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27.02.2009
 

700.000-Pfund-Pension

Staatsrente für Fiasko-Banker empört Briten

Von Carsten Volkery, London

Er ist der Inbegriff des schamlosen Bankers: Der frühere RBS-Chef Fred Goodwin bezieht eine Staatsrente von 693.000 Pfund im Jahr - obwohl er die britische Bank praktisch in den Ruin geführt hat. Die Öffentlichkeit ist entsetzt, die Regierung steht am Pranger.

London - Es waren hektische Tage im Oktober. Sir Fred Goodwin, Chef der Royal Bank of Scotland, sandte einen dramatischen Hilferuf an die Regierung: Sein Haus brauche dringend Kapital, sonst drohe der Zusammenbruch. Die Regierung pumpte eilig 20 Milliarden Pfund in die Bank. Goodwin durfte freiwillig zurücktreten, die Schmach eines Rausschmisses wurde dem Ritter der Queen erspart.

Ex-Bank-Chef Goodwin: Rücktrittsdeal wird zum Alptraum der Regierung
AFP

Ex-Bank-Chef Goodwin: Rücktrittsdeal wird zum Alptraum der Regierung

Inzwischen dürfte Premierminister Brown sich selbst verfluchen, dass er Goodwin damals nicht einfach gefeuert hat. Denn das Kleingedruckte des einvernehmlichen Rücktrittsdeals entwickelt sich nun zum Alptraum für die Regierung. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Goodwin zum Abschied ein stattliches Präsent bekam. Der gerade erst 50 Jahre alt gewordene Frührentner kassiert seit Februar eine Jahresrente von 693.000 Pfund, bezahlt aus der Steuerkasse, da die RBS zu 70 Prozent dem Staat gehört.

Empörung über goldenen Handschlag

Der Aufschrei über den goldenen Handschlag ist gewaltig. "Goodwin zeigt uns zwei Finger", schäumte die "Sun". "Während Millionen Rentner mit einem Taschengeld auskommen müssen, lebt einer der Idioten, die daran schuld sind, wie ein König von Steuergeldern. Das ist haarsträubend, ekelhaft, skandalös, und es muss verhindert werden".

Politiker aller Couleur sind empört. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand Sympathien für diesen Typen hat", sagte der finanzpolitische Sprecher der oppositionellen Liberaldemokraten, Vince Cable. "Er hat die Bank ins Desaster geführt. Er sollte sich entschuldigen und Reue zeigen. Aber offensichtlich kennt er keine Scham".

Premier Brown und Finanzminister Alistair Darling hatten Goodwin gleich am Donnerstag aufgefordert, freiwillig auf die Rente zu verzichten. Es war der Tag, an dem die RBS den höchsten Verlust der britischen Unternehmensgeschichte verkündete. Der Verlust geht vor allem auf Goodwins Kappe, der Milliarden mit der Übernahme von ABN Amro verbrannt hatte. Vor diesem Hintergrund, kalkulierten Brown und Darling, bleibe Goodwin kein anderer Ausweg als ein Rückzieher.

Doch Goodwin dachte gar nicht daran. Er soll getobt haben, dass die Öffentlichkeit ausgerechnet an diesem Tag von seiner Rente erfuhr. Er witterte einen Schachzug der Regierung, die ihn mit moralischem Druck zum Verzicht zwingen wollte. Das wollte der Mann mit dem Spitznamen "Reißwolf" sich nicht bieten lassen und ging zum Gegenangriff über. In einem öffentlichen Brief an den zuständigen Finanzstaatssekretär Lord Myners schrieb Goodwin, seine Rente sei bei den Verhandlungen im Oktober angesprochen worden und Myners habe zu erkennen gegeben, dass keine weiteren "Gesten" erforderlich seien. Er habe bereits auf Gehalt verzichtet und sehe keinen Grund, auch noch auf seine Rente zu verzichten.

"Was wussten Brown und Darling?"

Im Oktober hatte Goodwin auf ein Jahr Gehalt und Aktienoptionen verzichtet, insgesamt etwa 1,6 Millionen Pfund. Im Gegenzug waren seine Rentenansprüche von acht auf 16 Millionen Pfund verdoppelt worden. Ein guter Deal für Sir Fred, ein schlechter für die Steuerzahler.

Staatssekretär Myners verteidigte sich in einem Antwortbrief: Die Regierung habe erst vergangene Woche erfahren, dass die Verdopplung der Rente ein freiwilliges Angebot des RBS-Aufsichtsrats gewesen sei. Damals sei es so dargestellt worden, als habe Goodwin einen gesetzlichen Anspruch auf diese Summe gehabt. Goodwins Weigerung, zu verzichten, sei "nicht akzeptabel".

Doch stehen die Regierenden trotz ihrer Empörung nun mit am Pranger. "Was wussten Brown und Darling?", fragte der "Daily Telegraph". Für sie ist die Affäre so oder so peinlich: Entweder haben sie die Luxusrente wissentlich abgesegnet. Das unterminiert die Glaubwürdigkeit des Premierministers, der kürzlich erst getönt hat, er wolle Bonuskultur der Banken "hinwegfegen".

Oder aber die Summe wurde ihnen von Goodwins cleveren Anwälten untergejubelt. Das würde den Eindruck verstärken, dass die Regierung in Krisensituationen versagt. Auch die Ankündigung Browns, alle rechtlichen Mittel zu prüfen, um Goodwins Rentenzahlungen zu stoppen, könnte zum Eigentor werden - wenn sich herausstellt, dass nichts zu machen ist.

Brown und Darling haben also mehr zu verlieren als Goodwin. Der ist ohnehin schon der Buhmann der Nation, der Inbegriff des bösen Bankers. Viel tiefer kann er nicht sinken. Die Politiker hingegen müssen sich nun die Verschwendung von Steuergeldern vorwerfen lassen. Gewerkschafter und die oppositionellen Tories fordern bereits den Rücktritt des Finanzstaatssekretärs Myners.

Auch frühere Labour-Minister schütteln den Kopf. John Prescott, der ehemalige Stellvertreter Tony Blairs, sagte, die Regierung müsse sich fragen lassen, ob sie die Vereinbarung sorgfältig genug geprüft habe. Allerdings stellte er klar, wer in dieser Geschichte die Guten und wer die Bösen sind. Goodwins Weigerung, zu verzichten, sei "arrogant", sagte Prescott dem Radio 4. Er empfahl, die Rente einfach nicht zu überweisen. "Soll er uns doch verklagen".

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