Grenoble - Erneut haben Arbeiter in Frankreich ein drastisches Protestmittel gewählt: Im Kampf gegen Werksschließungen und Stellenkürzungen haben sie Führungskräfte als Geiseln genommen. In Grenoble sperrten Beschäftigte des Baumaschinenherstellers Caterpillar am Dienstagmorgen den Frankreich-Chef und drei weitere Manager im Büro des Standortleiters ein. Die US-Firma will in Frankreich 733 Stellen streichen. Es ist das dritte Mal binnen drei Wochen, dass Manager von Arbeitern kurzzeitig festgehalten wurden.
Manager Nicolas Polutnik: Am Mittag von der Polizei befreit
"Caterpillar macht Gewinne und zahlt Dividenden an seine Aktionäre, daher wollen wir eine vernünftige Lösung für alle unsere Mitarbeiter", begründete Gewerkschaftssprecher Pierre Piccarreta die Protestaktion. Man plane keine Gewalt gegen die Manager, sondern wolle die Wiederaufnahme der Verhandlungen erzwingen. Die gesamte Belegschaft von 2500 Mitarbeitern am Standort Grenoble legte zudem die Arbeit nieder. Am Mittag befreite die Polizei die Manager.
Das Vorbild für die Aktion lieferten Mitte März Angestellte von Sony, als sie den Frankreich-Chef eine Nacht in einer Fabrik nahe Bordeaux eingesperrt hatten. Sie verlangten bessere Abfindungen, wenn das Werk im April geschlossen wird. Wenige Tage später nahmen Mitarbeiter des Büromaterialherstellers 3M in Pithiviers den Werksdirektor für eine Nacht als Geisel und protestierten damit gegen die geplante Streichung von rund der Hälfte der 235 Stellen. Beide Geiselnahmen hatten zur Folge, dass sich die Firmen zu Neuverhandlungen über Abfindungen bereiterklärten.
Auch Führungskräfte des deutschen Autozulieferers Continental haben die Wut ihrer Arbeiter bereits zu spüren bekommen: Wegen der Schließung eines Reifenwerks wurden sie mit Eiern beworfen.
Der Generalsekretär der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO), Jean-Claude Mailly, kündigte am Dienstag wegen Entlassungen infolge der Wirtschaftskrise harte Konflikte in einigen Unternehmen an. "Es wird sie geben, und wir werden sie unterstützen", sagte Mailly.
bim/AFP/AP/Reuters
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