Washington - Es war eine Demonstration der Härte: US-Präsident Barack Obama hat die angeschlagenen Autokonzerne General Motors (GM)
und Chrysler mit deutlichen Worten kritisiert. "Wir können nicht weiter schlechte Entscheidungen entschuldigen", tadelte Obama das Management der Unternehmen. "Es war ein Führungsversagen von Washington bis Detroit, das uns an diesen Punkt geführt hat."
Obama: Konzerne müssen "harte Entscheidungen" treffen
Obamas Konsequenzen waren bereits vorab bekanntgeworden: GM bekommt 60 Tage Zeit, um ein tragfähiges Sanierungskonzept vorzulegen. In diesen zwei Monaten erhält das Unternehmen eine Anschlussfinanzierung, während der Konzern mit Gewerkschaften, Aktionären und Gläubigern verhandeln und ihnen bedeutende Zugeständnisse abfordern soll. Dadurch soll GM schlanker und kosteneffizienter werden.
Chrysler dagegen bekommt nur 30 Tage, um eine Kooperation mit dem italienischen Fiat-Konzern zu realisieren. Der Autobauer gab jedoch kurz darauf bekannt, sich mit Fiat auf eine Rahmenkooperation geeinigt zu haben. Das berichten mehrere US-Medien. Dem Unternehmen zufolge müssen aber noch mehrere Hürden genommen werden. Das US-Finanzministerium werde die globale Allianz unterstützen, erklärte Chrysler-Chef Bob Nardelli.
Die Konzerne werden "harte Entscheidungen" treffen müssen, wenn sie weiterhin Staatshilfe erhalten wollen, kündigte Obama an. Die Branche müsse sich einer "aggressiven Umstrukturierung" unterwerfen, dann allerdings gebe es eine Chance für die Zukunft: "Wir können nicht, dürfen nicht und werden nicht zulassen, dass unsere Autoindustrie einfach verschwindet."
Obama sagte, GM und Chrysler müssten möglicherweise Gläubigerschutz beantragen. Dies sei eine Option, um die Restrukturierung der Konzerne voranzutreiben und Schulden abzubauen. Die Arbeit unter Gläubigerschutz sei jedoch nur für eine kurze Zeit denkbar, und die Geschäfte sollten normal weiterlaufen. Man wolle die Autobauer nicht untergehen lassen, werde jedoch nicht endlos Geld in den Sektor pumpen. "Um es klar zu sagen: Die US-Regierung hat kein Interesse, GM zu führen", sagte Obama.
Zugleich gab Obama offiziell den Rücktritt von GM-Chef Rick Wagoner bekannt. Nachfolger ist Konzernvize Fritz Henderson (50), der bereits als ehemaliger Europa-Chef drastische Sparmaßnahmen durchgesetzt hatte. Der Abgang von GM-Chef Rick Wagoner zeige, dass der Konzern anerkenne, dass eine neue Ausrichtung nötig sei, sagte Obama.
Henderson schloss nach Obamas Rede die Option Gläubigerschutz nicht mehr aus. "GM wird alle notwendigen Schritte für eine erfolgreiche Restrukturierung in Angriff nehmen. Dazu zählt auch ein vom Gericht überwachter Prozess", sagte Henderson. Jedoch ziehe er es vor, den Konzern außerhalb des Gläubigerschutzes zu sanieren, betonte er.
Die Sanierung von GM ist auch für das Überleben von Opel entscheidend. Die Bundesregierung betont, sie sei zu Hilfen für Opel nur dann bereit, wenn GM ein endgültiges Sanierungskonzept vorlegt.
Bei Chrysler sei die Situation "noch schwieriger": Für die frühere Daimler-Tochter sieht Obama keine Chance, alleine zu überleben. Obama warnte zugleich, falls GM und Chrysler kein realistisches Sanierungskonzept finden, bleibe nur noch der Weg in die Insolvenz.
Ohne weitere Milliardenhilfen aus Washington können die beiden Traditionskonzerne nicht überleben. Überkapazitäten, eine falsche Modellpolitik und hohe Produktionskosten haben die Detroiter Hersteller in die Knie gezwungen. Allein General Motors hat zwischen 2005 und 2008 etwa 73 Milliarden Dollar Verluste angehäuft.
cte/Reuters/AFP/AP/dpa
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