Halle - Die Prognosen für einen Einbruch der deutschen Wirtschaft nähern sich der Fünf-Prozent-Marke. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) senkte seine Vorhersage auf ein Minus von 4,8 Prozent - im Dezember hatten die Forscher nur ein Schrumpfen von 1,9 Prozent prognostiziert. Der Einbruch des Welthandels sei stärker als bislang erwartet, teilte das IWH am Dienstag mit. Dies treffe die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich.
Maschinenbau: IWH-Forscher korrigieren Prognose deutlich nach unten
Die Forscher äußerten sich damit pessimistischer als andere Experten und Institute: Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hatte vergangene Woche einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,7 Prozent vorhergesagt, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet sogar mit einem Schrumpfen des BIP um 3,8 Prozent.
"Der auf Investitionsgüter ausgerichtete Handel bekommt die ganze Wucht vom weltweiten Abbruch des langjährigen Globalisierungsbooms zu spüren", teilte das IWH mit. Wegen der Nachfrageflaute würden die Firmen ihre Ausgaben einschränken und etwa 14 Prozent weniger in Maschinen und Anlagen investieren, heißt es in der Prognose. Die Exporte dürften sogar um 18 Prozent einbrechen.
Der Arbeitsmarkt könnte vorerst etwas verschont bleiben, da die Kurzarbeit noch abfedernd wirke. Bei Kurzarbeitern werde zunächst der Höchststand von 1,8 Millionen erreicht. Danach werde diese Zahl wegen der anhaltenden Belastung für die Firmen aber sinken und die Arbeitslosigkeit zugleich stark anziehen. "Ende 2010 werden nur noch 39 Millionen Personen beschäftigt und 4,5 Millionen als Arbeitslose registriert sein", erklärten die Hallenser Forscher. Das seien etwa so viele Erwerbstätige und Arbeitslose wie vor dem vergangenen Aufschwung.
Für 2010 geht das IWH von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,2 Prozent aus. Impulse aus dem Ausland erwarten die Fachleute vorerst keine. "Die Weltwirtschaft befindet sich gegenwärtig in ihrer tiefsten Konjunkturkrise seit der Großen Depression im vergangenen Jahrhundert."
Börsenexperten hoffen auf Ende der Talfahrt im Sommer
Börsenexperten hatte zuvor mit etwas mehr Optimismus in die Zukunft geblickt: Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) verkündete am Dienstag eine positivere Konjunkturerwartung als zuvor erwartet. "Die Lage ist außerordentlich schlecht, aber es gibt erste Lichtblicke", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz in Mannheim. "Nach den Einschätzungen der Finanzmarktexperten geht die Talfahrt der Konjunktur allmählich zu Ende, und die Talsohle dürfte im Sommer dieses Jahres erreicht sein", fügte er hinzu.
Der sogenannte ZEW-Index erhöhte sich im März um 2,3 Punkte und liege nun bei minus 3,5 Punkten nach minus 5,8 Punkten im Vormonat, wie die Forscher mitteilten. Dies ist der höchste Stand seit August 2007. Damit stiegen die Konjunkturerwartungen den fünften Monat in Folge.
Die Prognosen waren im Vorfeld weit auseinander gegangen: Manche Experten hatten für den Index mit einer noch stärkeren Verbesserung auf minus 2,8 Punkte gerechnet. Andere Ökonomen hatten im Schnitt einen Rückgang auf minus 7,4 Punkte vorausgesagt. Der historische Mittelwert liegt mit plus 26,2 Punkten allerdings deutlich höher.
Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt.
cte/kaz/Reuters/AP/ddp/dpa-AFX
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