Aus Tutzing berichtet Sebastian Fischer
Er ist der Vorstandsvorsitzende der mächtigsten deutschen Bank. Bei vielen Menschen im Land gilt er als Verkörperung kapitalistischer Kälte, als arroganter Machtmensch mit völlig überzogenen Renditezielen. Vor ein paar Monaten gestanden ihm nur fünf Prozent der Befragten in einer SPIEGEL-Umfrage zu, dass er sich auch dem Wohl des Landes verpflichtet fühlt.
Das ist Josef Ackermann, in der Außenperspektive. Unvergessen sein Victory-Zeichen samt breitem Grinsen im Prozess um die Millionenabfindungen für die Mannesmann-Vorstände im Jahr 2004 - untermalt von der späteren Ansage, Deutschland sei das "einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden".
Das Selbstbild des Josef Ackermann ist ein ganz anderes. Er tut das, was Deutschbanker tun müssen: Er stellt den Gewinn ins Zentrum seines Wirkens, er ist erfolgreich. Er hat zudem Sinn für Kultur, die Deutsche Bank steckt 85 Millionen Euro jährlich in sogenannte "philantropische Aktivitäten". Seit Ackermann an ihrer Spitze steht, spielt sie ganz oben mit. Die Finanzkrise hat ihr bisher kaum schaden können, trotzdem hat sich ihr Vorstand zuletzt Boni in Höhe von 14 Millionen Euro für 2008 versagt, allein fünf Millionen davon wären an Ackermann gegangen.
Zwei Perspektiven, zwei Welten.
Am Sonntag taucht Josef Ackermann in Tutzing am Starnberger See auf, wie so oft gewandet in feines blaues Tuch, eine blaue Krawatte um den Hals. Er lächelt. Der Blick ins Tagesprogramm aber lässt an das Victory-Zeichen denken. Denn direkt nach dem Gottesdienst soll der Vorstandschef der Deutschen Bank tatsächlich zum Thema "Profit und Moral - ein Zielkonflikt?" sprechen. Wird er eine neue Provokation setzen?
Es kommt anders. "Wir müssen den Dialog pflegen", beginnt Josef Ackermann, denn "wir leben in verschiedenen Welten". Er wolle heute Persönliches sagen, seinen angekündigten Vortrag könne man sich auch nachher auf Papier mitnehmen. Im Publikum schauen sie ein bisschen verblüfft, dann lachen manche. Macht Ackermann jetzt beim Bundesharmoniewettbewerb "Versöhnen statt Spalten" mit? Will er jetzt vergangene Fingergestik aus der persönlichen Perspektive heraus einordnen?
Keineswegs. Ackermanns Konzilianz liegt im Ton, nicht im Inhalt. Über Wunschwelten könne man sich schnell einig werden, sagt er. Und bei weitem sei "nicht alles, was sich über die Jahrhunderte entwickelt hat, perfekt". Doch der Realist sticht den Träumer aus, natürlich hat er auch für die Tutzinger Akademie ökonomische Kampffloskeln parat. Die "andere Welt ist die reale", sagt Ackermann. Dort finde ein harter globaler Wettbewerb statt. Das ist Ackermanns Welt.
Natürlich könne man die Regeln für die Finanzbranche grundsätzlich ändern. So, wie man bei Fußball den Kontakt zu gegnerischen Spielern und Fouls verbieten könnte: "Wir hätten ein friedlicheres Spiel - aber Deutschland würde nicht wieder Weltmeister." Und Ackermann will das Spielfeld nicht verlassen.
Bitte um Verständnis
So verteidigt er entschieden sein vor Jahren ausgegebenes 25-Prozent-Rendite-Ziel. Dies hätten damals "die Besten in der Welt" geschafft. Zu denen wolle, ja müsse man gehören. Auch heute lägen die 25 Prozent für die Branche trotz Krise wieder in Reichweite. Er könne nicht aus Solidarität mit den Langsamen langsam laufen: "Wenn wir uns dieses Ziel nicht vorgenommen hätten, würde es die Deutsche Bank so heute nicht mehr geben." Denn der Aktienkurs hätte möglicherweise fallen, Mitbewerber die Bank übernehmen können.
Oder, fügt Ackermann mit Blick aufs Publikum hinzu, "wir wären auf Ihr Geld angewiesen". Er meint das Geld der Steuerzahler, die Staatshilfen. Im vergangenen Oktober hatte er vor Führungskräften seines Hauses gesagt: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden." Danach prasselte die öffentliche Empörung auf Ackermann nieder. Ein knappes halbes Jahr später am Starnberger See nimmt er das nicht zurück, äußert sich im Ton aber freundlicher.
Er sei stolz darauf, es ohne Hilfen zu schaffen. Gleichwohl sei es richtig, dass die Regierung auf eine "systemische Krise eine systemische Antwort" gegeben und etwa die Hypo Real Estate (HRE) gestützt habe: "Ich würde nie sagen, dass wir nicht dankbar sind für die ergriffenen Stabilisierungsmaßnahmen." Im Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft müsse nun darauf geachtet werden, dass das Pendel von einer "extremen liberalen Haltung" nicht zu weit in die staatliche Richtung gehe.
Ackermann spricht sich allerdings für engere Regeln, etwa eine gemeinsame europäische Finanzaufsicht aus. So gibt er den freundlichen, von sich überzeugten Manager. Und bittet am Schluss noch höflichst um etwas Verständnis für die Banker, um eine "differenziertere, ein bisschen mildere, vielleicht ein bisschen christlichere Vorgehensweise". Er lächelt. Die sanfte Provokation verpufft im Saal. Man applaudiert.
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Steuerklasse 1 = 119€ Steuer bei 1500 brutto. Das entspricht gerade einmal 7,5% Steuern. Zu viel? Steuerklasse III = 0 € Zu viel? Ich glaube nicht dass die Besteuerung niedriger Einkommen unser Problem darstellt, die [...] mehr...
Es wäre dringlichst geboten, dass sich einige herrschaften hier mal mit dem deutschen Steuerrecht zumindest in seinen basics vertraut machen. Es kann doch nicht sein, dass man hier zwar ständig mitreden möchte, aber nicht einmal [...] mehr...
80% Steuer halte selbst ich für übertrieben, obwohl ich der Meinung bin, man sollte höhere Einkommen stärker besteuern, jedoch nicht auf Basis eines prozentualen Abschlags allein. Das Problem dabei: Jemand, der 1500,- [...] mehr...
Es ist eine höchst fragwürdige Diskussion, die einige Politiker und einige Gewerkschaftsfunktionäre anstellen. Man will das Einkommen deckeln und gleichzeitig bis zu 80 % Steuer verlangen. Wer also nur eine Million Euro verdienen [...] mehr...
Genau. Ich stimme dem Beitrag voll zu, weil ich ebenfalls glaube, dass die Diskussion von der eigentlichen Problematik, nämlich der ungleichen Verteilung des Vermögens, ablenkt. Die Idee, die Managergehälter zu beschränken, ist [...] mehr...
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