Wirtschaft



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12.03.2009
 

"Forbes"-Liste

Superreiche der Welt verlieren ein Viertel ihres Vermögens

Die Krise erwischt sie nicht so hart wie den Rest der Welt - aber auch die Superreichen verlieren enorm an Vermögen. Die neue "Forbes"-Liste der globalen Milliardäre ist um ein Drittel kürzer, und wer darauf steht, ist heute im Schnitt um ein Viertel ärmer als vor einem Jahr. Auf Platz eins: Bill Gates.

New York - 1125 Milliardäre zählte das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" vor einem Jahr - jetzt sind es 793. Im Schnitt hatten sie noch drei Milliarden Euro Vermögen. Das sind satte 23 Prozent weniger als 2008.

Die Zahlen belegen: Die globale Krise erwischt auch die Superreichen. Jeder einzelne von ihnen hat binnen zwölf Monaten große Teile seines Vermögens verloren. Viele Aufsteiger der vergangenen Jahre aus Russland und Asien sind von der Spitze der "Forbes"-Liste wieder verschwunden - Milliardäre aus den USA und Europa übernehmen wieder die Führung.

Microsoft-Gründer Bill Gates ist wieder der reichste Mensch der Welt, wie schon in den 13 Jahren vor 2008. 40 Milliarden Dollar Vermögen hat er laut "Forbes" (umgerechnet etwa 31,3 Milliarden Euro) - das sind satte 18 Milliarden Dollar minus.

Im vergangenen Jahr hatte sich erst sein guter Freund, US-Investor Warren Buffett, an die Spitze geschoben, später nach einer kurzfristigen Zwischenaktualisierung der Mexikaner Carlos Slim. Auf Platz zwei der aktuellen Liste ist jetzt Buffet mit 37 Milliarden Dollar, auf Platz drei Slim mit 35 Milliarden Dollar - bei beiden werden die Verluste im vergangenen Jahr jeweils auf 25 Milliarden Dollar geschätzt.


Der einzige unter den 20 reichsten Menschen der Welt, der keine Verluste machte, war der New Yorker Bürgermeister und Finanznachrichtendienst-Besitzer Michael Bloomberg.

In die Top Ten der Superreichen schafften es diesmal beide Aldi-Brüder. Karl Albrecht, 89, wird auf 21,5 Milliarden Dollar Vermögen geschätzt (Platz 6), sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theo Albrecht auf 18,8 Milliarden Dollar (Platz 9).

Der jüngste Milliardär auf der berühmten Liste ist ein Deutscher: Der 25-jährige Albert von Thurn und Taxis wird auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt. Der Sohn von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis steht seit seinem achten Lebensjahr auf der jährlich erscheinenden "Forbes"-Liste. Aber erst mit seinem 18. Geburtstag 2001 erbte der Rennfahrer das Familienvermögen.

Der reichste Europäer auf der Liste ist Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Das Vermögen des Schwedens und seiner Familie wird auf 22 Milliarden Dollar geschätzt. Dies reicht für Platz fünf der Liste. Unter den 25 reichsten Europäern ist auch die Erbin der Industriellendynastie Quandt, Susanne Klatten, die wegen der Erpressung durch einen Ex-Liebhaber in die Schlagzeilen geriet.

"Die wichtigste Nachricht heute ist, dass wir noch hier sind und dass es noch immer Milliardäre gibt", sagte "Forbes"-Vizechefin Monie Begley in New York. Das Magazin führt insgesamt 793 Milliardäre auf - mit einem geschätzten Vermögen von 2,4 Billionen Dollar. Im Vorjahr hatte das Gesamtvermögen der Milliardäre weltweit mit 4,4 Billionen Dollar noch zwei Billionen Dollar mehr betragen. Damals gab es auch noch deutlich mehr Milliardäre: laut "Forbes" insgesamt 1125.

New York als Stadt der Milliardäre

Zehn der 20 reichsten Menschen der Welt kommen aus den USA. New York ist in diesem Jahr wieder die Stadt mit den meisten Milliardären (55), im Vorjahr war es noch die russische Hauptstadt Moskau. Die britische Hauptstadt London schaffte es diesmal mit 28 Milliardären auf Platz zwei, Moskau mit 27 auf Platz drei.

Russland verlor im Zuge der Finanzkrise fast zwei Drittel seiner Milliardäre. Nach 87 im Vorjahr sind es 2009 nur noch 32. Kein einziger Russe schaffte es in die Top 20 der reichsten Menschen der Welt, 2008 waren es noch vier gewesen.

Auch in Indien wurden die Superreichen weniger: Nach 53 Milliardären im Vorjahr waren es in diesem Jahr nur noch 24. Der Stahlproduzent Lakshmi Mittal war nur einer von zwei Indern, die es in diesem Jahr in die Top 20 schafften.

Auf der Liste findet sich auch der mexikanische Drogenbaron Joaquin Guzman. Er gilt als der mächtigste Boss mexikanischer Drogenkartelle. Seit seiner Flucht aus einem Gefängnis vor acht Jahren ist er untergetaucht. "Forbes"-Redakteurin Luisa Kroll sagte: "Leider konnte Guzman nicht für eine Stellungnahme erreicht werden." Guzman ist wegen Bestechung zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden, aber bisher nie wegen Rauschgifthandels belangt worden. "Forbes" schätzt, dass der 54-Jährige aus Geldwäsche mindestens eine Milliarde Dollar angehäuft habe. Das sei eine sehr vorsichtige Schätzung, sagte Kroll.

Guzman ist nicht der erste südamerikanische Drogenbaron auf der "Forbes"-Liste: Der kolumbianische Kokainschmuggler Pablo Escobar wurde bis zu seinem Tod in einer Schießerei 1993 auch als offizieller Superreicher geführt.

hen/AFP/AP

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