Von Stefan Schultz, San Francisco
Wagniskapital aber ist für die meisten Start-ups unentbehrlich. Ohne Finanzspritze erreicht kaum ein Unternehmen jene kritische Größe, die es erlaubt, einen breiten Markt zu bedienen und an die Börse zu gehen. Das gilt besonders für Silicon-Valley-Firmen, in die traditionell gut ein Drittel des gesamten US-Wagniskapitals fließt.
Start-up-Gründer im Silicon Valley: "Kult des Kleinen"
Viele Geldgeber kämpfen derzeit ums pure Überleben. Jim Ellis, Wirtschaftsprofessor an der Stanford Graduate School of Business, rechnet mit einer Sterberate von 50 Prozent. Und Mark Heesen, Präsident der National Venture Capital Association, Amerikas größtem VC-Verband, spricht bereits von einem "darwinistischen Umbruch" in der Branche.
Konservatismus statt Casino-Mentalität
Die Folge dieses Umbruchs ist ein deutlicher Wandel in der Anlagestrategie. "Investoren sind erheblich konservativer geworden", sagt Ian Sobieski, Geschäftsführer der VC-Gruppe Band of Angels. "Ideen ohne Aussicht auf schnelle Rendite haben derzeit kaum eine Chance, finanziert zu werden." Navin Chaddha, Geschäftsführer des in der VC-Branche bekannten Mayfield Funds, hält den Markt für kostenintensive Projekte derzeit gar für "komplett zerstört".
Tatsächlich konzentrieren VCs ihre Investitionen immer mehr auf Software-Start-ups. Diese sind kostengünstiger als Firmen, die aufwendige Technik-Komponenten entwickeln. Und viele bedienen zudem einen Nischenmarkt, in dem sich mit dem richtigen Geschäftsmodell schnell Gewinne erzielen lassen.
Ohne Frage haben Unternehmen wie Facebook oder Twitter riesige Wachstumschancen. Eine Zukunftstechnologie, aus der ein neuer Milliardenmarkt entstehe, ist von ihnen aber nicht unbedingt zu erwarten.
Investitionen in einen völlig neuen Markt bleiben dagegen auf der Strecke. Selbst im Greentech-Sektor, der vielen als nächstes Boom-Segment gilt, sind Investitionen in komplexe, langfristig angelegte Projekte derzeit rar. Branchenkenner handeln dort gerade die Verbesserung des Stromnetzes (siehe Grafik) als kommenden großen Markt - und damit die Verwendung von Technologien, die seit Jahren weitgehend entwickelt sind.
Rückzug in die Garage
Abseits des Greentech-Sektors bleibt noch weniger Raum für Visionen. "Wer derzeit riskante Projekte anpackt, hat oft schon ein oder mehrere Start-ups erfolgreich gegründet - und finanziert die Verwirklichung neuer Visionen nun aus den eigenen Einnahmen", sagt Buch-Autorin Estrin.
Ein Beispiel für ein sich selbst finanzierendes Start-up ist Numenta. Dessen Gründer Jeff Hawkins war zuvor unter anderem an der Entwicklung des PalmPilot, einem der ersten Handheld-Computer, und des Treo, einem der ersten Smartphones, maßgeblich beteiligt.
Mit Numenta versucht der inzwischen gut situierte 51-Jährige nun, komplexe Denkprozesse des menschlichen Gehirns in mathematische Algorithmen abzubilden und diese via Computersoftware nutzbar zu machen. Sein Experiment zahlt er aus eigener Tasche. "Wir wollten erste Meilensteine erreichen, ehe wir auf VCs zugehen", sagt er.
Während Hawkins das Privileg genießt, eine aufwendige Technologie so lange selbst finanzieren zu können, bis sich mit einem Prototyp gegebenenfalls Investoren zum Einstieg bewegen lassen, bekommen kleinere Start-ups derzeit oft nur noch Geld von sogenannten "Vulture Capitalists" (zu Deutsch: Aasgeier, siehe Infobox).
Um einen solchen Deal zu vermeiden, unterziehen sich viele Start-ups einem sogenannten "bootstrapping": Sie sparen Kosten, wo immer möglich, feuern jeden entbehrlichen Mitarbeiter, schrauben ihre Ambitionen zurück und konzentrieren sich auf kurzfristige Gewinnmodelle.
"Wir erleben einen Kult des Kleinen, den Rückzug in die Garage", analysiert Glenn Kelman, Start-up-Experte des Immobilienfinanzierers Redfin. "Start-ups schrumpfen in der Krise zusammen und ändern ihre Geschäftsstrategie zum Teil nachhaltig."
"Business Week"-Reporter Hamm merkt an, dass aufwendige Forschungsprojekte bereits jetzt öfter in den Innovationsabteilungen von Konzernen wie IBM betrieben werden als in Start-ups. Ein wirklicher Ersatz sei das freilich nicht: Die meisten wirklich revolutionären Erfindungen gingen auf Start-ups zurück, da Konzerne ihre eigenen Produkte kaum selbst kannibalisieren.
Die Frage, über die Experten deshalb streiten, ist, ob sich der Strukturwandel auf dem Venture Capital/Start-up-Markt mit dem nächsten Aufschwung zurückdrehen lässt?
Im Silicon Valley ist man darüber geteilter Meinung. Nick Sturiale, General Partner beim Risikokapitalgeber Jafco Ventures, hält Start-up-Gründer für "Missionare, die ihre Visionen nicht so schnell aufgeben. Schwierige Finanzierung ist für sie nur ein zusätzliches Hindernis." Auch sein Kollege Sobieski glaubt, dass sich in der Rezession nur die Spreu vom Weizen trennt - und dass sich gute Ideen langfristig immer ihren Weg bahnen.
Steve Carnevale, Chef-VC bei Point Cypress Ventures, rechnet dagegen mit "substantiellen strukturellen Veränderungen" im VC-Markt. Den Boom der letzten Jahre hält er für eine Folge der allgemeinen Spekulationsblase im Immobiliensektor. Jetzt fürchtet er, dass mehr und mehr Großfonds ihre Risiko-Aktivitäten zurückschrauben - und dass die Menge des verfügbaren Venture Capitals um "60 bis 80 Prozent" sinkt.
Schrumpfende globale Bedeutung?
Die Folge dürfte sein, dass es für jeden einzelnen Innovator noch schwieriger wird, an Geld zu kommen - und dass VCs Start-ups für eine Finanzspritze immer härtere Konditionen zumuten können. Ob dieser Druck wirkliche Innovationen fördert und nicht kurzfristige Profit-Projekte, ist zu bezweifeln..
Mit einer Struktur, die nachhaltige Neuerungen eher behindert, riskiert das Silicon Valley aber seine Wettbewerbsfähigkeit auf zahlreichen Zukunftsmärkten. Denn die globale Kreativ-Konkurrenz verschärft sich. Europa und Asien entwickeln en masse Innovationen für den Mobilfunkmarkt, Japan prescht in Zukunftssektoren wie Display- und Nanotechnologie vor, und China und Indien gewinnen im Markt der Computer-Hard- und Software an Boden.
"Unsere Entwicklung dagegen ist in manchen dieser Bereiche flach", warnt Curtis Carlson, Chef des Stanford Research Institute, einem der weltweit größten Forschungszentren, gegenüber der "Business Week". "Also fallen wir zurück."
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kann mich nur dem tenor hier anschliessen, die welt hat nur auf web 2.0 gewartet und solcher gimmicks wie ajax und co.. ich mache diesen kram schon seit 1993 mit und sehe das netz aus einer anderen warte. the big freedom war [...] mehr...
Pfff...also das ist schon reichlich krank Irgendeinen Sinn muss das Ganze eben haben. Irgendwann wird sich herausstellen,dass die US-Thinktanks ursprünglich mal nicht so falsch waren, den Infohype unter die Kontrolle von [...] mehr...
Tach, Das Valley wurde schon öfters totgesagt jedoch sollte man dabei bedenken, dass es seit der HP-Garage 1934 alle Finanz- und Wirtschaftskrisen überstanden hat. Meine Erfahrung nach 5 Jahren in Santa Clara sagen mir, dass [...] mehr...
Brauchen ist relativ, hehe... "Auf über eine Milliarde schätzt das Beratungsunternehmen Gartner die Zahl der installierten Personalcomputer auf der Welt. Über die Hälfte (58 Prozent) davon laufen in den Industrieländern, [...] mehr...
Wer braucht schon Dinge wie den den Mikroprozessor (Intel 4004) oder den PC (Apple I) - auch den ganzen neuen Schnickschnack von Firmen wie HP, Netscape, Sun , Silicon Graphics oder Google verwendent kaum jemand. mehr...
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