Wirtschaft



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30.03.2009
 

Ringen um Opel-Rettung

GM-Rochade verschafft Merkel Bedenkzeit

Von Anselm Waldermann

Deutsche Politiker und Betriebsräte feiern den Rücktritt von GM-Chef Wagoner - doch ob Nachfolger Henderson zur Rettung des Konzerns wirklich die bessere Wahl ist, ist offen. Der Bundesregierung kommt die Personalie auf jeden Fall gelegen: Sie gewinnt im Ringen um die Tochter Opel wertvolle Zeit.

Hamburg - Der Boss geht - und alle atmen auf. Rick Wagoner, Chef des US-Autogiganten General Motors Chart zeigen, hat in der Nacht zum Montag seinen Rücktritt bekanntgegeben. "Dieser Schritt war überfällig", jubelt Klaus Franz, Betriebsratschef der deutschen Tochter Opel. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ist begeistert: In die Bemühungen zur Opel-Rettung sei "neue Bewegung" gekommen, sagte er am Montag in Berlin. Es bestehe nun "eine gute Chance, Opel zu retten".

Künftiger GM-Chef Henderson (Mitte März): Überfälliger Schritt
AP

Künftiger GM-Chef Henderson (Mitte März): Überfälliger Schritt

Nachfolger für Wagoner soll Fritz Henderson werden, derzeit GM-Vizechef und früher GM-Europachef. Er gilt als guter Kenner der hiesigen Verhältnisse, seine Bindung an Opel ist wesentlich enger als bei dem Ur-Amerikaner Wagoner. Betriebsratschef Franz hofft denn auch auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Neuen: Henderson habe den Plan für die Herauslösung von Opel aus dem Mutterkonzern klar vorangetrieben, lobt er. Er stehe für Dezentralismus und die Eigenständigkeit der Regionen, während Wagoner "der Inbegriff des gescheiterten zentralistischen Systems" gewesen sei.

Doch die Freude kommt womöglich zu früh. Denn allzu groß dürften die Unterschiede zwischen Wagoner und Henderson nicht sein. "Henderson ist der nächste Vorstandschef, der keine Ahnung von Autos hat", ätzt Guido Reinking, Chefredakteur der Automobilwoche. "Er ist ein guter Finanzmann, aber das ist schon alles." Ob sich die Qualität der Fahrzeuge unter Hendersons Ägide bessere, sei fraglich, ebenso, ob die Modellpalette auf die Zukunft ausgerichtet werde.

Vorangetrieben wurde die Personalie von der US-Regierung unter Barack Obama. Sie hat das Sanierungskonzept von GM verworfen - und Wagoner damit zum Rücktritt gezwungen. Bevor weitere Staatsmilliarden fließen, muss das Unternehmen nun einen neuen Sparplan vorlegen. Dafür bekommt es 60 Tage Zeit.

"Die Politik spielt auf Zeit"

Der deutschen Regierung kommt das äußerst gelegen. Die eigenen Pläne zur Rettung der Tochter Opel kann sie erst einmal begraben - allem Optimismus Rüttgers' zum Trotz. "Die deutsche Politik kann die notwendigen Entscheidungen weiter vor sich herschieben", erklärt Reinking. "Nach dem Motto: Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, was die Amerikaner machen."

Für die Bundesregierung ist das eine angenehme Situation: Die höchst umstrittene Frage, ob der Staat einem Autohersteller unter die Arme greifen soll, muss nicht geklärt werden. In der Großen Koalition sorgt das für Entspannung: Das leidige Thema, das Union und SPD spaltet, ist vorerst vom Tisch. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte am Montag, die Entscheidung über Staatshilfe für Opel sei weiter offen. Berlin werde die zusätzlichen zwei Monate nutzen, um an Lösungen zu arbeiten. "Für Opel wird das eine lange Hängepartie", erläutert Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. "Die Politik spielt auf Zeit."

Und dieses Spiel könnte lange dauern. Denn auch in den USA stehen die wirklich ernsten Entscheidungen noch aus. Hohe Überkapazitäten, falsche Modellpolitik, Arbeitskosten, die drei Mal so hoch sind wie bei Toyota - alle diese Fragen ist General Motors bisher nicht angegangen. Das Sanierungskonzept, das GM der US-Regierung präsentiert hat, sei "ein einziges Rumgeeiere", lästern Fachleute.

Wenn es hart auf hart kommt, droht GM sogar die Pleite. Zumindest legt es die Regierung in Washington darauf an - als Drohpotential, um keine Steuermilliarden zu verschwenden. "Eine Insolvenz ist wieder realistischer geworden", sagt Reinking. "In den USA gibt es mehr Stimmen, die genau das fordern."

Für die deutsche Tochter Opel könnte das unter Umständen sogar von Vorteil sein. Denn im Falle einer GM-Insolvenz würde für sämtliche Unternehmensteile ein Käufer gesucht - genau das, was sich Bundesregierung und Arbeiter für Opel wünschen. "Das wäre dann so wie bei Ford Chart zeigen und Volvo Chart zeigen", sagt Reinking. "Eine saubere Loslösung." Für die deutschen Standorte wäre das womöglich das beste Ergebnis: "Mit GM geht es für Opel schließlich nicht mehr weiter", sagt Reinking. Pieper vom Bankhaus Metzler ergänzt: "Eine Insolvenz von GM ist eine Option."

Opel droht harte Sanierung

Andere deutsche Hersteller könnten davon ebenfalls profitieren. So baut Volkswagen Chart zeigen ein eigenes Werk in den USA. Langfristig könnte das Unternehmen Marktanteile von GM gewinnen - und wahrscheinlich auch von Chrysler, das unter ähnlichen Problemen leidet.

GM-Markenübersicht

DPA
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Pieper vom Bankhaus Metzler setzt ebenfalls auf eine strenge Sanierung. "Obamas harter Kurs ist richtig", sagt er. "Sonst wäre es nur eine Durchwurstelei geworden, ohne dass sich wirklich etwas ändert." Es gehe nun um "das Überleben des Unternehmens, da kann man sich nicht nur von Monat zu Monat durchhangeln".

In letzter Konsequenz dürfte sich dieser Druck aber auch in Europa bemerkbar machen, und das heißt vor allem: bei Opel. "Endlich wird auch Opel eine Sanierung abverlangt, die wirklich tragfähig ist", sagt Pieper. Dies dürfe dann auch betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen nicht ausschließen.

Ob dies allerdings für deutsche Standorte gilt, ist eher fraglich: Im Wahljahr 2009 kann es sich die Bundesregierung kaum erlauben, ein hiesiges Werk dichtzumachen. "Ich glaube, es trifft Antwerpen", sagt Pieper. "Dort haben die Arbeiter keine politische Lobby."

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