Wirtschaft



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27.02.2009
 

Abkopplung von GM

Opel-Rettungsplan lässt viele Fragen offen

Von Anne Seith und Jörn Sucher

Mehr Eigenständigkeit, Finanzhilfe vom Staat, eine Schlankheitskur - mit seinem Sanierungskonzept probt das Opel-Management den Befreiungsschlag. Doch die Suche nach Investoren wird schwierig für den Autobauer, fürchten Experten. Politiker geben sich optimistisch.

Frankfurt am Main/Hamburg - Carl-Peter Forster scheint es kaum abwarten zu können: Schon während der Pressesprecher ihn am Freitag im Rüsselsheimer Opel-Hauptquartier ankündigt, will der Europa-Chef von General Motors vom Rand des Raums in die Mitte eilen. Er muss noch mal abbremsen und warten, bis er wirklich dran ist. Auch der ganze folgende Auftritt versprüht Elan und Aufbruchstimmung. Forster wirkt tatsächlich, als habe er es in der Tasche - das Patentrezept für die Rettung von Opel.

Opel-Fertigung in Rüsselsheim: "Knapp bemessene Kapitalhilfe"
AP

Opel-Fertigung in Rüsselsheim: "Knapp bemessene Kapitalhilfe"

Opel-Mitarbeiter und Politiker haben gleichermaßen gespannt auf diesen Moment gewartet - letztere, weil schon vorher klar war, dass Opel auf jeden Fall Geld von der öffentlichen Hand brauchen wird. Bundesregierung und Länder wollen wissen, wofür genau sie sich finanziell engagieren sollen.

Und Forster hat zumindest eine Überraschung für sie parat. Er will weniger Geld, als manch einer befürchtete.

3,3 Milliarden Euro benötige Opel von der öffentlichen Hand - den Rest der zur Rettung nötigen Mittel steuere GM bei, "insbesondere in Form von Sacheinlagen wie Patenten". Doch Forster geht sogar noch ein Stück weiter: Die Bitte um Geld sei einmalig, betont er - und die Staatszugaben sollen bis spätestens 2015 zurückgezahlt sein. Es gehe also um ein "temporäres" Engagement, wohl in Form von Krediten oder Bürgschaften. Im Gegenzug werde Opel rund eine Milliarde Euro einsparen.

Stefan Bratzel, Auto-Experte der FH Bergisch Gladbach, hält Forsters Kapitalanspruch für "relativ knapp bemessen", ebenso sein Duisburger Kollege Ferdinand Dudenhöffer. Die europäischen Töchter machten 2008 vor Steuern einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro, die kommenden ein bis zwei Jahre dürften kaum rosiger werden. "Da bleibt kaum noch etwas zum Investieren", sagt Bratzel.

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Auch der Rest des Konzepts lässt noch einige Fragen offen. Opel will unabhängiger von der kranken Mutter werden, so viel ist klar. "Eine selbständige Geschäftseinheit", wie Forster sagt. Neue Anteilseigner werden gesucht. Engagements von 25 und 50 Prozent seien denkbar, sagt der GM-Europa-Chef - letztlich sei das aber Verhandlungssache. Auch die Mitarbeiter sollen Anteile übernehmen. Allerdings ist kaum zu erwarten, dass die Belegschaft in Summe mehr als einen einstelligen Prozentbetrag übernehmen kann. Fragt sich also: Wer soll sich bei Opel einkaufen?

Die ganze Autobranche steckt in der Krise - und einem Investor bliebe obendrein neben GM "nur die Rolle als Juniorpartner ohne echte Kontrolle", gibt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zu bedenken. Hinzu komme die bedenkliche Finanzsituation von GM - der Konzern hat gerade einen Jahresverlust von rund 31 Milliarden Dollar bekannt gegeben. "Der Niedergang geht weiter", sagt Pieper. Kein Konkurrent wolle da mit "ins Boot steigen." Blieben noch irgendwelche Finanzinvestoren, "die aber derzeit ihrerseits kaum das Kapital für ein Investment" hätten, so der Auto-Analyst.

Auto-Experte Bratzel hält es immerhin für möglich, dass chinesische Hersteller wie etwa SAIC irgendwann Interesse anmelden könnten. "Die Unternehmen dort suchen mittelfristig den Einstieg in den europäischen Markt." Aber kurzfristig wird es ohne den Staat nicht gehen, lautet die einhellige Meinung unter Experten. "Wenn man Opel erhalten will, gibt es da keine Alternative", sagt Bratzel.

Frage nach der Gesellschaftsform

Auch die Frage, welche Form die neue Gesellschaft eigentlich haben wird, ist offensichtlich noch umstritten. Bislang firmiert Opel als GmbH. Forster spricht beharrlich von einer "selbständigen Geschäftseinheit". Opel-Chef Hans Demant sagt "neue Opel-Organisation", zu der alle europäischen Standorte gehören sollen. Lediglich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz erklärt, er wünsche sich eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht

"Das ist ein entscheidender Punkt", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle für Automobil Wirtschaft (FAW). Von der Gesellschaftsform hänge ab, inwieweit Kapitalabflüsse in Richtung GM eingeschränkt werden könnten. "Davon aber wiederum dürfte die Bundesregierung die Bereitstellung von Kapitalhilfen abhängig machen", so Meinig.

Forster kündigt Sparkurs an

Auch eine weitere Frage dürfte die Regierung beschäftigen: Die Opel-Mitarbeiter werden über ihre Zukunft im Unsicheren gelassen, dafür aber schon auf herbe Einschnitte eingestimmt. Es gebe "nach wie vor keine Beschlüsse über Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen", sagt Forster lediglich - und spricht dann von "freiwilligen Abfindungsmaßnahmen".

Mit anderen Worten: Es müssen Jobs gestrichen werden. An die 25 Prozent Personalabbau in den kommenden zehn Jahren hält Auto-Experte Dudenhöffer für unumgänglich, auch Bratzel sagt: "Tendenz eher 20 als zehn Prozent". Außerdem werde es wohl "gewisse Lohn- und Gehaltsverzichte geben", sagt Forster.

Verkäufe von Werken schließt Foster freilich nicht aus. Die Frage nach der Zukunft des Werks in Eisenach etwa lässt der Manager im Vagen. Wenn es sinnvoll erscheine, einen Standort an einen anderen Hersteller zu übertragen, "werden wir das sicher in Betracht ziehen", sagt Forster. Der "Financial Times Deutschland" zufolge wird ein Verkauf an Daimler geprüft.

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