Wirtschaft



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26.02.2009
 

Autokrise

Opel braucht langfristig über fünf Milliarden Euro Hilfe

Die Krise bei Opel könnte für den Steuerzahler teurer werden als erwartet: Der Autohersteller benötigt nach SPIEGEL-Informationen für eine eigenständige Zukunft 5,6 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie bekannt. Das Management verhandelt weiter um Hilfen.

Berlin/Rüsselsheim - Der Autobauer Opel benötigt für eine eigenständige Zukunft ohne den US-Mutterkonzern General Motors Chart zeigen (GM) nach SPIEGEL-Informationen zusätzlich zu den bekannten 3,3 Milliarden Euro weitere 2,3 Milliarden Euro an Eigenkapital und Liquidität. Klar sei, dass der Bedarf deutlich höher liege als bisher angenommen, hieß es auch in Regierungskreisen.

Demonstration von Opel-Mitarbeitern in Rüsselsheim: Das Management will dem Aufsichtsrat am Freitag seinen Sanierungsplan vorstellen
AP

Demonstration von Opel-Mitarbeitern in Rüsselsheim: Das Management will dem Aufsichtsrat am Freitag seinen Sanierungsplan vorstellen

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Opel- und GM-Manager sogar von einem langfristigen Kapitalbedarf von acht bis neun Milliarden Euro.

Opel-Chef Hans Demant hat den angeblichen Kapitalbedarf seines Unternehmens von acht bis neun Milliarden Euro als "völlig aus der Luft gegriffen" zurückgewiesen. "Diese Zahl ist mir völlig unbekannt, sie ist absurd hoch", sagte Demant in Rüsselsheim. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz wies die Angaben als "Schwachsinn" zurück.

Aus Konzernkreisen hatte es zuletzt geheißen, bis Ende 2011 brauche Opel 3,3 Milliarden Euro, davon 2,6 Milliarden Staatsbürgschaften und den Rest durch einen Beitrag der Arbeitnehmer.

Manager des Autokonzerns sowie Vertreter von Bund und Ländern haben am Donnerstag über mögliche Hilfen verhandelt. Voraussetzung für Staatshilfen ist aus Sicht der Regierung unter anderem, dass deutsches Steuerzahlergeld nicht in die Kassen des US-Mutterkonzerns fließt. Das Opel-Management will seinen Rettungsplan am Freitag dem Aufsichtsrat vorlegen. Über Details wurde zunächst nichts bekannt. Vom Bund wünscht das Unternehmen bisher Kredite oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro.

Nach dpa-Informationen aus Finanzkreisen hat GM bisher keine verbindlichen Angaben über die Zukunft der rund 25.000 Arbeitsplätze und der Werke in Deutschland gemacht. Der US-Autokonzern prüfe einen Verkauf des Opel-Werkes im thüringischen Eisenach, für das es Interessenten gebe. Entscheidungen sind aber auch hier noch nicht getroffen.

Mutterkonzern mit 31 Milliarden Dollar Verlust

Opel erwägt derzeit die Abtrennung von der Konzernmutter. Der Opel-Betriebsrat hatte GM mehrfach vorgeworfen, Verluste zum Teil nach Europa abzuschieben. GM schrieb zuletzt in allen Regionen der Welt rote Zahlen.

Europaweit demonstrierten am Donnerstag rund 25.000 Opel-Mitarbeiter für die Rettung ihres Unternehmens. Zur zentralen Kundgebung am Firmensitz Rüsselsheim kamen allein 15.000 Beschäftigte. Sie forderten eine rasche Trennung der Traditionsmarke von der schwer angeschlagenen US-Mutter General Motors (GM) und verbündeten sich mit Kollegen der ebenfalls ums Überleben kämpfenden Schwestermarken Saab aus Schweden und Vauxhall aus Großbritannien, die ebenfalls auf die Straße gingen.

Aus der Konzernzentrale kamen Botschaften der Hoffnungslosigkeit: Der Konzern schrieb 2008 mit 31 Milliarden Dollar den vierten Verlust dieses gewaltigen Ausmaßes in Folge. Auch das Geschäft in Europa mit der Hauptmarke Opel geriet tiefer in die roten Zahlen. Der operative Verlust verfünffachte sich auf 2,9 Milliarden Dollar.

Der US-Branchenführer kann derzeit nur durch staatliche Notkredite überleben und ist ohne neues Geld in wenigen Wochen pleite. Zuletzt verbrannte GM pro Monat über zwei Milliarden Dollar seiner Reserven. Zum Jahresende halbierten sich die flüssigen Mittel im Vergleich zu 2007 etwa auf 14 Milliarden Dollar.

Zur Sanierung plant GM unter anderem weltweit den Abbau von nochmals 47.000 Jobs und damit etwa jeder fünften Stelle. Weitere Werke sollen geschlossen und Konzernmarken wie die schwedische Tochter Saab verkauft oder eingestellt werden. Bislang erhielt GM 13,4 Milliarden Dollar an Staatshilfen.

Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung dieses Artikels berichteten wir irrtümlich, der Kapitalbedarf von Opel betrage nach SPIEGEL-Informationen langfristig insgesamt neun Milliarden Euro. Dies ist in der jetzigen Fassung richtig gestellt.

kaz/dpa/Reuters

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