Von Dinah Deckstein
Hamburg - Die geplante Zusammenarbeit des Münchner Siemens-Konzerns mit einer Tochter des russischen Atomriesen Rosatom wird nicht so umfassend sein wie bislang vermutet. Nach Darstellung von Siemens-Insidern sollen bei dem avisierten Joint Venture politisch unsichere Regionen wie der Iran zunächst ausgespart bleiben - obwohl dort in den kommenden Jahren rund ein halbes Dutzend neue Kernkraftwerke entstehen sollen.
Mit der Ausschlussklausel reagieren die Deutschen auf Bedenken internationaler Experten. Sie befürchten, dass die iranische Regierung die Kerntechnik nicht nur zur Energieerzeugung, sondern womöglich auch für den Bau einer Atombombe nutzen könnte.
Auch hat Siemens-Chef Peter Löscher offenbar wenig Interesse, durch die Partnerschaft mit den Russen erneut in ein umstrittenes Projekt verwickelt zu werden, das die Münchner vor über 30 Jahren selbst begonnen hatten und die Rosatom-Tochter Atomenergoprom zur Zeit zu Ende baut: den ersten iranischen Kernreaktor im Buschehr.
Durch eine geschickte Vertragskonstruktion wollen die Siemens-Manager zudem vermeiden, dass die beabsichtigte Kooperation mit dem einstigen Konkurrenten im letzten Moment noch platzt. Mitte der Woche hatte die Chefin des bisherigen Siemens-Nuklearpartners Areva, Anne Lauvergenon gedroht, die Deutschen zu verklagen, falls sie gegen ein zwischen beiden Firmen im Jahr 2001 vereinbartes Wettbewerbsverbot verstoßen sollten. Ihre Gewinnchancen vor Gericht wären allerdings wohl gering.
Denn beim Verkauf seiner Atomsparte an den Areva-Vorläufer Framatome hatte der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer nur zugesichert, acht Jahre lang keine Mehrheitsbeteiligung an einem Wettbewerber zu übernehmen und ihn operativ zu führen. Beide Bedingungen halten die Münchner ein - an der deutsch-russischen Gemeinschaftsfirma streben sie nur eine Minderheitsbeteiligung an, gelenkt wird das Joint Venture von Atomenergoprom.
Parallel zu den Arbeiten an ihrem Atompakt mit den Russen verstärken die Siemens-Manager unterdessen die Sparanstrengungen im eigenen Haus. In einem Rundschreiben an die Mitarbeiter der internen Serviceeinheit GSS, die für den Konzern unter anderem die Lohn- oder Reisekostenabwicklung übernimmt, werden die Angestellten aufgefordert, interne Abstimmungstreffen künftig nicht mehr vor Ort persönlich, sondern telefonisch oder über Videokonferenzen abzuhalten.
Auch Handys und Blackberrys sollen die Beschäftigten "nach Möglichkeit" weiternutzen anstatt jeweils das neuste Modell zu bestellen. "Bewirtungen sowie Firmengeschenke", heißt es in dem Ukas weiter, "sind im Voraus bei der jeweiligen Führungskraft zu beantragen". Auch für Broschüren oder Marketingprospekte wurde ein "Bestellstopp" verhängt. Ähnliche Regelungen sind in anderen Siemens-Abteilungen geplant oder bereits umgesetzt.
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