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24.02.2009
 

AIG

US-Versicherer droht größter Verlust der Wirtschaftsgeschichte

Auf dem US-Finanzmarkt braut sich neues Unheil zusammen: Dem US-Versicherungsriesen AIG droht laut Presseberichten erneut ein happiger Quartalsverlust - der größte in der Wirtschaftsgeschichte. Und auch bei der Citigroup gibt es neue Probleme. Die Regierung in Washington muss helfen.

New York - Dem vom Staat gestützten US-Versicherer AIG droht mit einem Rekordminus von 60 Milliarden Dollar laut Presseberichten der größte Quartalsverlust eines Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte. Wegen enormer Abschreibungen und einer erneuten möglichen Pleite verhandele der einstige globale Branchenführer mit der US-Regierung über weitere Nothilfen nach den bereits gewährten rund 150 Milliarden Dollar, hieß es am Dienstag unter anderem im amerikanischen Fernsehsender CNBC.

AIG-Mitarbeiter: Niemand setzte mehr Geld in den Sand
REUTERS

AIG-Mitarbeiter: Niemand setzte mehr Geld in den Sand

Mehr Geld als AIG hat bislang kein Unternehmen in den Sand gesetzt. Spitzenreiter war bisher der Medienkonzern Time Warner, der 2002 in einem Quartal auf ein Minus von 54 Milliarden Dollar kam.

Die Hiobsbotschaft trifft die US-Regierung zusammen mit der sich zuspitzenden Krise des auch schon massiv von Staatshilfen abhängigen Finanzkonzerns Citigroup Chart zeigen. Die einst weltgrößte Bank drängt Washington nach übereinstimmenden Zeitungsberichten zu einer Teilverstaatlichung von bis zu 40 Prozent, um die drohende Pleite abzuwenden.

Die beiden Finanzriesen zählen international zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Bei ihrem Zusammenbruch drohen weltweite Schockwellen. Angeführt von einem Kurseinbruch an der New Yorker Wall Street reagierten die Börsen in Asien und Europa bereits mit Verlusten.

Hoffen auf neue Hilfe von der Regierung

AIG bestätigte grundsätzlich Gespräche mit der US-Regierung und der Notenbank wegen der "finanziellen Herausforderungen", nannte aber keine Details. Die US-Regierung äußerte sich zunächst nicht. Sie hatte aber erst am Montag angesichts der sich verschärfenden Lage ausdrücklich weitere Hilfen für die führenden Finanzkonzerne des Landes in Aussicht gestellt.

Der Versicherer, für den etwa hunderttausend Menschen arbeiten, wolle seine Bilanz für 2008 am Montag kommender Woche vorlegen, berichtete CNBC. Zuvor solle am Wochenende der Verwaltungsrat der Bank zusammenkommen, um eine neue rettende Vereinbarung mit der Regierung zu besiegeln. Für den Notfall eines Scheiterns bereite AIG einen Insolvenzantrag vor.

Die Notenbank Fed hatte den Versicherer erst Mitte September in letzter Minute vor dem Zusammenbruch bewahrt. Im Gegenzug erhielt der Staat knapp 80 Prozent der Anteile. An der Citigroup beteiligte sich der US-Steuerzahler mit einer Kapitalspritze von 45 Milliarden Dollar und einer beispiellosen Bürgschaft von mehr als 300 Milliarden Dollar.

Möglich sei bei AIG eine Umschuldung von Teilen der Regierungskredite, schrieb das "Wall Street Journal". Eine andere Variante sei die Umwandlung der Vorzugsaktien des Staates in stimmberechtigte Stammaktien. Ein solcher Schritt zur Stärkung der Kapitalbasis stehe den Berichten zufolge auch bei der Citigroup an.

AIG will sich von Geschäftsfeldern trennen

Wesentlicher Grund für den drohenden Rekordverlust bei AIG seien riesige Abschreibungen bei Gewerbeimmobilien, hieß es. Nach Privathäusern steckt in den USA auch dieser Immobilienmarkt in der Krise. Milliardenverluste aus riskanten Finanzgeschäften hatten AIG zuvor an den Rand des Abgrunds gebracht. In vier Verlustquartalen in Folge fuhr der Versicherer zuletzt ein Minus von insgesamt 43 Milliarden Dollar ein - allein im vergangenen Geschäftsquartal waren es 24,5 Milliarden Dollar.

AIG will sich nach bisherigen Plänen von Geschäftsfeldern trennen, um die Kredite und Geldspritzen zurückzuzahlen. Die Verkäufe gestalten sich jedoch angesichts der globalen Wirtschaftskrise schwieriger als erwartet. Unter anderem übernahm der deutsche Versicherungskonzern Münchener Rück vom US-Wettbewerber einen Spezialversicherer.

Die AIG-Aktie verlor seit den Turbulenzen und dem Staatseinstieg im vergangenen Herbst rund 98 Prozent ihres Werts und fiel seither weiter. Zuletzt notierte sie bei gerade einmal bei 0,53 Dollar.

kaz/dpa/Reuters

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