Düsseldorf - Die Bundesnetzagentur lockert nach Informationen des "Handelsblatts" die Kontrolle der großen Stromkonzerne. Nach den kräftigen Einschnitten der vergangenen Jahre billigt die Behörde den vier großen Konzernen E.on
, RWE
, Vattenfall und EnBW
wieder deutlich höhere Erlöse für ihre Höchstspannungsleitungen zu.
Besonders üppig fällt der Zuschlag bei Marktführer E.on aus. Deutschlands größtem Energiekonzern wurden nach eigenen Angaben 30 Prozent höhere Erlöse genehmigt als noch vor einem Jahr. Die Einnahmen im Netzgeschäft dürften damit um mehrere hundert Millionen Euro steigen. Bei Vattenfall Europe sind es 14 Prozent mehr, bei EnBW 13 Prozent und bei RWE zwischen neun und 16 Prozent, je nachdem, wo der Strom eingespeist und wieviel durch die Leitungen transportiert wird.
Netzentgelte sind Gebühren, welche die Konzerne Konkurrenten, aber auch eigenen Vertriebsgesellschaften in Rechnung stellen, wenn diese die Leitungen nutzen. Insgesamt machen die Netzkosten rund ein Drittel des Strompreises für Privathaushalte aus. Davon entfällt aber nur ein geringerer Teil auf die überregionalen Höchstspannungsnetze, die knapp 900 regionalen Verteilnetze machen den Großteil der Kosten aus.
In den vergangenen Jahren hatte die Bundesnetzagentur die Durchleitungsgebühren regelmäßig gesenkt. Dies kam auch den Stromkunden zugute. Nach Angaben der Bundesnetzagentur haben sich inzwischen aber die Ausgaben der Netzbetreiber erhöht, weil sie immer größere Mengen an Ökostrom in ihre Leitungen aufnehmen müssen. Die gestiegenen Kosten werden nun bei der Berechnung der Netzentgelte mit berücksichtigt.
Eine härtere Linie fährt die Netzagentur unterdessen gegen die Deutsche Telekom
. Das Unternehmen ist mit seinem Antrag auf höhere Gebühren für die sogenannte letzte Meile (TAL) gescheitert. Die Agentur teilte am Dienstag mit, dass das Entgelt zum 1. April für zwei Jahre auf 10,20 Euro monatlich gesenkt werde. Die Telekom, die gut acht Millionen TAL-Leitungen vermietet hat, hatte eine Erhöhung der Gebühr auf 12,90 Euro gefordert.
Die Telekom teilte mit, sie sehe angesichts der Entscheidung keine Grundlage mehr für den verstärkten Ausbau ihrer Infrastruktur in abgelegenen Gebieten. "Das ist ein schlechter Tag für den Breitbandausbau im ländlichen Raum und den Infrastrukturausbau in Deutschland." Dringend benötigte Investitionsmittel würden vernichtet.
wal/Reuters
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