Peking/Brüssel/Berlin - Der globale Abschwung setzt sich fort: Erstmals seit 60 Jahren wird die Weltkonjunktur nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2009 schrumpfen.
Autoexport: "Wir brauchen ein paar Lokomotiven"
OECD-Generalsekretär Gurría äußerte die Hoffnung, dass das Ende vergangenen Jahres angekündigte Konjunkturprogramm für China in Höhe von 586 Milliarden Dollar die Nachfrage im bevölkerungsreichsten Land der Erde ankurbeln und so die weltweite Krise mildern werde. Er wünsche, dass das Paket "so erfolgreich wie möglich" ausfallen werde, sagte Gurría. "Wir brauchen ein paar Lokomotiven - unsere alten sind alle in der Werkstatt."
Die düsteren Prognosen der OECD folgen auf entsprechende Aussagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Beide Institutionen hatten bereits vor einem Rückgang der Weltwirtschaft gewarnt.
Deutschland leidet unter Exportschwund
Auch in Deutschland ist ein Ende des Abschwungs nicht in Sicht. Die Konjunkturindikatoren zeigten mehrheitlich eine weitere Verschlechterung gegenüber dem vierten Quartal 2008 an, heißt es in dem am Freitag vorgelegten Monatsbericht des Finanzministeriums. Die Exporte gingen demnach massiv zurück, auf dem Arbeitsmarkt hinterlasse die Rezession immer deutlichere Spuren.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte ebenfalls vor der Gefahr einer längeren Rezession. "Solange wir den Boden noch nicht sehen können, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der "Bild"-Zeitung. "Die Gefahr, dass wir in eine längere Rezession rutschen, ist nicht völlig auszuschließen." Die Vorstellung, schnell aus der Krise herauszukommen, sei eine Illusion.
EU einigt sich auf Konjunkturprogramm
Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage forciert die EU ihre Maßnahmen gegen die Krise. Die Mitgliedstaaten haben sich nach monatelangem Ringen auf eine zusätzliche Konjunkturspritze von fünf Milliarden Euro geeinigt.
Wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstagabend mitteilte, sollen nur Maßnahmen finanziert werden, die noch 2009 oder 2010 realisiert werden. "Das ist ja nur vernünftig, weil dieses Geld die Konjunktur stimulieren soll", sagte Barroso. Ursprünglich war in dem von Barroso vorgelegten EU-Plan ein wesentlich längerer Zeitraum bis 2013 vorgesehen.
Einhellig lehnten die 27 EU-Staats- und Regierungschefs dagegen neue nationale Konjunkturpakete gegen die Krise ab. Barroso, Merkel und andere Politiker verwiesen auf die bereits beschlossenen 200 Milliarden Euro der Mitgliedstaaten.
suc/AFP/dpa-AFX/Reuters
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