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13.03.2009
 

Öko-Boom

Billig-Solarzellen revolutionieren Strombranche

Von Anselm Waldermann

2. Teil: Ökobranche rechnet eigene Erfolge klein

Das Paradoxe daran: Die offiziellen Vertreter der Ökobranche wollen von dem Solarboom nichts wissen. Im Gegenteil: Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) bemühte sich im vergangenen Jahr, die Erfolge kleinzurechnen. Als die Große Koalition an einer Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes arbeitete, bezifferten die Lobbyisten den jährlichen Zubau von Solaranlagen auf weniger als 0,7 Gigawatt.

Beobachter vermuten dahinter bewusste Taktik: Denn je mehr Solaranlagen ans Netz gehen, desto mehr Öko-Umlage müssen die Stromkunden zahlen - und das ist politisch nicht gewollt. Ohnehin erwartet das Bundesumweltministerium Solarkosten von 44 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020, Experten rechnen sogar mit noch mehr.

Mittlerweile ist die EEG-Novelle verabschiedet - und nun kommt die Wahrheit ans Licht. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), zu dessen Mitgliedern auch der BSW gehört, prognostiziert plötzlich einen Zubau von 1,5 Gigawatt pro Jahr. Das heißt: Die Kosten der Solarenergie werden viel höher als zunächst angegeben.

Der BEE erklärt die neuen Daten mit einer Aktualisierung durch den BSW. Der BSW wiederum wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keine eigene Zubauprognose abgeben. Der Verband teilte lediglich mit, dass über den künftigen Ausbau der Solarenergie "breiter gesellschaftlicher Konsens" bestehe.

Die geänderten Zahlen spiegeln sich auch in der Statistik des Bundesumweltministeriums wider, die vor allem auf Daten der Branchenverbände basiert. So mussten die Ministerialen die Angaben für den Solarzubau 2008 und 2009 deutlich korrigieren: Im Vergleich zur bisherigen Prognose wurden sie mehr als verdoppelt (siehe Tabelle).

Zubau von Solaranlagen in Deutschland in Megawatt
Prognose aus dem Jahr 2007 Prognose aus dem Jahr 2008
2008 600 1250
2009 580 1300
2010 559 1199
2011 539 1148
2012 518 1098
2013 497 1047
2014 496 1016
2015 496 996
2016 492 992
2017 488 988
2018 491 991
2019 517 987
2020 578 958
Quelle: Bundesumweltministerium

Auch in Zukunft werden die Daten wohl nach oben geändert. Bisher erwartet das Umweltministerium, dass ab 2010 jährlich weniger Solaranlagen ans Netz gehen. Angesichts der hohen Nachfrage dürfte das Gegenteil richtig sein.

Selbst die Grünen denken um

Pikant dabei: Die sinkenden Modulpreise kommen nur den Anlagenbetreibern zugute. Für die Stromkunden hingegen wird das Marktwachstum teuer. Der Grund ist die gesetzlich festgelegte Vergütung für Solarenergie: Die Verbraucher müssen die Kosten für jede neue Anlage tragen.

Auf politischer Ebene findet deshalb ein Umdenken statt. Als das Erneuerbare-Energien-Gesetz im vergangenen Jahr modifiziert wurde, machten ausgerechnet die Grünen einen interessanten Vorschlag: "Man sollte das EEG an das Marktwachstum anpassen", sagte der Energieexperte der Partei, Hans-Josef Fell. "Wenn der Markt schrumpft, darf die Vergütung für Ökostrom nicht fallen." Das gleiche Prinzip sollte aber auch im Umkehrschluss gelten: "Bei starkem Marktwachstum muss die Vergütung sinken."

Die Regelung hätte einen entscheidenden Vorteil: Die üppigen Subventionen würden Solarstrom nicht mehr künstlich teuer halten.

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