Von Stefan Schultz, Palo Alto
Palo Alto - T. Boone Pickens, Ölmilliardär und Großinvestor für Windenergie, hegt starke Zweifel daran, dass Präsident Barack Obama Amerika unabhängiger von Energie-Importen aus dem Ausland machen wird.
"Seit 40 Jahren habe ich mit Washington zu tun", sagte der 80-jährige Chef des Hedgefonds BP Capital Management am Donnerstag auf dem Global Technology Symposium an der Stanford Universität im kalifornischen Palo Alto. Ebenso lange fehle der Regierung der politische Wille, den Energiemarkt umzustrukturieren und damit die eigene Wirtschaft zu schützen.
Inzwischen will Pickens sich selbst zum Ché Guevara der US-Energie-Revolution aufschwingen. Seit Juli 2008 geht er mit einem gigantischen Energieprojekt hausieren, über das angeblich bis zu 20 Prozent des US-Stromverbrauchs gedeckt werden können. Der sogenannte "Pickens Plan" sieht für die nächsten zehn Jahre Investitionen über 150 Milliarden Dollar in Windenergie und Biokraftstoffe vor. Für Aufsehen sorgte vor allem sein Vorschlag, einen Korridor von Windrädern und -turbinen zu bauen, der sich von der kanadischen Grenze bis Texas erstreckt.
Er kämpft für diesen Plan nach eigenen Angaben nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern auch, um die Energieversorgung seiner Enkel sicherzustellen.
Kritiker bezeichneten den "Pickens Plan" vergangenen Sommer als "wahnwitzig". Allerdings stieg der Ölpreis zu dieser Zeit auf ein Rekordhoch von bis zu 147 Dollar pro Barrel (159 Liter) - was das Interesse an einem Windkorridor quer durch Amerika steigerte. Dann kam die Weltwirtschaftskrise, der Ölpreis stürzte auf ein Drittel seines Wertes, und Investoren sprangen ab.
Seitdem hat Pickens ein massives Problem, denn er hat bereits zwei Milliarden Dollar in Windturbinen von General Electric investiert, die bis 2011 geliefert werden sollen. "Seit der Ölpreis im Keller ist, sinkt die Aufmerksamkeit am 'Pickens Plan'", sagte Pickens. Dass die US-Regierung ohne den Druck einer immanenten Energiekrise ihre Abhängigkeit vom Ausland reduzieren wird, bezweifle er.
Umso aggressiver ist deshalb seine Lobbyarbeit. Über die Web-Seite push.pickensplan.com mobilisiert er Bürger, die Politiker in ganz Amerika dazu bewegen sollen, sich für sein Energiekonzept einzusetzen. Er nutzt dabei dieselbe Strategie wie eine Reihe neuer Startups, die aktuell versuchen, mittels Schwarmkommunikation die Ökowende herbeizuführen.
Über zwei Millionen Nutzer haben sich dem Unternehmer zufolge bereits auf Pickens Web-Seite registriert. Eine erste Aktion ist für den 1. April geplant. Dann sollen Web-Protestler in einem "virtuellen Marsch" ihre jeweiligen Lokalpolitiker mit E-Mails und Faxen überschütten und Unterstützung für den Bau der Windkorridors einfordern. Ob es sich dabei um einen Aprilscherz handelt, bleibt abzuwarten.
"Ich habe jetzt eine Armee", drohte Pickens jedenfalls in Palo Alto. Die Obama-Regierung müsse einen Energieplan vorlegen, forderte er - und dieser werde "von der Graswurzel" kommen.
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