München - Die auf Staatshilfe hoffende Unternehmerfamilie Schaeffler ist bereit, auf Forderungen der Gewerkschaft IG Metall einzugehen, wenn diese den Autozulieferer bei der Forderung nach Staatshilfen unterstütze. Maria-Elisabeth Schaeffler habe gegenüber IG-Metall-Chef Berthold Huber ihre Bereitschaft erklärt, die Mitbestimmung in ihrer Firmengruppe einzuführen, Mitarbeiterbeteiligungen zu ermöglichen und mehr Transparenz gegenüber Beschäftigten und Öffentlichkeit an den Tag zu legen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das Familienunternehmen solle seine wirtschaftlichen Ergebnisse wie eine Kapitalgesellschaft offen legen.
Ein Schaeffler-Sprecher dementierte den Bericht auf Anfrage am Sonntag nicht. Er nahm aber nicht zu konkret Stellung, sondern erklärte, es gebe "selbstverständlich seit längerem Gespräche mit Vertretern der IG Metall", in die auch Gesellschafter einbezogen seien. Sollte es konkrete Ergebnisse geben, würde die Öffentlichkeit informiert, sagte er.
Alle Punkte sollen in einem gemeinsamen Positionspapier zwischen Schaeffler und der IG Metall verbindlich festgeschrieben werden, zitiert das Blatt den IG Metall-Chef. Im Gespräch sei, die Schaeffler KG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umzuwandeln. In jedem Fall werde ein Aufsichtsrat eingerichtet, der paritätisch von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite besetzt werden soll. Im Gegenzug wolle sich die Gewerkschaft bei der Politik dafür einsetzen, dass die wegen der Conti-Übernahme mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldete Schaeffler-Gruppe Staatshilfe erhält. Das Unternehmen hofft auf eine Überbrückungshilfe von vier Milliarden Euro.
Die "Süddeutsche" will außerdem erfahren haben, dass der frühere SPD-Vorsitzende und Bundesminister Rudolf Scharping Vermittler bei den Verhandlungen zwischen Schaeffler und Huber ist. Auf Bitten Schaefflers habe er den Kontakt zu Huber eingefädelt. Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer habe bestätigt, "dass es solche Kontakte und Gespräche gibt", hieß es weiter. Demnach ist Grundlage für die Vereinbarung zwischen Schaeffler und der IG Metall ein Grundsatzpapier, das Neugebauer, dessen niedersächsischer Kollege Hartmut Meine und der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild formuliert haben.
In der "Bild am Sonntag" bekräftigte Unternehmerin Schaeffler ihre Zusage, staatliche Gelder verzinst zurückzuerstatten. Das Unternehmen werde "alles mit Zinsen auf Heller und Pfennig zurückbezahlen". Die Abhängigkeit vom Steuerzahler treffe sie persönlich. "Den Staat um Geld zu bitten ist das Letzte, was man sich als Unternehmerin wünscht", sagte Schaeffler. "Ohne eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung durch den Staat wird es für die Einheit und Zukunft von Continental und Schaeffler schwierig", unterstrich sie.
Eine Zerschlagung des Konzerns würde nicht nur Tausende Arbeitsplätze kosten, sondern hätte auch schwerwiegende Folgen für die Autoproduktion, betonte ihr Sohn Georg Schaeffler in dem Interview. Ihm gehören als persönlich haftender Gesellschafter 80 Prozent an Schaeffler.
Nach Angaben von Miteigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler finden sich in jedem Auto auf dieser Welt durchschnittlich 60 Teile aus der Schaeffler-Produktion. "Schaeffler/Conti steht für eine industrielle Substanz, die es so weltweit nicht noch einmal gibt", unterstrich sie. "Eine Störung in unserer Produktion hätte für die Automobilindustrie weltweit schwerwiegende Auswirkungen."
Dennoch lehnt Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) weiter staatliche Hilfen für Schaeffler ab. "Wir sind nicht dafür da, für Fehlentscheidungen von Milliardären geradezustehen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand, der sich verspekuliert hat, auch noch einen Reibach auf Steuerzahlerkosten macht", sagte Scholz in einem Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag".
kaz/AP/dpa
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