Washington - Die US-Regierung ist empört über die Auszahlung von Millionen-Boni beim strauchelnden Versicherer AIG und will das Geld mit allen Mitteln zurückholen. Dafür will das Finanzministerium eine Anfang des Monats zugesagte Geldspritze über 30 Milliarden Dollar an AIG überarbeiten.
Führende Politiker erklärten am Dienstag, notfalls eine auf die Boni-Profiteure zugeschnittene Sondersteuer einführen zu wollen. Laut New Yorker Staatsanwaltschaft erhielten 73 AIG-Manager einen Bonus von mindestens einer Million Dollar. Die Höchstprämie betrug über sechs Millionen. Insgesamt seien mehr als 160 Millionen Dollar (123 Millionen Euro) geflossen, alleine 42 Millionen Dollar an die zehn meistbedachten Manager.
Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo erklärte in einem Brief an den Abgeordneten Barney Frank, dass 73 AIG-Mitarbeiter Boni von einer Million Dollar oder mehr erhielten. Elf arbeiteten inzwischen nicht mehr bei AIG. Die zehn höchsten AIG-Prämien zusammen beliefen sich auf 42 Millionen Dollar. Cuomo kündigte an, die Rechtmäßigkeit dieser Zahlungen zu überprüfen.
Nach einer am Dienstag in das Repräsentantenhaus eingebrachten Gesetzesvorlage wäre eine 60-prozentige Sondersteuer für alle Boni über 10.000 Dollar fällig - und zwar bei Firmen, an denen die Regierung mit mindestens 79 Prozent beteiligt ist. AIG ist die einzige Firma, bei der die Regelung derzeit greifen würde, erklärte der demokratische Initiator der Vorlage, Gary Peters. Der Vorsitzende des Finanzausschusses im Senat, Max Baucus, erklärte ebenfalls, er wolle die Boni notfalls über die Steuergesetzgebung zurückholen. "Das Land ist sauer und ich bin sauer", sagte Baucus.
Wie erbost die Politiker über die Boni sind, unterstreichen auch Äußerungen des wichtigsten Republikaners im Finanzausschuss, Charles Grassley: Einem Radiosender in Iowa sagte Grassley, die wegen Bonuszahlungen heftig in die Kritik geratenen Manager würden in seinem Ansehen steigen, wenn sie dem japanischen Beispiel folgten und sich öffentlich mit einer tiefen Verbeugung entschuldigten. "Danach sollten sie eines von zwei Dingen tun: Zurücktreten oder Selbstmord begehen."
AIG-Verwaltungsratschef Edward Liddy hatte am Samstag in einem Brief an US-Finanzminister Timothy Geithner eine Reform des Bonus-Systems versprochen. AIG sei jedoch rechtlich zur Zahlung der bereits zugesagten Prämien verpflichtet. Liddy wurde für Mittwoch zu einer Anhörung im Kongress erwartet.
cte/Reuters/AFP
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