schloss auch einen Einstieg bei Opel nicht aus. Denkbar sei eine "direkte Beteiligung, wenn Opel in die Selbständigkeit entlassen werden sollte", sagte Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz der "Berliner Zeitung".
sam/Reuters/ddp
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