New York/Frankfurt - Der Rekordverlust beim US-Versicherungskonzern AIG
hat den Börsen in den USA und Europa stark zugesetzt. Der deutsche Aktienindex Dax
schloss mit einem Minus von 3,48 Prozent bei 3710,07 Punkten - der Dow-Jones-Index
an der New Yorker Börse fiel weit unter 7000 Punkte auf den niedrigsten Wert seit der Asien-Krise 1997. Der Ölpreis für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude gab um fast zehn Prozent auf 40,15 US-Dollar nach.
Händler an der New Yorker Börse: Absturz nach AIG-Debakel
Der Dow Jones stürzte um exakt 4,24 Prozent ab und notierte zu Börsenschluss bei 6763,29 Punkten - seit Jahresbeginn hat der Index damit mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Der Technologie-Index Nasdaq Composite
fiel um 3,99 Prozent und lag bei Börsenschluss bei 1322,85 Punkten. Der marktbreitere Index S&P 500 gab sogar um 4,66 Prozent auf 7000,82 Punkte nach.
"Der Ton aus dem Finanzsektor bleibt düster und die Risiken der weltweiten Wirtschaftsentwicklung bleiben hoch", sagte ein Marktstratege. Die Nervosität der Anleger sei mit Blick auf eine Woche voller unsicherer Daten wie dem Arbeitsmarktbericht am Freitag sehr groß. Das lasse sich auch gut am "Angstindex" ablesen, dem Chicago Board Options Exchange Volatility Index (VIX), der um rund 18 Prozent kräftig zulegte.
US-Regierung pumpt neue Milliarden in AIG
AIG hatte am Montag wie weithin erwartet bekanntgegeben, im letzten Quartal 2008 den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte gemacht zu haben. Der einst weltgrößte Versicherungskonzern, den die Finanzkrise mit voller Wucht getroffen hat, verlor in diesen drei Monaten rund 61,7 Milliarden Dollar (rund 49 Milliarden Euro). Im gesamten vergangenen Jahr summieren sich die Verluste auf knapp 100 Milliarden Dollar - nach einem Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar 2007.
Die US-Regierung kündigte an, AIG weitere 30 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug erhält der Staat Vorzugsaktien des Unternehmens. Das Finanzministerium teilte mit, die neuen Hilfen seien wegen des "systemischen Risikos" einer AIG-Pleite notwendig - das heißt, die Regierung befürchtet bei einer Pleite schwere Folgen für andere Wirtschaftsbereiche. Der Versicherer bietet Leistungen in 130 Ländern, darunter auch für Unternehmen und staatliche Stellen in Deutschland. Die US-Regierung war dem Konzern schon im September beigesprungen und hatte ihn vor der Pleite gerettet. Seitdem hat AIG rund 150 Milliarden Dollar Hilfen erhalten und wurde unter Behördenkontrolle gestellt. Händler befürchten inzwischen eine Komplettverstaatlichung.
Die Aktien von AIG büßten ihre anfänglichen Gewinne im Handelsverlauf ein und schlossen unverändert bei 0,42 Dollar. Seit Jahresbeginn waren die Titel im Tief bereits um rund 75 Prozent eingebrochen. Citigroup
-Aktien brachen um 20,00 Prozent auf 1,20 Dollar ein. Händler verwiesen insbesondere auf einen Kommentar der Deutschen Bank
: Deren Analysten zufolge könnte die bereits teilverstaatlichte US-Bank noch mehr Kapital benötigen. Für 2009 erwarten sie einen Verlust von 4,5 Milliarden Dollar. Die Aktie sei ungewöhnlich riskant. Die UBS
äußerte sich ebenfalls negativ zur Citigroup und senkte das Kursziel von 4,00 auf 1,75 Dollar.
Dax stürzt auf niedrigsten Stand seit Oktober 2003
Auch JP Morgan und Bank of America
kamen an der Wall Street massiv unter Druck - genauso wie in Europa die größte Bank des Kontinents, HSBC
, die
eine milliardenschwere Kapitalerhöhung bekannt gab.
Bei Handelsschluss notierte der Dax
bei 3710 Punkten. Der Schlussstand entspricht dem tiefsten Stand seit Oktober 2003. Im Handelsverlauf war der Leitindex kurzzeitig sogar unter die 3700-Punkte-Marke gefallen. Für den MDax
ging es um 3,6 Prozent auf 4441 Zähler nach unten. Zuletzt war der Index der mittelgroßen Werte im November 2003 schwächer aus dem Handel gegangen. Der TecDax
büßte 4,6 Prozent auf 423 Zähler ein, was für den Technologiewerte-Index den niedrigsten Schlussstand seit Mai 2003 bedeutet.
Im Dax verzeichneten Finanztitel die stärksten Verluste. Die Papiere der Commerzbank
brachen um 7,3 Prozent ein. Konzernchef Martin Blessing hatte zuvor neue staatliche Hilfen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Der Aktienkurs der Postbank
fiel um 6,7 Prozent, bei der Deutschen Bank
belief sich das Minus auf 5,1 Prozent. Selbst die großen Energieversorger gehörten am Montag zu den Verlierern: Aktien von RWE
verloren 6,9 Prozent, bei E.on
waren es minus 5,7 Prozent.
wal/plö/AP/Reuters/AFP/dpa
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