Detroit/Toronto - Die Aufregung war groß. Als kürzlich bekannt wurde, dass General Motors die Opel-Patente im Gegenzug für gewährte Finanzhilfen an die US-Regierung weitergereicht haben soll, wurden Zweifel an der Sanierbarkeit des Unternehmens laut - jetzt steuert GM gegen. Ein Konzernsprecher sagte der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires, alle Rechte geistigen Eigentums würden Opel beziehungsweise der britischen Schwestermarke Vauxhall und damit einem neuen Eigentümer zur Verfügung stehen.

Opel-Produktion: GM bekräftigt Absicht zum Verkauf einer Mehrheit
Alle Rechte lägen bei dem in den USA ansässigen Tochterunternehmen Global Technology Organization. Der GM-Sprecher wollte allerdings nicht kommentieren, ob GM irgendwelche Patente der US-Regierung zur Verfügung gestellt habe. Er sicherte nur zu, dass jeder neue Mehrheitseigner von Opel vollen Zugang zu den Rechten geistigen Eigentums erhalten werde.
Die Europasparte von GM mit Opel und Vauxhall ist ähnlich wie der Mutterkonzern in Liquiditätsnöten. Um staatliche Hilfe unter anderem von Deutschland zu erhalten, hat GM-Spitzenmanager Fritz Henderson in der vergangenen Woche die Absicht bekundet, die Mehrheit an Opel und Vauxhall zu verkaufen.
Noch hat sich allerdings kein Interessent gefunden, der in der Lage wäre, die notwendige Summe für die Übernahme einer Mehrheit aufzubringen. Derzeit bemühen sich die Opel-Vertraghändler, eine Beteiligung von 20 Prozent an dem Krisenunternehmen zusammenzusammeln. Auch Mitarbeiter sollen Anteilsscheine erhalten. Den Plänen nach dürfte es aber einige Jahre dauern, bis das notwendige Kapital bereit steht. Experten halten die Initiative denn auch für wenig realistisch.
In Kanada hat General Motors unterdessen einen wichtige Hürde auf dem Weg zu weiterer staatlicher Unterstützung genommen. Die in der kanadischen Autoarbeitergewerkschaft CAW organisierten Mitglieder des krisengeschüttelten US-Autoherstellers segneten in einer Urabstimmung einen massiven Kostensenkungsplan ab. 87 Prozent der rund zehntausend Mitglieder stimmten der am Wochenende erzielten Vereinbarung zu, mit der ihre Löhne und Pensionen eingefroren, die jährliche Bonuszahlung gestrichen und bezahlter Urlaub um eine Woche gekürzt wird.
Im Gegenzug verpflichtet sich GM, 20 Prozent seiner nordamerikanischen Belegschaft in Kanada zu halten. "Diese Änderungen sind schwierig für unsere Mitglieder und Rentner, aber die CAW-Mitglieder und GM stimmen darin überein, dass dies unter den gegebenen Umständen die beste Alternative ist", sagte der CAW-Präsident, Ken Lewenza, am Mittwoch. Der Kostensenkungsplan ist Voraussetzung für weitere Hilfen der kanadischen Regierung. General Motors hat erklärt, ohne staatliche Hilfen in den USA und Kanada drohe dem Autohersteller der Bankrott.
mik/ddp/AP/Dow Jones
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Krise der Autoindustrie 2008/09 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH