Wirtschaft



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27.03.2009
 

Fahndungsdruck

Schweizer Banken erteilen Mitarbeitern Reiseverbot

Die Energie der Fahnder aus Deutschland, Frankreich und den USA hat bei den Schweizer Bankmanagern nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Einem Zeitungsbericht zufolge haben sie ihren Mitarbeitern Reisen ins Ausland verboten - aus Angst vor den Nachstellungen der Behörden.

London - Die Verhöre von UBS-Managern durch US-Fahnder im vergangenen Jahr war den Bankern eine Warnung: Schweizer Bankmanager könnten derzeit speziell in den USA, in Deutschland und in Frankreich grundsätzlich als verdächtig gelten. Die Reaktion in den Chefetagen mehrerer Genfer Privatbanken ist da nur konsequent: Wie die "Financial Times" ("FT") berichtet, verbieten sie ihren Mitarbeitern inzwischen jede Reise ins Ausland. Das harte Vorgehen gegen das Schweizer Bankgeheimnis habe die Geldhäuser eingeschüchtert, sagten mehrere hochrangige eidgenössische Bankmanager dem Blatt.

UBS-Logo: Ermittlungen der Steuerbehörden zeigen Wirkung
AFP

UBS-Logo: Ermittlungen der Steuerbehörden zeigen Wirkung

Die USA und Deutschland hätten ihre Prüfungen verschärft; daher müsse man bei Reisen in diese Länder befürchten, sofort unter irgendeinem Vorwand festgehalten zu werden, sagte der Chef einer führenden Privatbank der "FT". "Wenn ich heute nach Deutschland zu zwei Banken reise, mit denen ich Geschäfte mache, dann kann mich der deutsche Zoll aus purer Willkür festhalten und befragen", begründete ein anderer Top-Manager in der "FT" die Vorsichtsmaßnahme.

Bei der UBS bestehe das Reiseverbot bereits seit dem vergangenen Jahr, berichtet die "FT" weiter. Damals hatten US-Ermittler den Chef der globalen UBS-Vermögensverwaltung, Raoul Weil, in die Mangel genommen. Der Vorwurf: Weil soll im Auftrag der UBS 17.000 Amerikanern geholfen haben, Vermögen im Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar an der Steuer vorbeizuschleusen. Die UBS hatte für Amerikaner sogenannte Offshore-Konten geführt, die von der Schweiz aus verwaltet wurden. Inzwischen ist gegen den Manager und andere nicht genannte Banker Anklage erhoben worden.

Die Reisesperren stünden auch im Zusammenhang mit dem geplanten Gipfel der G-20-Länder in der kommenden Woche in London, berichtet die Zeitung. Dort wollen die Regierungschefs auch über die Strategie gegen Steueroasen beraten. Ob sich die Anweisungen nur auf Dienstreisen beziehen oder auch auf private Urlaubsfahrten, geht aus dem Bericht nicht hervor. Keine der betroffenen Banken wollte sich öffentlich zu der Angelegenheit äußern.

Erst vor zwei Wochen hatte der Bundesgerichtshof das Bankgeheimnis in Deutschland weiter gelockert. Es reiche aus, "wenn das zu prüfende Bankgeschäft Auffälligkeiten aufweist, die es aus dem Kreis der alltäglichen und banküblichen Geschäfte hervorhebt", heißt es in dem Urteil. Dies steht nach Ansicht des obersten deutschen Finanzgerichtes nicht im Konflikt mit dem gesetzlich garantierten Bankgeheimnis. Allumfassende Kontrollmitteilungen bleiben weiter verboten. Bankkunden - also auch die mit Schweizer Konten - müssen also künftig häufiger mit einer Kontrolle rechnen.

Doch jenseits der amtlichen Kontrollmitteilungen bleiben Zeugen eine wichtige Quelle für die Steuerfahnder. Und weder in Deutschland noch in Frankreich oder in den USA dürfen Steuerhinterzieher derzeit offenbar mit Pardon rechnen.

Der Druck gegenüber den Steueroasen kommt nicht von ungefähr. Drei bis sechs Millionen Kunden horten selbst nach Schätzungen von Schweizer Bankmanagern Schwarzgeld in der Schweiz. Insgesamt gehe es um mehr als eine Billion Euro. Ein großer Teil davon dürfte aus Deutschland kommen: Laut einer Studie der Unternehmensberatung BBW haben deutsche Steuerflüchtlinge 175 Milliarden Euro am hiesigen Fiskus vorbei in die Alpenbastion geschafft, weit mehr als in jede andere Steueroase.

mik

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