München/Wiesbaden - Deutschland wird vom Abschwung härter getroffen als andere Staaten in Europa. Experten der Europäischen Wirtschaftsberatergruppe (EEAG) sagen für die Bundesrepublik einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent für 2009 voraus. Für den Euro-Raum rechnen die Ökonomen dagegen nur mit einem durchschnittlichen Minus von zwei Prozent.
Containerschiff im Hamburger Hafen: Export bricht ein
Vor allem die Autobauer sind vom Exporteinbruch betroffen. Die Ausfuhren der deutschen Hersteller sind nach Angaben von VDA-Präsident Matthias Wissmann im Januar um 39 Prozent zurückgegangen.
Schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg
Nach Angabe des Statistischen Bundesamtes brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im letzten Quartal 2008 um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein. Die deutsche Wirtschaft befinde sich damit in der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärten die Ökonomen der Nord/LB. Hoffnungen auf baldige Besserung gäben die Frühindikatoren nicht.
Die Volkswirte von Dresdner Kleinwort und Commerzbank rechnen für das erste Quartal 2009 mit einem weiteren Rückgang des BIP um 1,5 Prozent. Allerdings dürften die Konjunkturpakete, die niedrige Teuerungsrate und die deutlichen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank die Abwärtsbewegung in der zweiten Jahreshälfte stoppen, meinen die Bankexperten.
Aufträge aus China
Ein Hoffnungsschimmer kommt immerhin aus Fernost: Chinesische Unternehmen unterzeichneten am Mittwoch in Berlin mit deutschen Partnern mehr als 30 Lieferverträge im Volumen von mehreren Milliarden Euro. Schwerpunkt waren Maschinenbau, Elektrotechnik sowie die Autoindustrie. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sprach von einer "exzellenten Nachricht für die deutsche Exportwirtschaft". Weitere Aufträge würden in Kürze folgen.
Die chinesischen Firmen wollen in Europa nach Angaben aus Peking Waren im Wert von mehr als elf Milliarden Euro kaufen. Deutschland war erste Station für die Delegation unter Leitung des chinesischen Handelsministers Chen Deming. Die Unternehmer reisen zudem in die Schweiz, nach Spanien und Großbritannien. Der "Löwenanteil" der Verträge in Europa gehe an deutsche Firmen, erklärte Guttenberg.
Anstieg der Arbeitslosigkeit
Der Abschwung dürfte nach Meinung der EEAG-Ökonomen deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Zahl der Jobsuchenden werde im September um eine halbe Million höher ausfallen als im September 2008 und zum Jahresende hin weiter zunehmen, heißt es in ihrer Prognosen.
Dank einer zurückhaltenden Lohnpolitik hätten die deutschen Arbeitnehmer ihre Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren allerdings etwas verbessern können. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im Jahr 2010 dürften deswegen vermutlich nicht das Ausmaß des Abschwungs von 2005 erreichen.
Tatsächlich sind die Folgen der Wirtschaftskrise am Arbeitsmarkt bereits jetzt nicht mehr zu übersehen. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften sei im Februar zum neunten Mal in Folge gesunken, teilte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit.
Verglichen mit Februar 2008 nahm die Arbeitskräftenachfrage im Stellenindex BA-X um 30 Punkte ab. Allerdings habe sich der Rückgang etwas verlangsamt. Der Stellenindex fiel im Vergleich zum Vormonat um vier auf 140 Punkte, nach minus acht Punkten im Januar und jeweils minus fünf Punkten im November und Dezember. Der BA-X erscheint monatlich. Der Stellenindex misst die Jobs am Arbeitsmarkt und gilt als Indikator für die Arbeitskräftenachfrage.
Beschäftigungsrückgang hält an
Dennoch kann von einer Entspannung keine Rede sein. "Damit ist auch in den kommenden Monaten mit einem Beschäftigungsrückgang zu rechnen", erklärte die BA. Die aktuellen Arbeitsmarktdaten wird die Behörde am Donnerstag in Nürnberg veröffentlichen. Im Januar war die Zahl der Erwerbslosen um 387.000 auf 3,489 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote hatte sich um 0,9 Punkte auf 8,3 Prozent erhöht.
Volkswirte rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Jobsuchenden um bis zu hunderttausend auf rund 3,6 Millionen. Der Großteil des Anstiegs sei auf die schlechte Konjunktur zurückzuführen, erklärten Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut und Rolf Schneider von Allianz Research. Eine noch stärkere Zunahme werde derzeit durch das Kurzarbeitergeld verhindert. Schon in den nächsten Monaten sollten die Entlassungen ihrer Einschätzung nach aber zunehmen.
suc/AP
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