"Bei uns im Kollegium ist der Frauenanteil relativ groß, wir sind schließlich ein Lehr- und Wissenschaftsbetrieb, also eine der sogenannten weichen Industrien. Und natürlich sind sehr viele megastarke Frauen dabei, auch in Führungspositionen. Die lassen sich wirklich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie sind grenzenlos leistungsbereit - und auch leistungsfähig. Wenn Frauen an Karrierestellen kommen, verschwimmen die Unterschiede im Arbeitsstil im Vergleich zu Männern immer mehr.
Aber ich beobachte ein interessantes Phänomen: Viele unserer Assistentinnen sind Akademikerinnen. Frauen, die - despektierlich ausgedrückt - einen von diesen typischen Mädchenstudiengängen gemacht haben: Kulturwissenschaften, Anthropologie, Sprachen. Eine Ausbildung ohne klares Berufsbild, die es schwer macht, eine Stelle zu finden, die ihren Qualifikationen entspricht.
Die Assistentenjobs sind nicht schlecht. Sie sind relativ gut bezahlt. Der Professor ist nett, weil er sich freut über jemanden, der ohne große Erklärung versteht, worum es inhaltlich geht, mehrere Sprachen spricht, sich gut zu benehmen weiß. Aber auch wenn man das nicht mehr mit einem klassischen Sekretärinnenjob vergleichen kann, hat die Arbeit trotzdem stark administrative Elemente. Viele schaffen den Absprung nach ein paar Jahren nicht mehr. Weil sie es gewohnt sind, von den Bitten und Anordnungen ihrer Vorgesetzten durch den Tag gesteuert zu werden, fällt ihnen eigenverantwortliches Arbeiten schwer.
Wir hatten das hier ein paarmal, und oft ist es danebengegangen. Man darf ja auch eins nicht vergessen: So ein Assistentenjob ist bequem, da kann man um fünf oder sechs gehen und seine Energie Beschäftigungen außerhalb der Arbeit widmen. Sport, Kultur - oder eben der Familie. Wir leben nun mal in einem Land, in dem das Betreuungsangebot für Kinder vielerorts desaströs ist. In Frankfurt muss man sich um die Plätze prügeln, und dann kosten sie oft 1000 Euro im Monat. Das können sich viele Familien nicht leisten. Also muss einer die Familienarbeit übernehmen. Und da sind die gesellschaftlichen Muster natürlich immer noch klar: Frauen fühlen sich eher verantwortlich für die Familie, die Männer fürs Geldverdienen.
Ich bin ganz ehrlich: Ich konnte mir persönlich auch schwer vorstellen, den Part für die Familie zu übernehmen. Weil das eben berufliche Diskontinuität bedeutet. Wenn man ein paar Jahre aussetzt, oder eine Halbtagsstelle macht, ist man nicht mehr voll im Sozialgefüge eines Unternehmens oder einer Institution, Entwicklungen laufen an einem vorbei. Das hätte ich nicht gewollt. Trotzdem glaube ich, dass diese Muster zunehmend aufbrechen - und aufbrechen müssen. Schließlich ist statistisch nachgewiesen, dass Frauen im Schnitt leistungsfähiger und oft auch intelligenter sind. Man wird auf sie gar nicht verzichten können. Und bei meinen Studentinnen merke ich auch: Die wollen was, sind selbstbewusst und sehr ehrgeizig."
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