Von Marc Pitzke, New York
Das Weiße Haus lancierte dafür sofort ein neues Schlagwort: "quick-rinse bankruptcy" ("Schnellspülgang-Insolvenz"). Dieses Verfahren würde den knappen Fristen für die neuen GM-und Chrysler-Sanierungspläne entsprechen und zugleich die kniffligsten Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, die einer Gesundung der Autobauer entgegenstehen. Darunter fallen in erster Linie Schulden (28 Milliarden Dollar allein bei GM) und die horrenden Sozialleistungen.

Das hält Obamas Auto-Arbeitsgruppe für völlig unrealistisch - wie die meisten Vorschläge, mit denen die Konzerne ihre Sanierungspläne vom Februar versehen hatten. Zwar räumte der Präsident "bedeutsame Fortschritte" ein. Doch der vernichtende Report seiner Experten liest sich anders: So herrsche "bei den Verbrauchern die Meinung, dass GM Autos von geringerer Qualität baut". Auch das neue GM-Elektroauto Chevy Volt sei trotz aller Vorschusslorbeeren "wahrscheinlich zu teuer, um kurzfristig kommerziell erfolgreich zu sein". So bereiten sie dem "Chapter 11"-Insolvenzverfahren den Weg.
Die US-Regierung hat nach Informationen des "Wall Street Journals" schon sehr konkrete Pläne: Demnach sollen GM und die frühere Daimler-Tochter Chrysler in je eine "gute" und eine "schlechte" Firma geteilt werden, ähnlich wie bei den maroden Banken.
Im "schlechten" GM-Bereich würden alle Lasten gebündelt, etwa die Sozialkosten und unprofitable Marken wie Hummer und Saturn. Das "gute" GM - inklusive Chevy und Cadillac - könnte selbständig bleiben, womöglich mit einer Beteiligung von Gewerkschaften und Gläubigern. "Das ist der Plan", zitierte das "Journal" einen der Verhandlungsbeteiligten.
Chrysler bekam vom Weißen Haus dabei wesentlich schlechtere Chancen eingeräumt. Das "gute" Chrysler soll demnach an den italienischen Fiat-Konzern gehen, mit dem Chrysler bereits ein Rahmenabkommen getroffen hat.
Fiat-Chef Sergio Marchionne erklärte, eine Allianz würde aus "Chrysler nicht nur finanziell ein stärkeres Unternehmen machen, sondern auch dabei helfen, amerikanische Arbeitsplätze zu erhalten". Vorgesehen ist offenbar, dass Fiat zunächst einen bis zu 35-prozentigen Anteil übernimmt und nach Tilgung der Schulden dann zum Mehrheitseigner wird.
Nicht alle Branchenexperten begrüßten allerdings die Insolvenz-Option. "Schnellspülgang klingt gut", sagte der Konkursfachmann Brad Coulter der "Detroit Free Press". "Ich weiß nur nicht, ob das wirklich funktionieren würde." Den Begriff habe er am Montag zum ersten Mal gehört.
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