Aus San Francisco berichtet Stefan Schultz
Auch im Bereich der Risiko-Investments steigt das Interesse am schlauen Stromnetz. Venture Capitalists, hoch spezialisierte Branchenkenner, investierten 2008 laut "
Greentech Media" gut 701,5 Millionen Dollar in Smart-Grid-Startups. Zum Jahresende machten die Investments schon knapp neun Prozent des insgesamt acht Milliarden Dollar schweren Risikokapitals aus, das im vergangenen Jahr in grüne Technologien geflossen ist. Das schlaue Stromnetz ist damit hinter der Solarindustrie der zweitwichtigste Sektor für Investoren.
Begünstigt wird der Aufstieg ausgerechnet durch die Finanzkrise, denn die trifft die Ökokonkurrenz mit Wucht: Durchstarter wie die Solarfirma Ausra mussten plötzlich ihren Börsengang abblasen, ehrgeizige Projekte einfrieren und Mitarbeiter feuern. Einer aktuellen KPMG-Studie zufolge rechnet die Green-Tech-Branche 2009 zwar insgesamt noch mit leicht steigenden Investments - aber nicht mehr mit so bombastischen Zuwachsraten wie in den vergangenen Jahren.
Das Konjunkturpaket stellt Milliarden zur Verfügung
"Der Green-Tech-Sektor ist derzeit paralysiert", sagt IBM-Strategiechef Clark, der weltweit mit über 120 Venture Capitalists (VCs) zusammenarbeitet. "Das schlaue Stromnetz ist einer der wenigen Märkte, die auch in der Krise noch beachtlich zulegen."
Auch Philip Bane, Geschäftsführer von GlobalSmartEnergy, einer Firma, die Konzerne und Regierungsfonds bei Anlagen im Green-Tech-Sektor berät, hält das intelligente Stromnetz für den nächsten großen Boom-Markt. "Der Fokus wird bald nicht mehr auf der günstigen Erzeugung von Strom liegen, sondern auf der Verbesserung der Energie-Infrastruktur", sagt er. "Greentech Media"-Chef Kanellos prognostiziert sogar, das Smart Grid werde mittelfristig den Solarmarkt überflügeln.
Tatsächlich gibt es einige Indikatoren, die auf das Entstehen eines neuen Boom-Markts hindeuten:
Den größten Boom dürfte der Markt erleben, wenn er auf den Endverbraucher überschwappt. Dieser müsste dazu aber erst einmal sein Eigenheim mit intelligenten Stromzählern ausrüsten lassen, über die seine elektrischen Geräte mit dem Stromnetz kommunizieren können. Und das dürfte nur attraktiv sein, wenn aus einer solchen Anschaffung ein sichtbarer Nutzen entsteht - sprich: die Stromrechnung deutlich sinkt.
Das aber ist höchstwahrscheinlich der Fall. Das renommierte Electric Power Research Institute hat in einer Studie berechnet, dass der Energiebedarf massiv sinken würde, wenn Firmen und Privatkunden ihren Verbrauch genauer regulieren. In den USA könnten die CO2-Emissionen durch ein flächendeckendes Smart Grid um zehn Prozent gesenkt werden - das hätte etwa denselben Effekt, wie wenn man 140 Millionen Autos von der Straße entfernt.
Auch der Wille zu mehr Kontrolle ist laut einer Studie des Tech-Riesen IBM vorhanden. 6000 Verbraucher in zwölf Ländern wurden befragt - 90 Prozent der Studienteilnehmer würden es begrüßen, mittels intelligenter Stromzähler mehr Kontrolle über den eigenen Verbrauch zu gewinnen.
Nach Meinung der Firma Silver Spring Networks, die an der Umstellung auf solche Zähler besonders stark verdienen würde, hat das Internet die Nutzerbedürfnisse auch auf dem Strommarkt verändert. "Menschen können heute im Internet Autos kaufen", sagt Marketingchefin Magnuson. "Sie sind es zu Recht leid, dass ihre einzige Kontrollmöglichkeit über den eigenen Energieverbrauch das An- und Ausschalten von Geräten ist."
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