Aus Huaypong und Bangkok berichtet Thilo Thielke
Am heftigsten trifft der Abwärtstrend derzeit Singapur und Thailand. "Vor Singapurs riesigem Hafen, einem der größten der Welt, liegen Hunderte von Frachtschiffen ohne Ladung", schreibt das "Wall Street Journal". Der Einbruch in Thailand, das in der Vergangenheit immer wieder auch von politischen Unruhen erschüttert worden war, bestätige "Befürchtungen, dass ein Großteil Südostasiens, einst ein relativer Lichtblick in der Weltwirtschaft, in eine tiefe Rezession sinkt". Das Wachstum der - nach Indonesien - zweitgrößten Wirtschaft der Region sank im vergangenen Quartal um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Exporte brachen um 26,5 Prozent ein. Das lässt Schlimmes befürchten. Auch weil die meisten südostasiatischen Staaten für kommende Krisen gut gewappnet schienen, unter anderem wegen der Reserven, die ihre Regierungen nach dem Crash 1997/98 gebildet hatten.
"Gerade Thailand wirkte sehr sicher", sagt Stefan Bürkle von der Deutsch-Thailändischen Handelskammer, "das Land deckt nämlich eine unglaublich breite Produktpalette ab: Es ist einer der weltgrößten Exporteure von Lebensmitteln, der elftgrößte Automobilproduzent, stark in der Textilindustrie." Außerdem seien die Handelspartner breit gestreut: "Keiner der großen Exportmärkte Japan, China, USA oder Europa nimmt eine Sonderstellung ein."
Bürkle sitzt in seinem Büro im 25. Stockwerk vor einer Glasfront und blickt hinunter. Unter ihm wuchert Bangkok bis an den Horizont - eine unaufhörlich wachsende und sich ständig verändernde Megacity. "Dass es Thailand auch erwischen würde, hätten wir nie geglaubt - dann hätten ja schon alle Märkte, alle Branchen gleichzeitig einbrechen müssen." Er schüttelt den Kopf. Wer hätte auch mit sowas rechnen können! "Das ist der massivste Einbruch, den es hier je gab", sagt er.
Bürkle ist dennoch Optimist. Er muss es natürlich sein. Er ist Wirtschaftsmensch. Er weiß, dass Zaudern und Zagen alles nur noch schlimmer machen würde. "Wussten Sie, dass Thailand einer der günstigsten Produktionsstandorte der Welt ist?", fragt er und lobt die Infrastruktur, relativ niedrige Büromieten, die gute Stromversorgung - man könne hier noch "weitaus günstiger produzieren als in China".
Und außerdem: "Natürlich ist die Wirtschaft eingebrochen, aber das Niveau, auf das sie gesunken ist, ist immer noch unglaublich hoch." Trotz des Einbruchs im Export befinde sich Thailand derzeit auf dem Stand von Januar 2007. "Und im Januar 2007" - man ahnt es - "hatte das Exportvolumen Thailands seinen bisherigen absoluten Höchststand erreicht."
Noch immer sei Thailands Volkswirtschaft etwa so groß wie die polnische. Die Kaufkraft der Thailänder sei in den vergangenen Jahren um 34 Prozent gestiegen, und während vor einigen Jahren noch 27 Prozent der Thais in Armut gelebt hätten, seien es derzeit gerade einmal elf Prozent. Natürlich: Tief fallen kann nur, wer vorher hoch geklettert ist.
Das ist plausibel und nimmt einem doch nicht den Schrecken vor der rasanten Talfahrt, die derzeit zu beobachten ist.
Man hat den Eindruck, Bürkle werde immer zuversichtlicher, je länger er redet und sich im Reich seiner Statistiken verliert. "Eine längerfristige dramatische Krise sehe ich nicht: weder für Europa, noch für die USA oder auch Thailand", sagt er. "Was derzeit geschieht, ist nur eine notwendige Anpassung des Weltfinanzsystems." Alles werde "unter erschwerten Bedingungen neu aufgebaut". Und: "Thailand ist am besten aufgestellt, um die Krise zu überwinden."
Bis dahin dürfte das Königreich allerdings noch einen weiten Weg vor sich haben. Das sieht mittlerweile selbst die neue, wirtschaftsfreundliche Regierung so. Ihre Wachstumsprognose hat sie von drei bis vier Prozent auf null bis minus ein Prozent korrigiert.
Das "Wall Street Journal" schreibt: "Thailand wird fast sicher in diesem Jahr eine Rezession erreichen."
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