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09.03.2009
 

Boomender Videoverleih

Wall-Street-Wunder Netflix trotzt dem Börsenbeben

Von Marc Pitzke, New York

Die meisten US-Aktien schmieren ab - doch ein wackeres Ex-Startup trotzt dem Trend und profitiert sogar von der Rezession. Der innovative Filmverleih Netflix gewinnt mit seinem cleveren Geschäftsmodell immer mehr Kunden. Dem großen Rivalen Blockbuster dagegen droht die Insolvenz.

New York - Henry Blodget, Wall-Street-Blogger und berühmt-berüchtigter Ex-Analyst, spricht von der "besten Aktie der Welt". Der Börsenexperte Rick Aristotle Munarriz von der Investment-Website "Motley Fool" hat beobachtet: "Jeder wäre gerne so." Und Julia Boorstin, Anlagespezialistin beim TV-Wirtschaftssender CNBC, prophezeit der Anlage in dieses Unternehmen selbst "während der Rezession" eine blendend-profitable Zukunft.

DVD-Sendung von Netflix: Beispielloser Erfolg mit billigem Angebot
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REUTERS

DVD-Sendung von Netflix: Beispielloser Erfolg mit billigem Angebot

Gibt es in diesen trüben Tagen an der Wall Street noch Lichtblicke? Offenbar ja, glaubt man dem Chor der Insider.

Die Rede ist von Netflix. Der rasant wachsende Konzern aus Los Gatos südlich von San Francisco, der außerhalb der USA bisher noch weitgehend unbekannt ist, begann 1997 als kleines Start-up den Verleih von DVDs via Post und Internet - und hat sich seither zu einer der erfolgreichsten Firmen des Landes gemausert.

Das Unternehmen scheint der Rezession zu trotzen, ja sogar noch davon zu profitieren. Im jüngsten Quartal - dem ersten, in dem die USA-Konjunktur wirklich abzuschmieren begann - stieg der Umsatz um 19 Prozent auf fast 350 Millionen Dollar. Und das bei einem Gewinn von 38 Cent pro Aktie (Vorjahr: 23 Cent).

In sechs der sieben jüngsten Quartale hat Netflix die Analystenerwartungen übertroffen. Umsatz und Gewinn sind exponentiell gestiegen - allein im vierten Quartal 2008 mehr als in den ersten drei Quartalen zusammen. Für 2009 prognostiziert sich Netflix Umsätze von rund 1,6 Milliarden Dollar (2008: 1,4 Milliarden Dollar).

Auch die Netflix-Aktie freut die Anleger: Sie hat in den vergangenen drei Rezessionsmonaten um 49 Prozent zugelegt, auf zuletzt fast 38 Dollar - der Dow-Jones-Index Chart zeigen hat in dieser Zeit ein Viertel eingebüßt und der Nasdaq-Index Chart zeigen, in dem Netflix gelistet ist, mehr als 15 Prozent.

Netflix' Geheimrezept ist sein Geschäftsmodell. Der Abonnent zahlt eine Monatsgebühr (ab 8,99 Dollar), die billiger ist als ein Kinobesuch. Dafür kann er sich aus dem Online-Katalog von Netflix mit mehr als 100.000 Titeln - Filme und zunehmend auch populäre TV-Shows - eine Wunschliste basteln. Netflix schickt ihm dann je eine DVD per Post zu. Oder mehrere, bei höheren Gebühren. Diese kann der Kunde beliebig lang behalten, anders als zum Beispiel beim traditionellen Videoverleih Blockbuster, der Überziehungsgebühren verlangt. Den jeweils nächsten Film gibt es gegen die Rückgabe des zuletzt geliehenen, und das alles per Freiporto.

Dieses simple Verfahren (Werbeslogan: "Vergiss das Drama beim Leihen") ist geradezu zugeschnitten auf Zeiten, da die Amerikaner sparen müssen. Andere US-Firmen verlieren Kunden, dieses gewinnt sie: Alle drei Monate kommen im Schnitt 718.000 neue "Netflixer" hinzu. Sie ziehen das Heimkino dem immer teureren Filmpalast vor - eine Kinokarte kostet in Manhattan derzeit mindestens 12,50 Dollar.

Im Februar verbuchte Netflix mehr als zehn Millionen Abonnenten. 600.000 davon sind erst seit Jahresbeginn dabei. Landesweit besitzt der Verleih inzwischen rund 100 "shipping points", von denen aus er seine Filme innerhalb eines Tages versenden kann - bei einer Rate von 1,9 Millionen DVDs pro Tag.

Für Filmliebhaber besonders attraktiv: Netflix bietet auch eine wachsende Kollektion aus Dokumentar-, Independent- und Auslandsfilmen, die sonst in den USA nur schwer erhältlich sind.

Darüber hinaus gibt es eine "Watch Instantly"-Option - Abonnenten können Filme auch per Computer, TiVo, XBox oder Blu-Ray-Player gucken. Ein Projekt, das Netflix als Antwort auf Apples iTunes-Filmservice entwickelt hat. Alle großen Hollywood-Studios sind bei dem Web-Dienst vertreten, unter anderem NBC Universal, MGM, 20th Century Fox, CBS/Paramount, ABC-Disney und Warner Brothers, ebenso der populäre Pay-TV-Kanal Starz.

Das Unternehmen hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich, seit Software-Pionier Reed Hastings Netflix vor zwölf Jahren gemeinsam mit Marc Randolph als typisches Silicon-Valley-Start-up gegründet hat. Im Mai 2002 wagte Netflix den Börsengang an die Nasdaq. Den ersten Gewinn (6,5 Millionen Dollar) verbuchte es nach anfänglichen Problemen im Geschäftsjahr 2003. Hastings ist bis heute Vorstandschef und Chairman.

Bekannt ist das Unternehmen für seine arbeitnehmerfreundliche Kultur. Netflix-Angestellte haben unbefristeten Urlaub und können ihr Gehalt in Aktienoptionen beziehen. Der Branchen-Dinosaurier Blockbuster Chart zeigen dagegen ist zwar mit seinen 7830 Läden (fast ein Drittel davon außerhalb der USA) weiter der weltgrößte Video-Verleih, aber durch die Rezession und die technologische Entwicklung in Richtung Internet schwer ins Straucheln gekommen.

Die Blockbuster-Aktie hat über die vergangenen zwölf Monate rund 90 Prozent ihres Werts verloren und war am Freitag nicht mal 40 Cent wert (vor einem Jahr: 2,73 Dollar). Schon seit Ende 2004 versucht der texanische Konzern ebenfalls im Digitalmarkt Fuß zu fassen. Trotzdem hatte er 2007 - im letzten bisher gemeldeten Geschäftsjahr - gerade mal rund zwei Millionen Online-Abonnenten. Im dritten Quartal 2008 sank der Blockbuster-Umsatz um 2,7 Prozent auf 33,6 Milliarden Dollar. Die Ergebnisse fürs vierte Quartal 2008 sowie das Gesamtjahr gibt Blockbuster erst am Donnerstag kommender Woche bekannt.

Blockbuster erstickt in Hunderten Millionen Dollar Schulden - ein Problem, das in dem verschärften Kreditklima schon vielen anderen zum Verhängnis geworden ist. Seit Wochen dementiert das Unternehmen Meldungen, es stehe vor der Insolvenz. Das "Wall Street Journal" berichtete in der vergangenen Woche, Blockbuster habe die prominente Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis und die Investmentbank Rothschild angeheuert, um seine Schuldenlage in den Griff zu bekommen.

Eine Blockbuster-Pleite würde nicht nur Netflix zu Gute kommen. Auch der Entertainment-Gigant Disney drängt ins Online-Filmgeschäft - und orientiert sich dabei am Netflix-Modell. Disney-Chef Bob Iger kündigte Ende Februar an, Abonnenten sollten bald "per Post oder über den Onlineversand Zugang zu Disneys massivem Film- und TV-Archiv erhalten". Mit diesem Schritt würde Disney den lästigen Verleih als Mittelsmann zum Kunden ausschalten, ob er nun Blockbuster, Apples iTunes oder eben auch Netflix heißt.

Aber keine Sorge, beruhigt Julia Boorstin von CNBC: "Netflix wird auch weiter die Zukunft im Heim-Videomarkt darstellen." Schließlich gibt es Disneys Hits dort immer noch am billigsten.

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insgesamt 19 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.03.2009 von DJ Doena:

Die Zollgebühr ist aber nur der berühmte Tropfen. Beispiel Warenwert (DVDs) 93€, Versand 7€. Vor dem 01.12.09: (100€ + 3,5%) + 19% = 123,17€ Seit dem 01.12.09: 100€ + 19% = 119€ mehr...

10.03.2009 von architekt?: ...

Die Freigrenze für die Zollgebühr, oft verwechselt mit der Einfuhrumsatzsteuer, wurde im Dezember ja schon auf 150€ angehoben. Vielleicht ein erster Schritt in diese Richtung. mehr...

09.03.2009 von hansxxl: ;-)

Sie können diese Filme(und Spiele) beispielsweise bei einem Versandhandel in Österreich bestellen. Einmal die Woche fährt der Händler nach Deutschland und verschickt dann per Post die ganzen Filme(und Spiele)... mehr...

09.03.2009 von Bernd3XL: Applaus

Hierzulande muß man sich mit dem Postidentverfahren rumärgern. Wenn ich DVDs will, die wirklich ungekürzt (zensiert) will, kaufe ich die in Österreich. Ein Anbieter karrt die über die Grenze und schickt die hier ab. Ansonsten [...] mehr...

09.03.2009 von TheDuffman:

Das gleiche gilt in Dt. aber auch für USK/FSK18-Artikel. Indizierte Titel dürfen darüber hinaus auch nicht beworben werden. Ansonsten dürfen nicht gekennzeichnete Medien nur von Erwachsenen erworben werden. Im Zweifel muss man [...] mehr...

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