Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Goings Leidenschaft für sein Plastikgeschirr ist gelebt. Er verbreitet seit Jahren unermüdlich, dass er auf einem Foto vom Frühstückstisch der Queen Tupperware entdeckt hat und hat unzählige Geschichten auf Lager, die den Eindruck erwecken, jeder Mensch unterhalte sich regelmäßig über Aufbewahrungsboxen und Mikrowellenbüchsen.
"Eine Fernseh-Produzentin erzählte mir neulich, bei ihrer Mutter hätte es gebrannt - und am meisten habe sie über die verlorene Tupperware gejammert", sagt Goings. Dann berichtet er begeistert von dem russischen Journalisten, den er jüngst traf: Der Mann konnte demnach gar nicht glauben, wie gut ein Tupperware-Eiskugelformer die Hitze behält, nachdem man ihn in heißes Wasser getunkt hat. "Er sagte: Was für eine großartige Idee. Und fragte dann, ob er ihn behalten kann", sagt Goings und lacht herzlich wie über einen guten Witz.
Es wundert kaum, dass die ausuferndsten Tupper-Feste bei ihm zu Hause stattfinden. Plastikgeschirr im Wert von 4000 Dollar hat der 62-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Susan den Gästen das letzte Mal bei einer Charity-Veranstaltung aufgequatscht. Wer die beiden einmal erlebt hat, zweifelt keine Sekunde an diesem Erfolg. Sie wirken, als wären sie direkt einem Tupperware-Werbespot entstiegen.
Elf Jahre sind die Goings verheiratet - und turteln wie am ersten Tag. "Sie war früher Anchor-Woman bei einem Fernsehsender", sagt er mit unverhohlenem Stolz. Die gepflegte, blonde Frau zeigt ein strahlendes Lächeln und erklärt: "Ich wusste nach einem Monat, dass ich ihn heiraten würde."
Pfannkuchenschüssel als Erbstück
Dann erzählt sie voller Inbrunst von den neun Kindern, drei hat sie mit in die Ehe gebracht, sechs er - und von den Bergen von Tupperware, die sich bei einer solchen Großfamilie unweigerlich ansammeln. "Die Produkte werden von einer Generation an die nächste weitergereicht", setzt er daraufhin ein. Sie erzählt von der "tollen Pfannkuchenschüssel", die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Das Paar kabbelt sich kurz: "Wenn wir Pizza bestellen, zählt das für sie als kochen", witzelt er. Schon schwärmt sie wieder von den dreieckigen Pizza-Behältern, in der man die Reste portionsweise im Kühlschrank aufeinander stapeln kann.
Eigentlich ist Goings Frau das beste Beispiel, wie das Prinzip Tupperware funktioniert. Der Plastikwaren-Hersteller ist teuer - eine Gemüsereibe kann schon mal 30,90 Euro kosten, eine Isolierkanne 62,90 Euro. Dafür gibt es wohl wenige Handgriffe in der Küche, die das passende Tupper-Produkt nicht erleichtern könnte.
Der deutsche Großstädter kann seinen Cappuccino dank der Crema-Momenti-Kanne mit sattem Milchschaum versehen, die koreanische Hausfrau das traditionelle Kimtschi-Kraut in einer speziellen Schüssel aufbewahren, die auch den wegen des Fermentierungsprozesses nötigen Druckausgleich einfach macht. Es gibt Kasserollen, die aus dem gleichen Material sein sollen wie das Hitzeschild des Space Shuttle, Mikrowellengeschirr, über das Trucks rollen können, Tabletts mit speziellen Löchern für die Herstellung von Ravioli oder Windbeuteln. Und für alles gilt lebenslange Garantie.
Deshalb stellen sich selbst Party-Stammgäste wie Monika Wolf und die übrigen Gäste in Jossgrund immer neue Schüsseln und Boxen ins Regal. "Eigentlich hat man ja schon viel", sagt eine der Frauen beim Blättern im Katalog. Und bei so mancher Schüssel sei ihr der Preis dann doch zu hoch. Die anderen Frauen nicken. Und kaufen am Ende doch für mehrere hundert Euro ein.
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