Mittwoch, 10. Februar 2010

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01.04.2009
 

Streit um Konjunkturpakete

Japans Regierungschef attackiert Merkel

Weltweit streiten Regierungen um weitere Konjunkturpakete: Jetzt rügt der japanische Regierungschef Taro Aso Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Blockadehaltung. Laut Aso mangelt es den Deutschen an Krisenerfahrung.

London - Kurz vor dem G-20-Treffen in London geht Japans Ministerpräsident Taro Aso mit dem wirtschaftspolitischen Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel hart ins Gericht. Aso sagte der "Financial Times", es gebe Länder, "die die Bedeutung einer fiskalischen Mobilisierung verstehen und andere Länder, die das nicht verstehen - das ist, wie ich glaube, der Grund für die deutschen Ansichten".

Taro Aso: Kritik an der deutschen Kanzlerin
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AFP

Taro Aso: Kritik an der deutschen Kanzlerin

Neben Japan plädieren auch die USA und Großbritannien für weitere Konjunkturmaßnahmen der führenden Wirtschaftsnationen. Deutschland und Frankreich sind dagegen. Zunächst müsse abgewartet werden, wie die bisherigen Maßnahmen wirkten, hatte die Kanzlerin zuletzt mehrfach betont. Aso äußerte die Kritik unmittelbar vor dem Weltfinanzgipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in London, der am Mittwochabend mit einem Arbeitsessen beim britischen Premierminister Gordon Brown beginnt.

Japan hatte am Dienstag ein umfassendes Konjunkturprogramm angekündigt. In den Medien war von einem Umfang von 157 Milliarden Euro die Rede. Die Regierung in Tokio will dazu einen Nachtragshaushalt vorlegen.

Der japanische Regierungschef erinnerte daran, dass sein Land aufgrund der Vergangenheit Erfahrung im Umgang mit wirtschaftlichen Krisen habe. "Wegen der Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre wissen wir, was notwendig ist, während die USA und europäische Länder eine solche Situation wohl zum ersten Mal erleben", sagte Aso der Zeitung.

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Illustration Dan Adel für den SPIEGEL
Sein Land bekommt die Krise derzeit besonders drastisch zu spüren. Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm Ende vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent ab. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Entsprechend hat sich die Stimmung in der japanischen Großindustrie katastrophal verschlechtert. Der Stimmungsindex in der weltweit beachteten Tankan-Umfrage stürzte im ersten Quartal von minus 24 Punkten auf minus 58 Punkte ab. Die Stimmung in der japanischen Großindustrie ist damit so schlecht wie noch nie seit Beginn der Umfragen 1974.

Ähnlich stark schrumpfte die Wirtschaftsleistung laut Statistischem Bundesamt in Südkorea (minus 3,4 Prozent) und Italien (minus 2,9 Prozent). In Deutschland ging die Wirtschaftsleistung den Angaben der Statistiker zufolge um 1,6 Prozent zurück; die EU-Staaten litten im Schnitt unter einem Einbruch von 1,3 Prozent.

Trotz Wirtschaftskrise konnten in den letzten Monaten des vergangenen Jahres die Volkswirtschaften einzelner Schwellenländer noch immer deutliche Wachstumsraten verzeichnen, wie die Statistiker mitteilten. Demnach betrug das Wachstum in Ländern wie China, Indien, Indonesien oder Argentinien von 4,9 bis 6,8 Prozent.

Jedoch hätten diese Werte deutlich unter dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2008 und des Vorjahres gelegen. Die G-20-Staaten erwirtschafteten nach Angaben der Weltbank im Jahr 2007 fast 90 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und beheimateten rund zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (1) der G20 zur Vorjahresperiode in Prozent
G20 2006 2007 1. Quartal 2008 2. Quartal 2008 3. Quartal 2008 4. Quartal 2008
Deutschland 3,0 2,5 2,8 2,0 0,8 – 1,6
Frankreich 2,2 2,2 2,0 1,1 0,6 – 0,9
Italien 2,0 1,6 0,4 – 0,4 – 1,3 – 2,9
Großbritannien 2,8 3,0 5,2 4,4 2,6 0,0
Japan 2,4 2,1 1,4 0,5 – 0,2 – 4,3
Kanada 3,1 2,7 1,5 0,7 0,3 – 0,7
Vereinigte Staaten 2,8 2,0 2,5 2,1 0,7 – 0,8
Russische Föderation (2) 7,4 8,1 8,5 7,5 6,2 k.A.
Argentinien (2) 8,5 8,7 8,5 7,8 6,9 4,9
Australien 2,7 4,2 3,3 2,8 1,8 0,3
Brasilien (2) 3,8 5,4 6,1 6,2 6,8 1,3
China (2) 11,6 11,9 10,6 10,1 9,0 6,8
Indien (2) 9,8 9,3 8,8 7,9 7,6 5,3
Indonesien (2) 5,5 6,3 6,2 6,4 6,4 5,2
Südkorea 5,1 5,0 5,3 4,2 3,0 – 3,4
Mexiko 4,9 3,2 3,3 2,3 1,7 – 1,7
Saudi-Arabien 3,0 3,5 4,2 (3) 4,2 (3) 4,2 (3) 4,2 (3)
Südafrika (2) 5,4 5,1 3,9 4,5 3,0 1,0
Türkei (4) 6,9 4,6 6,2 2,3 0,9 k.A.
Europäische Union 3,1 2,9 2,4 1,7 0,7 – 1,3
Quellen:
Jahresdaten 2006, 2007: Für EU-Mitglieder und EU: Eurostat. Für die übrigen Staaten: IWF.
Quartalsdaten: Für OECD-Länder und EU: OECD. Für die übrigen Staaten: nationale Statistikbehörden.

1) Alle Daten sind preisbereinigt und in der Regel vorläufig. Die Quartalsdaten sind zudem saison- und kalenderbereinigt; Ausnahmen siehe Fußnote
2) Angaben nicht saison- und kalenderbereinigt.
3) Für Saudi-Arabien liegen nur Jahresdaten vor. Angaben 2008: nationale Währungsbehörde.
4) Die türkischen Quartalsdaten sind saisonbereinigte Schätzwerte.

cte/Reuters/AFP/dpa

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