Düsseldorf - Die Probleme des schwedischen Autoherstellers Saab haben auch direkte Auswirkungen auf Opel. Das künftige Spitzenmodell Saab 9.5 solle nun nicht mehr wie geplant im Rüsselsheimer Opel-Werk in die Serienfertigung gehen, sagte Saab-Chef Jan Ake Jonsson dem "Handelsblatt". Als Teil des Rekonstruktionsplans sei entschieden worden, das Modell im schwedischen Trollhättan zu bauen.
Saab hatte am Freitagvormittag Insolvenz angemeldet. Das schwedische Unternehmen ist wie Opel eine Tochter des US-Konzerns General Motors.
Der Saab 9.5 sollte ab Sommer im Opel-Werk Rüsselsheim gefertigt werden, der Start der Vorserienfertigung war nach Angaben eines Opel-Sprechers für Anfang April geplant. Erste Prototypen des Saab 9.5 wurden bereits in Rüsselsheim gebaut.
Die Divergenzen zwischen Opel und Saab kommen zur Unzeit: Beide Unternehmen kämpfen ums Überleben. Experten drängen deshalb auf eine engere Zusammenarbeit von Opel und Saab.
Ein solcher Schritt könne "unvermeidbar sein", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) an der Universität Bamberg. Grund seien gemeinsame Plattformen, auf denen die Autos der beiden GM-Töchter basierten. "Das kann man nicht ohne weiteres über Bord werfen."
Christoph Stürmer von Global Insight Deutschland sagt, Saab könnte für Opel interessant sein, weil die Schweden im Gegensatz zu Opel in Nordamerika präsent sind.
Allerdings hätten beide Firmen völlig unterschiedliche Aufgaben: "Opel muss ein Massenfahrzeug herstellen, Saab baut individuelle Autos und hat mit 67.000 verkauften Einheiten in Europa keine besondere Masse", betont Meinig. In Unternehmenskreisen hieß es, ein Zusammenschluss mit dem Verlustbringer Saab mache für Opel keinen Sinn.
GM hatte am Freitag in Detroit erklärt, man wolle mit der Insolvenz den Weg freimachen für die Fortführung von Saab als selbstständiges Unternehmen. In Schweden wird als eine Möglichkeit auch ein Zusammengehen mit Opel diskutiert.
Größenmäßig ist Saab jedoch uninteressant für Opel. Sollten die Rüsselsheimer ganz oder teilweise Eigenständigkeit von der Mutter erlangen, ist der Autobauer auf größere Partner angewiesen. Stürmer sagte: "Selbst im Verbund mit GM Europa wäre Opel ein relativ kleiner Spieler." Zu GM Europa (GME) gehört neben Opel und Saab auch die englische Marke Vauxhall.
Das Management von Opel und GM hatte am Mittwoch erstmals eine teilweise Herauslösung Opels von der angeschlagenen US-Mutter ins Spiel gebracht und erklärt, gegebenenfalls mit Dritten über "Partnerschaften und Beteiligungen" zu verhandeln. GME-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte am Freitag: "Es ist sehr offensichtlich, dass wir eigentlich nur eine Zukunftsperspektive haben durch eine Teilherauslösung aus dem General-Motors-Konzern."
wal/AFP/dpa
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