Von Marc Pitzke, New York
Keiner ist hierbei nach Buffetts Worten völlig unschuldig. Etwa bei der Immobilienkrise, dem Ursprung allen Übels: "Eigenheimkäufer, Kreditgeber, Broker und die Regierung" seien dafür mitverantwortlich. Denn alle hätten die goldenen Regeln missachtet, wonach etwa Immobilientransaktionen eine Anzahlung von mindestens zehn Prozent beinhalten sollten sowie "Raten, die vom Einkommen des Schuldners bequem getragen werden können".
Besonders spitze Worte fand Buffett freilich für Ex-Präsident George W. Bush - ohne diesen auch nur einmal namentlich zu erwähnen. Bush hatte die USA ja gerne als eine "Gesellschaft der Eigentümer" propagiert, in der Hausbesitz ganz oben in den nationalen Ambitionen stehe, quasi als eine Art Verfassungsrecht. "Den Leuten ein Haus zu verschaffen ist zwar ein erstrebenswertes Ziel", widerspricht Buffett, "doch das sollte nicht das vorrangige Ziel unseres Landes sein."
Lob für das Krisenmanagement
Dennoch lobt er Washington für die Eingriffe ins wankende System. Das US-Finanzministerium und die Federal Reserve Bank hätten dabei "alles auf ihre Hand gesetzt", schreibt er, als handele es sich um eine gemütliche Poker-Runde. Ohne das hätte es sicher einen "kompletten Zusammenbruch" gegeben, mit "katastrophalen" Konsequenzen für alle Bereiche der US-Wirtschaft.
Zugleich warnt Buffet jedoch, dass diese "einst undenkbar" hohe Dosis an "finanzpolitischer Medizin" sicherlich zu "unwillkommenen Nachwirkungen" führen werde - beispielsweise zu einem wahrscheinlichen "Inflationssturm". Auch dürften, nachdem inzwischen ganze Industriebranchen am staatlichen Tropf hingen, bald auch die US-Bundesstaaten und die Städte nach Washingtons Geldern gieren. Dies werde ganz neue finanzpolitische Fragen aufwerfen.
An Selbstkritik spart Buffett nicht
Auch sich selbst nimmt Buffett nicht von der Kritik aus: "2008 habe ich mir ein paar dumme Sachen geleistet, was Investments angeht." So habe er eine "große Menge" an Aktien des Ölgiganten ConocoPhillips
gekauft - kurz bevor die Ölpreise und Ölkurse wieder nachließen. "Das fürchterliche Timing meines Ankaufs hat Berkshire mehrere Milliarden Dollar gekostet." Ein Blick in den beigefügten Berkshire-Bilanzbericht zeigt, dass Buffett für die ConocoPhillips-Anteile etwas mehr als sieben Milliarden Dollar zahlte. Ihr Marktwert bei Bilanzstellung: 4,4 Milliarden Dollar.
Außerdem habe er Ende 2008, als sich die Kreditkrise zuspitzte, 14,5 Milliarden Dollar in festverzinsliche Wertpapiere von General Electric
, Goldman Sachs
und Wrigley investiert. Um das zu finanzieren, habe er Beteiligungen abgestoßen, "die ich lieber behalten hätte" - etwa am Pharmariesen Johnson & Johnson
und dem Konsumgüter-Multi Procter & Gamble
.
"Amerikas beste Tage liegen vor uns"
Trotz allem müht sich Buffett um jenen volkstümlichen Optimismus, für den er bekannt ist (und gerne verspottet wird). "Vergessen Sie nie, dass unser Land in der Vergangenheit vor weit höheren Hürden stand", appelliert er in einer Art patriotischem Beben an seine Shareholder. Diese Hürden seien alle überwunden worden - was ihm Hoffnung gebe: "Amerikas beste Tage liegen vor uns."
Zum Schluss des Berkshire-Bilanzberichts diskutiert Buffett die makabre Frage seines Todes und die der Nachfolge. Während er den Großteil seines Vermögens Stiftungen vererben will, soll die Berkshire-Führung an zwei Top-Manager aufgeteilt werden, für die er dem Board bereits seine Kandidaten empfohlen habe. (Namen nennt er, wie früher schon, nicht.) Doch keine Sorge: "Ich habe mich nie besser gefühlt", versichert Buffett. "Wenn Lebensfreude ein Hinweis auf Langlebigkeit ist, dann ist Methusalems Rekord in Gefahr."
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